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Werbefiguren und Maskottchen: kreativ und clever oder Kinderkram?

Ob in Werbeanzeigen, auf Social Media oder bei Events: Werbefiguren und Maskottchen polarisieren. Doch in einer zunehmend austauschbaren Werbelandschaft entfalten sie ihr volles Potenzial.

Timm Osterhold und die Werbetassen von Fiftyeight Animation

Während die einen sie als kreative Sympathieträger feiern, halten andere sie für zu verspielt oder altmodisch. Doch ist diese Einschätzung gerechtfertigt oder unterschätzt sie das strategische Potenzial fiktiver Werbecharaktere? Fest steht: Egal ob Testimonial, Werbefigur oder Maskottchen – jede Form hat ihre Stärken. Richtig eingesetzt sorgt sie für Wiedererkennung, emotionale Markenbindung und eine klare Positionierung. Wie man es richtig anstellt, haben wir Timm Osterhold, Geschäftsführer, Director und Animator bei FIFTYEIGHT Animation, gefragt.

Interview mit Timm Osterhold von FIFTYEIGHT Animation

Kapitel 1: Intro

Doreen: Herzlich willkommen bei Erfolgsdruck, dem FLYERALARM Podcast über druckreife Marketing- und Businessideen. Ich bin Doreen.

Marco: Und ich bin Marco.

Doreen: Heute bin ich richtig aufgeregt, weil wir mit einem Erfinder sprechen, der gemeinsam mit seinem Team echte Berühmtheiten erschafft. Hör mal rein:

Einspielen TASSEN-Spot: „Was wird denn das, wenn’s fertig ist?“
„Nix. Halt dich da raus. Ich muss hier eine persönliche Nachricht überbringen.“
„Persönlich? Von wem denn?“
„Vom Bern… Nee, warte mal… Brigitte… Johannes…“
„Ja, was war’s jetzt – Mann oder Frau?“
„Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Ist auch egal.“
„Ja, wenn du mich fragst…“
„Ich frag dich aber nicht. Jetzt halt die Fresse.“
„Also, wo stehen geblieben?“
„Ja, also, ich soll dir auf jeden Fall von der…“

Marco: Ah ja, doch, die kenn ich auch! Das sind doch diese animierten Weihnachtstassen – die sprechen, machen Gags, Witze und so.

Doreen: Genau. Wir sprechen heute mit jemandem, der einer dieser Tassen sogar seine Stimme leiht. Timm Osterhold ist sein Name. Aber das ist natürlich nicht alles, was Timm macht. Er ist Geschäftsführer, Animator und Director bei 58 Animation. Er kreiert mit seinem Team Markenfiguren und animierte Charaktere, die wir aus TV-Spots kennen: z. B. Meister Proper, Weißer Riese, die Lachgummis, Mr. Pritt und viele andere. Worauf es bei der Kreation ankommt, welche Vorüberlegungen man anstellen sollte, für wen sich das lohnt und warum es sich überhaupt lohnt – all das erzählt er uns jetzt.

Kapitel 2: Was zeichnet eine gute Werbefigur aus?

Doreen: Hallo Timm und herzlich willkommen in unserem Podcast.

Timm: Hi, grüßt euch.

Doreen: Was zeichnet denn so eine gute Werbefigur – zum Beispiel auch eine animierte Werbefigur wie Mr. Proper oder Weißer Riese – aus? Und wann braucht es ein Redesign? Wie gehst du da an die ganze Sache überhaupt ran?

