azubi@FLY: Mein Auslandspraktikum in Finnland ein Bericht unserer Azubine Viktoria

Hyvää paivää! Fremde Länder, deren Kultur, Menschen und Sprachen haben mich schon immer interessiert. So habe ich mich schon im ersten Ausbildungsjahr darüber informiert, ob wir im Rahmen unserer Berufsausbildung an einem Auslandspraktikum teilnehmen können. Und tatsächlich: Die Klara-Oppenheimer-Schule organisiert Auslandspraktika, die über ERASMUS+ von der EU gefördert werden. Ich habe die Möglichkeit gleich ergriffen und mich mit der Ansprechpartnerin in unserer Schule in Verbindung gesetzt. Auf unserer Schulhomepage hatte ich gelesen, dass neben Spanien, Belgien und einigen anderen Ländern, eines der Partnerländer Finnland ist. Da ich mich schon länger für die finnische Kultur und Sprache interessiere, wollte ich nun unbedingt nach Finnland. Bevor es allerdings losgehen konnte, mussten einige organisatorischen Dinge geklärt werden. So schrieb ich eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf auf Englisch und hielt Absprache mit FLYERALARM, dass sie mich für diesen Zeitraum entsenden und ich von der Schule für diese Zeit freigestellt werde.

Nach einigen Wochen Organisation sowie weiteren Vorbereitungen stand dem Aufenthalt in Finnland nichts mehr im Wege. Meine Reisebegleiterin – eine weitere Schülerin von der Klara-Oppenheimer-Schule – und ich konnten es kaum erwarten, bis es dann Mitte April endlich losging.

Unser Flug ging am Abend, sodass wir um 22:30 in Helsinki (Vantaa) am Flughafen landeten. Ohne Orientierung und Ortskenntnisse machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Ohne Google Maps wären wir aufgeschmissen gewesen, da die Busfahrer wenig bis kein Englisch sprachen. Dass alle Haltestellen in Finnland zwei Namen haben (einen finnischen und einen schwedischen) machte die Sache nicht gerade leichter. Vor allem da Google Maps nur einen der beiden Namen anzeigte. Nach einer wilden Busfahrt und einem nächtlichen Spaziergang durch Baustellen und Wald, kamen wir dann nach Mitternacht endlich in unserer Unterkunft an. Zum Glück ging es so nicht weiter. Bald waren uns die Busse und Haltestellennamen vertraut und wir erkannten, , dass in Finnland die Busse meistens früher da sind, und dementsprechend auch früher wieder abfahren.

Am ersten Tag in Finnland trafen wir uns mit unserer Ansprechpartnerin von Omnia, die Partnerschule der Klara-Oppenheimer-Schule. Sie zeigte uns die Schule, erklärte uns das finnische Bildungssystem, dass uns sehr beeindruckte, denn in Finnland verläuft die Ausbildung etwas anders als in Deutschland. Hier sind die Schüler nicht parallel zur Schule in einem Unternehmen. Bezug zu einem Unternehmen bekommen sie nur durch Praktika. Dafür lernen sie in der Berufsschule sehr viel Praktisches.  Jeder Fachbereich hat seine eigenen Lehrräume.  So dürfen die angehenden Friseure in der Berufsschule schon echte Kunden begrüßen. Maurer bauen kleine (Garten-)Häuser in der Werkstatt, die anschließend auch verkauft werden und die Tischler bauen unter anderem Möbelstücke. Alles in allem war der Rundgang sehr spannend.

Außerdem begleitete unsere Ansprechpartnerin uns an unserem ersten Arbeitstag zu unserem Praktikumsplatz. Mein Praktikumsplatz war die Deutsche Bibliothek in Helsinki. Man könnte meinen, was hat denn das für ein Sinn, dass man ins Ausland geht um dann in einer Deutschen Bibliothek zu arbeiten. Aber meine Intension war ja nicht mein Englisch zu verbessern, sondern mein Finnisch sowie die finnische Kultur und finnische Arbeitsweise kennenzulernen. Und das konnte ich in der Bibliothek sehr gut, da dort eine Finnin arbeitete, die Deutsch schon in der Schule als erste Fremdsprache gelernt hat sowie eine Deutsche, die bereits seit über 30 Jahren in Finnland lebt. Weiter waren die Menschen, die sich Bücher ausgeliehen haben, größtenteils Finnen, die Deutsch lernten. Daher war die Bibliothek wirklich ein hervorragender Ort für einen interkulturellen Austausch. Die Finnen profitierten von meinem Deutsch und ich von ihrem Finnisch. Sie konnten mir einiges über die finnische Lebens- und Arbeitsweise erzählen und ich ihnen über die Deutsche. Meine Arbeit bestand größtenteils darin, mich um die Kunden zu kümmern, die Ausleihe zu managen und die Vorbereitung von Veranstaltungen. Auch bei Führungen von Schulklassen durfte ich dabei sein und konnte so noch einiges über die Bibliothek und ihre Geschichte lernen.

Unsere Freizeit haben wir sehr intensiv genutzt und da wir aufgrund der Osterfeiertage und dem 1. Mai wirklich viele freie Tage hatten, haben wir beschlossen über das Osterwochenende nach Lappland zu fliegen. Genauer nach Rovaniemi, die Heimat des Weihnachtsmannes. Während in Helsinki das Wetter ähnlich war, wie in Deutschland, lag dort im hohen Norden von Finnland noch unglaublich viel Schnee. Bei einer kleinen Schneewanderung sind wir fast bis zu den Knien im Schnee versunken. Leider hatten wir nicht die Möglichkeit die Polarlichter zu sehen, da es in Rovaniemi bereits im April nicht mehr wirklich dunkel wird. Dafür hatten wir den Luxus eine eigene Sauna in unserem Apartment zu haben. So haben wir die Abende, wie die Finnen das eben machen, in der Sauna ausklingen lassen.

Auch sonst haben wir unsere Freizeit aktiv genutzt. Neben einem Ausflug in den Nationalpark von Espoo haben wir noch die Städte Porvoo, Turku sowie die Festungsinsel Suomelinna besucht. Einen weiteren Tagesausflug haben wir nach Tallinn gemacht, eine Hafenstadt Estlands.

Wir wollten Finnland erleben, wie es die Finnen tun. Wir waren sogar in einer echten finnischen Smoke-Sauna und anschließend im 5°C kalten See. Allerdings haben wir es nicht wie die Finnen geschafft, lange darin zu schwimmen. Außerdem haben wir Rentiere gefüttert, gestreichelt und gegessen, was deutlich besser schmeckte, als wir es uns vorgestellt hatten. Auch die Karjalapiirakka, eine finnische Spezialität hat es uns sehr angetan. Das ist eine Teighülle aus Roggenmehl und Wasser gefüllt mit ungesüßtem Milchreis oder Kartoffelbrei.

Insgesamt war es ein schöner Aufenthalt in Finnland und ich kann es nur weiterempfehlen. An dieser Stelle danke ich FLYERALARM dafür, dass sie mir dieses Praktikum ermöglicht haben.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Hauska tutustua suomea! Es war schön, dich kennen zu lernen, Finnland!

Viktoria,
Azubine im 2ten Lehrjahr

 

zur Artikelübersicht