Timm: Na ja, was zeichnet das aus? Sehr unterschiedlich. Also bei Meister Proper gab’s erstmal so ein riesiges Buch: Was er darf und was er nicht darf. Das ist natürlich eine Werbefigur, die gibt’s schon ewig. Die wurde irgendwann mal in den 50er-Jahren vom Schauspieler auf den Charakter gewechselt, weil der Schauspieler immer teurer wurde. Der wurde dann sehr berühmt – damals waren Werbesendungen noch eine Minute lang oder länger, und das sah eher aus wie eine kleine Serie. Irgendwie putzt eine Frau, unterhält sich mit ihm, man redet, usw. Es gab noch nicht diese kurzen Sendezeiten wie heute: 10, 5, 20 Sekunden – bam, bam. Und weil der Schauspieler als Mensch immer mehr zur Marke wurde, gab es dann Buyout-Rechte usw. Das wurde dem Konzern irgendwann zu viel, und dann haben sie sich entschlossen, eine Figur zu nehmen, die natürlich nicht altert.

Dann sieht man: Egal, ob das eine Marke ist oder ein Charakter – man muss immer mit der Zeit gehen. Bin ich noch aktuell? Muss ich etwas verändern? Manchmal muss man es, manchmal nicht. Sie haben sich damals dazu entschlossen, das zu tun, und weil 3D groß rauskam, wollten sie eine 3D-Figur. Die hatten sie dann auch – aber die sah meiner Meinung nach nicht mehr wie Meister Proper aus. Sehr plastikhaft.

Man muss bei solchen Markenfiguren sehr vorsichtig sein, weil die Wiedererkennung darf nicht verloren gehen – egal, wie viel man verändert.

Beim Mr. Pritt-Redesign sind wir etwas krasser geworden. Da ist die Wiedererkennung – weil es immer dieser Prittstift ist – relativ hoch. Der hatte vorher eine Nase, wir haben sie entfernt, weil das Design uns in eine andere Richtung getrieben hat. Wir arbeiten auch heute noch sehr viel mit Henkel an Mr. Pritt.

Bei Proper war es schon etwas schwieriger. Gerade weil sehr viele Augen darauf gerichtet waren, weil viel schiefgegangen war. Der kam im Markt nicht gut an, die Leute mochten ihn nicht. Wir haben dann versucht, auch eine 3D-Figur zu machen, sie aber so nah wie möglich am Original gehalten. Wir haben probiert, dass das Shading – also wie er aussieht, wenn wir ihn aus der Maschine rendern – sehr nah an einer gezeichneten Figur bleibt, ihm aber einen modernen Touch gegeben. Alle Inputs, die wir von Procter & Gamble damals gehört haben, haben wir eingearbeitet. Am Ende ist er sehr nah an der ursprünglichen Figur gewesen – mit einem kleinen Touch: ein bisschen muskulöser, ein bisschen jünger. So ein „little bit“ halt – das war das, was die Leute wollten.

Kapitel 3: Welche Art von Werbefigur wo einsetzen?

Marco: Ist es grundsätzlich schwerer, menschliche Figuren in 3D darzustellen als Fantasiefiguren wie Mr. Pritt oder die Lachgummis? Die können ja alle möglichen Tricks machen – es kann nicht unrealistisch wirken, weil es keine echten Figuren sind.

Timm: Genau. Wenn man einen fotorealistischen Charakter machen will – zum Beispiel einen Löwen, der etwas tut, was ein normaler Löwe nicht kann – dann ist das sehr schwer. Also Tiere oder Menschen fotorealistisch zu kreieren, da muss der Anwendungszweck sinnvoll sein. Wir sagen oft: „Warum dreht man nicht gleich mit einem echten Menschen?“ Wenn man aber eine Figur haben will, die eben kein Mensch ist, dann muss man da durch.

Die Problematik ist: Bei allem, was wir kennen – Mensch, Tier – wenn es da kleine Fehler oder Ungenauigkeiten gibt, wenn er nicht so läuft, wie er normalerweise laufen würde, wenn im Gesicht nicht das passiert, was wir gewohnt sind – dann fällt man in ein Tal: das „Uncanny Valley“, wie es in der Fachsprache heißt. Dann wirkt es unnatürlich, und ich bekomme keinen Bezug dazu.

Wenn ich aber eine kleine Fantasiefigur habe, dann ist das ganz leicht. Der nehme ich alles Mögliche ab. Die kann fünf Meter hoch springen, explodieren und wieder auftauchen, machen, was sie will. Sie kann hakelig oder weich laufen – da habe ich viel mehr Spielraum. Und da stellt auch keiner die Frage: „Ist das realistisch?“ Sondern: „Wie lebendig ist das?“ Es muss lebendig wirken – sonst bekomme ich keinen emotionalen Zugriff. Wenn ich nicht merke, dass das wie eine kleine lebendige Figur aussieht, dann ist die Verbindung weg.

Doreen: Die Charaktere, die du aufzählst, kennt man ja hauptsächlich aus dem Fernsehen, aus Kinowerbung oder großen Bildschirmen. Können denn auch kleine und mittelständische Unternehmen mit so einem Werbecharakter etwas anfangen? Wo kann man die noch einsetzen – außer bei riesigen Produktionen?

Timm: Ich glaube, das kommt immer drauf an. Große Firmen haben größere Projekte. Kleine Firmen haben häufig kleinere Projekte – klar. Wenn man Meister Proper macht, dann druckt man 100 Millionen Flaschen. Da ist natürlich auch das, was dahintersteckt, riesig.

Aber: In Japan hat wirklich alles einen Charakter! Die Japaner sind ja seit vielen Jahrzehnten in der Comic-Welt zu Hause – Manga ist da traditionell. Selbst das Gefängnis hat einen Charakter. Die Müllabfuhr hat einen. Die U-Bahn, der Zug – überall gibt es kleine Figuren, die Informationen transportieren.

Früher war Fernsehwerbung auch für uns ein großer Markt – heute ist das stark im Wandel. Die Leute schauen weniger Fernsehen. Viel geht online – auf Webseiten, in Social Media: Instagram, Facebook, YouTube.

Insofern sind die Möglichkeiten auch für kleine Unternehmen riesig geworden. Ich kann einen YouTube-Film machen, den hochladen – das kostet mich nichts. Ich kann ihn meinen Followern oder Kunden zeigen, mit einem Link versehen, auf meiner Webseite Dinge animieren lassen… Die Möglichkeiten sind riesig. Selbst der Bäcker um die Ecke hat manchmal einen süßen Charakter – den benutzt er dann auf seinem Logo oder seinen Tüten. Die Möglichkeiten sind für alle da – wenn man Lust drauf hat.

Marco: Ja, stimmt. Ich kenne einen Bäcker tatsächlich hier bei mir um die Ecke, der hat einen Krapfen mit Armen und Beinen und Augen – aber keinen Mund. Das irritiert mich manchmal.

Timm: Ja, man kann es richtig machen, man kann es falsch machen. Die Frage ist jetzt: Fühlst du dich da eher angesprochen? Oder ist es dann, wenn du jetzt sagst: „Okay, der hat keinen Mund, das kommt mir irgendwie komisch vor“, dann ist es ja erst mal nicht so die Sympathie da. Dann hast du eher so das Gefühl, da fehlt was. Das kann gut sein, das kann schlecht sein.

Also du siehst, es gibt natürlich Gründe, warum es so viele Markenfiguren gibt – nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene. Denn der Mensch wird durch solche Figuren häufig emotional angesprochen. Und das ist natürlich auch der Grund, dass du da Figuren hast, die eine Marke vertreten, die dich angucken, wo du Augenkontakt finden kannst und so. Die dir dann vielleicht auch im Gedächtnis bleiben – dass du sagst: „Das ist der Bäcker mit dem Krapfen ohne Mund.“ Also hat es funktioniert.

Kapitel 4: Vorteile fiktiver Werbefiguren

Doreen: Vielleicht machen wir eure Arbeit mal an so einem fiktiven Beispiel fest: Angenommen, ich arbeite jetzt in so einem traditionellen B2B-Industriebetrieb. Wir machen Etiketten und Beschilderungen, und das ist alles sehr industriell und zugeknöpft – vielleicht auch ein bisschen langweilig. Ich möchte jetzt aber meinen Chef davon überzeugen, dass so ein Werbecharakter für unsere Marketingaktionen eine gute Idee wäre. Kannst du mir ein paar Argumente an die Hand geben, wie ich ihn davon vielleicht überzeugen kann?

Timm: Ja, natürlich. Also, der Vorteil von so einer Figur ist natürlich, dass man Aufmerksamkeit erregt und dass man im Gedächtnis bleibt. Das sind schon mal so die ersten Dinge: dass man sagt, man hebt sich ein bisschen von der Masse ab. Wie viele der Konkurrenten haben eine Figur? Wenn man selbst eine hat – und die gut funktioniert – ist das natürlich eine Geschichte, die sich absetzt.

Dann ist es natürlich so: Durch so einen Charakter kann man Emotionen schaffen – und das kann ich mit nur einer Marke schwieriger. Das heißt, ich kann Sympathie generieren. Über das, was der Charakter tut – darf er was tun oder ist er nur im Print, zum Beispiel? Oder darf er sich auch bewegen? Wenn er nur im Print ist, muss man über das, was er darstellt, schauen: Welche Sympathie kann ich generieren? Sympathie heißt: Menschen erinnern sich. Es gibt eine Markenbindung. Die Marke bekommt ein Gesicht, man kann sich daran erinnern.

Ob das dann der Obi-Biber ist, oder der Meister Proper – man erinnert sich daran. Wie viele andere Waschmittel haben das? Der Weiße Riese war in Deutschland auch ein ähnliches Projekt, wo die Leute gesagt haben: Wir wollen da einen Charakter hintendran hängen, der einfach so ein bisschen das aussagt, was dieses Ding so Tolles kann.

Und Menschen lieben natürlich auch Entertainment – ob jung oder alt. Man will unterhalten werden. Und das ist natürlich etwas, was emotional sehr gut mitspielt.

Dann sehen wir zum Beispiel: Wenn man Botschaften generieren will – wenn ich sagen will, was mein Unternehmen ausmacht, was unsere Produkte ausmacht, wenn ich Informationen transportieren will – dann kann ich das mit einer Figur sehr spielerisch machen. Ich kann da Witz reinbringen, sie kann Sachen erklären. Das gucke ich mir dann vielleicht auch eher an, als wenn ich mir eine trockene Erklärung anhöre.

Ich kann das in Geschichten verpacken – zum Beispiel beim Gedächtnistraining: Wenn man sich 100 Wörter merken soll und die in eine Geschichte eingebaut sind, erinnert man sich viel leichter. Das gelbe Segelboot segelt über die blaue Wiese – du erinnerst dich an solche absurden Geschichten. Ähnlich ist es hier auch. Man hat eine viel bessere Erinnerung.

Und natürlich – ein sehr starker Punkt – ist Emotionalität. Es muss lebendig sein, es muss lustig sein. Wenn ich Emotionen wecke, schaffe ich Freude, Humor, Bindung – und vielleicht sogar, wie wir es auch schon geschafft haben mit einer unserer Geschichten, Fans. Leute, die Fan werden von etwas, die sagen: „Das gefällt mir, das macht mir Spaß.“

Das ist natürlich abhängig vom Unternehmen – wie weit kann ich das treiben? Wir hatten auch schon eine Versicherungsfirma, die mit einem Charakter geworben hat, der eher ein Gangster war. Der hat nicht für die Marke gesprochen, sondern für das, was alles passieren kann. Es war eine Autoversicherung – und der Marder hat dann die Kabel durchgebissen, eingebrochen, Autos zerkratzt, mit dem Skateboard. Und hat gezeigt: Was kann alles passieren?

Hat sehr viel Spaß gemacht – und trotzdem den Humor auf die Versicherung übertragen, die eigentlich ja genau das Gegenteil macht: „Ich will euch schützen.“ Oder: „Wenn was passiert – macht euch keine Sorgen, wir sind für euch da.“

Und da war dann die Wahl dieses Charakters eben zu sagen: Er steht nicht für die Marke, sondern er soll Spaß machen. Er soll zeigen, was alles schiefgehen kann. Er kann sich alles Mögliche leisten, wir können eine Menge Quatsch machen – und trotzdem zeigen wir: Ist doch egal, wenn was passiert – wir sind für euch da.

Also ich glaube, es gibt viele Möglichkeiten, wo man den Chef überzeugen kann zu sagen: „Hey, so eine Figur könnte Sinn machen für unsere Außendarstellung.“

Und man kann auch sehr viele Neukunden dadurch generieren. Wenn man schon lange eine Marke hat und dann kommt so etwas – auf einmal denken die Leute: „Hä, was ist das?“ Oder auf der Webseite springt was rum, oder es gibt einen kleinen Film bei Instagram – und so kann man auch Leute erreichen, die vorher gar nicht hingeguckt haben.

Und vielleicht sagt jemand: „Ah, spannend – okay.“ Und es werden Neukunden generiert. Also ich glaube, da gibt’s viele Punkte – selbst wenn man in der Konkurrenz oder im Marktumfeld nicht sofort daran denkt – wo man sagen kann: Vielleicht würde es ja Spaß machen, eine Figur zu haben, die unsere Marke vertritt, unsere Marke darstellt – oder einfach nur für uns kommuniziert.

Kapitel 5: Maskottchen für Vereine einsetzen

Marco: Eine Unterart von solchen Werbefiguren sind ja Maskottchen, die man hauptsächlich aus der Sportwelt kennt. Und wenn man da die Augen ein bisschen offen hält, dann stößt man immer wieder auf wirklich bemerkenswerte Maskottchen. Wahrscheinlich ist dir noch Goleo ein Begriff – dieser Löwe ohne Hose von der WM 2006. Oder bei der letzten WM in Katar gab es ja dieses „La’eeb“ – das war so ein Tuch mit Augen, irgendwie in die Richtung. Oder dann gibt’s auch ganz verrückte Dinge, wie ein Handballverein, der einen menschengroßen Harzer Käse als Maskottchen hat. Woher kommen solche Dinge? Wählt man da manchmal ganz bewusst irritierende Maskottchen oder Werbefiguren?

Timm: Ja, wir sind immer ein Freund davon. Und das ist auch die Frage: Wenn man sowas generiert und man Firmen fragt, was sie für einen Charakter haben wollen, dann kommen oft nur positive Eigenschaften. Muss schön aussehen, muss alles richtig machen – weil wir sind toll. Oder wir wollen das so kommunizieren, dass wir keine Fehler haben. Das ist aber oft nicht sympathisch – und bleibt nicht im Gehirn.

Die Frage ist: Will ich jeden ansprechen – oder will ich ganz spezifisch Leute ansprechen? Und je mehr Ecken und Kanten ich habe, desto mehr polarisiere ich auch. Dann habe ich die, die ich erreichen will, voll erwischt – und andere vielleicht abgehängt. Aber vielleicht will ich die auch gar nicht – sondern ich will die richtigen.

Bei Goleo zum Beispiel muss ich sagen: Ich hatte andere Probleme. Ich finde, dass er keine Hose trägt, war kein Problem. Irgendeiner hat da drauf gezeigt und gesagt: „Oh Gott, er hat keine Hose an!“ – Aber Donald Duck hat auch keine Hose an. Hat das jemals jemanden gestört? Pu der Bär auch. Who cares?

Ich fand eher: Für Deutschland einen Löwen? Ich hätte gesagt, wir brauchen einen Adler. Der Löwe ist zwar in vielen Bundesländern in den Wappen vertreten, aber für die Außenwirkung Deutschlands fand ich ihn nicht so passend. Ich hätte einen Adler naheliegender gefunden.

Doreen: Oder vielleicht auch einen Bären wie den Berliner Bären.

Timm: Ja, das zum Beispiel auch. Aber du hast recht – Ecken und Kanten bei Charakteren sind wichtig. Man kann natürlich auch langweiligere Sachen machen, aber du siehst ja: Es bleibt hängen. Dieses Tuch fand ich z. B. auch nicht schlecht. War schön animiert. Klar, man fragt sich zuerst: Warum ist es ein Tuch? Aber es funktioniert.

Ein Harzer Käse – denkt man auch: Wow. Da haben wahrscheinlich alle gelacht und gedacht: Super! Wenn du so ein Maskottchen hast, das als Käse herumläuft und alle happy sind – dann bleibt das in Erinnerung. Ich bin ein Freund von Ecken und Kanten.

Gerade wenn man sich erfolgreiche Charaktere anschaut wie die Minions oder Donald Duck – die haben mehr als Ecken und Kanten. Donald Duck ist oft ein richtiger Ar…, auch zu seinen kleinen Neffen. Aber am Ende merkt er’s dann doch, oder das Schicksal spielt ihm einen Streich. Es macht Spaß, ihm zuzusehen. Deshalb finde ich: Ecken und Kanten sind sehr wichtig.

Ich habe euch ja vorhin das Beispiel mit dem Marder gegeben. Manchmal hilft es auch, wenn der Charakter nicht die Werte der Marke verkörpert, sondern der ist der, mit dem wir Spaß haben können. Der symbolisiert, was passieren kann – und ihr, also die Marke, seid diejenigen, die die Botschaft schicken: „Auch wenn draußen einer rumrennt und alles kaputtmacht – wir sind für euch da.“

Das kann eine gute Idee sein – kann aber auch schiefgehen. Wenn du keinerlei Sympathie empfindest. Aber ich finde, selbst zu einem laufenden Harzer Käse kann man Sympathie entwickeln. Wenn der auf dem Handballfeld Quatsch macht…

Die Amerikaner haben das ja sehr häufig: Da laufen Maskottchen herum, es wird getanzt, sie machen Spiele – da passiert was! Und da ist es fast egal, wie der aussieht. Wenn du den Charakter über Taten und über Humor ausdrückst, kannst du selbst mit einem Käse Spaß haben.

Kapitel 6: Timms liebste 3D-Charaktere

Doreen: Habt ihr eigentlich bei eurem riesigen Portfolio aktuell einen Lieblingscharakter?

Timm: Wir haben viele. Ich würde sagen: Klar, bei uns gibt’s die Tassen. Ja, die sind natürlich ganz hoch im Kurs. Da ist ja sogar eine eigene Firma draus geworden. Und mit denen haben wir viel Spaß – die stehen bei uns ganz hoch im Kurs. Wir haben gerade für einen deutschen Hunde- und Katzenfutterhersteller zwei Charaktere gemacht: Doggy und Kitty. Sehr mutige Kampagne – könnt ihr euch mal angucken. Die Firma heißt, glaube ich, Foxy Pets jetzt. Die hießen ursprünglich anders, haben sich umgenannt. Findet ihr aber auch bei uns auf der Webseite. Die finde ich sehr gut.

Marco: Wir verlinken es natürlich in den Shownotes.

Timm: Genau. Also da, die machen eine sehr mutige Kampagne. Da werden Sachen gemacht, die sich, glaube ich, nicht viele Leute trauen würden. Und dann: Der Martin ist immer noch einer unserer Lieblingscharaktere, weil wir mit dem echt viel Spaß hatten.

Aber ganz oben, glaube ich, bei der 58er-Liste ist unser eigenes Maskottchen: der Kannix (auch Cannics genannt). Das ist so eine gelbe Figur – die werdet ihr finden – der hat keine Arme, nur Beine. Relativ korpulenter Kollege, simples Design. Das war einer unserer ersten Charaktere. Und interessanterweise hat er schon relativ viele Jobs bekommen in seinem Leben – hat sogar mal eine riesige Kampagne für PlayStation gemacht.

Da kam PlayStation auf uns zu und hat gesagt: Ja, sie wollen… also die PS Vita kam da raus. Das war so eine Zehn-Finger-Konsole – Dual Sticks, hinten hatten sie Touchpads, wo man Sachen machen konnte. Also ein ganz neues Ding. Das wollten sie ihrer Community zeigen. Und dann haben wir gesagt: Naja, „Dual Analogsticks“ – wenn man das so sagt, wissen die zwar, was gemeint ist, aber was machen wir daraus? Wir wollten was Spaßiges draus machen. Wir hatten nicht viel Geld. Einen Charakter zu entwickeln kann Geld kosten. Da haben wir gesagt: Hey, wir haben einen, der kann nichts – der hat keine Arme und so.

Dann meinten die: „Eine Zehn-Finger-Konsole mit einem Charakter ohne Arme – wie habt ihr euch das vorgestellt?“ Dann haben wir eben eine Kampagne gemacht, in der der Kannix als Versuchskaninchen immer in der Konsole irgendwie malträtiert wurde – auf eine spielerische Art und Weise. Meistens stirbt er am Ende – aber ist ja beim nächsten Mal wieder da.

Es hat sehr viel Spaß gemacht, damit die Analogsticks zu zeigen oder auch das Touchpad und so weiter. Der Kannix hat da einige Projekte immer wieder gehabt. Jetzt im Sommer machen wir wieder was mit ihm – und ich glaube, es könnte auch sein, dass wir noch mal etwas Größeres machen.

Aber das ist so unser eigenes Maskottchen. Und er zeigt zum Beispiel, dass man selbst mit einem Charakter, der offensichtlich vielleicht nicht wirklich was machen kann – ohne Arme – sehr viel machen kann, wenn man die Fantasie spielen lässt. Und dass es sehr viel Spaß machen kann. Ja, der sitzt auf dem Thron der Charaktere – gefolgt von den anderen, die ich euch genannt habe, mit Sicherheit.

Kapitel 7: Die Geschichte hinter den sprechenden Weihnachtstassen

Doreen: Ja, wunderbar. Ich wollte noch einmal auf die TASSEN zurückkommen – die haben wir jetzt fast vergessen!

Marco: Ach du meine Güte – diese sprechenden Weihnachtstassen! Die werden den meisten wahrscheinlich was sagen. Wenn nicht – das Video ist auch verlinkt. Das war ja ein riesiger Selbstläufer, ein riesiges Ding. Das heißt, ihr habt da Werbecharaktere geschaffen, die es zu einer Produktlinie gebracht haben. Kannst du uns da noch kurz mal einen Schwank erzählen, wie es dazu kam?

Timm: Ja, das ist eine lange Geschichte – ist schon eine Weile her. Wir haben über die Meister-Propper-Leute eine Agentur in Frankreich kennengelernt. Für die haben wir auch ein Redesign gemacht – also eine 2D-auf-3D-Transformation von Pepito. Das ist deren… das ist wie bei uns De Beukelaer-Kekse, heißt bei denen Pepito. So ein kleiner Mexikaner, der Schokokekse verkauft.

In einer dieser Werbungen kamen viele Charaktere vor, die jetzt nicht mit der Marke verbunden waren – sogenannte Side Characters. Darunter war auch eine Schüssel, die wir designt haben – eine Frühstücksschüssel, die irgendwie keine Lust mehr hatte auf Frühstück und da irgendwie die Nase voll hatte.

Und dann war wieder Weihnachten. Wir hatten gesagt: Komm, wir machen irgendwas Schönes für unsere Kunden – zum Rausschicken. Damals – das war pre-YouTube – da gab’s noch kein YouTube. Da hat man kleine Filme an E-Mails gehängt und die an Leute geschickt. Die Hälfte hat’s aufgemacht, die andere Hälfte hat gedacht, es ist ein Virus oder sowas. Man musste auch gucken, dass es nicht größer als zwei MB war – damit das Postfach nicht voll läuft, und so Geschichten. Und wir haben dann einen kleinen Film gemacht – damals mit einem Mundstuhl-Audio. Es war dieses: „Immer zweimal mehr wie du“.

Den Film haben wir an 400 Kunden rausgeschickt. Am nächsten Tag hat meine Mutter mir den Film geschickt – ich hatte ihr den noch gar nicht gezeigt! Also das Ding ist viral explodiert. Wir hatten immer schon die Überlegung: Das eine ist Dienstleistung – aber Produkte, also wirklich Haptisches… Wenn man so viel Digitales macht, hat man auch – also wir zumindest – ein großes Verlangen nach echten Geschichten.

Da haben wir gesagt: Auch wenn’s so vielen Leuten Spaß gemacht hat – vielleicht wäre das mal eine Idee. Können wir das produzieren? Dann hat’s zwei Jahre gedauert. Unter anderem kam dann schnell Fernost ins Spiel – war mal eine Überlegung wert, war aber für uns dann auch so: Wir waren eher interessiert an „Können wir das in Deutschland hinkriegen? Können wir das hier lokal machen?“

Irgendwo in Fernost Dinge zu machen, hat uns nie wirklich gelegen – war auch eher schwierig. Ich glaube, wenn man eine große Company ist, hat man da andere Möglichkeiten. Für uns war das eher so: „Das sind Dinge, aus denen Menschen essen“, und wir waren mit dem Anspruch an Qualität. Deswegen: Nicht Keramik, sondern Porzellan – das muss es sein.

Und dann sind wir irgendwann dahin gekommen, dass wir die beiden Charaktere einmal rausgebracht haben. Wir hatten ja unsere Animations-Company, und das lief dann so nebenbei – über einen Unterhändler, der uns geholfen hat, das herzustellen. Die haben das ein bisschen auf Messen gezeigt, die Leute haben’s erkannt, ein bisschen gekauft. Es hat ein bisschen Geld verdient – aber es war nie was Großes.

Dann wuchs es ganz langsam ein bisschen an. Und dann – irgendwann 2011 – hatten wir eine Krise in der Animation. 2010 war eines der produktivsten Jahre, die wir je hatten – wir haben komplett durchgearbeitet. Und dann, auf einmal, fiel das. Das ist bei Dienstleistung häufig der Fall: Du weißt nie – manchmal kommen alle auf einmal, manchmal kommt niemand. Sehr schwierig. Unsere Firma war da auch schon über 20 Leute groß. Dann war sehr lange Pause.

Dann kamen wir so ein bisschen in Schräglage – durch eben keinen Income. Und wir haben damals überlegt: Was machen wir jetzt mit diesen Tassen? Wollen wir das weitermachen? Lassen wir das? Das bindet ja auch Kapital – wenn man Produkte herstellt. Dann haben wir uns entschieden: Nein. Das hat uns Spaß gemacht. Es ist unser eigenes Ding. Es ist unser eigenes Produkt. Wir nehmen lieber noch ein bisschen mehr in die eigene Hand.

Wir sind dann von einem tschechischen Hersteller irgendwann auf einen deutschen Hersteller geschwenkt. Und dann wurde das – nachdem wir das selber in die Hand genommen haben und gesagt haben „Okay, jetzt machen wir da mal ein richtiges Projekt draus“ – auf einmal sehr groß. Mittlerweile, würde ich sagen, hat es auch die Animation – also die ursprüngliche Company – bei weitem abgehängt. Wir verkaufen mittlerweile in 66 oder 68 Ländern die Produkte.

Natürlich ist der deutschsprachige Markt immer noch der größte von allen – muss man sagen. Aber das kommt in Fernost gut an, im Mittleren Osten, in Südamerika, in den Vereinigten Staaten und so weiter. Die Produkte machen überall Spaß.

Da ist wirklich aus Spaß Ernst geworden – bleibt aber weiterhin Spaß. Wir haben natürlich eine Company draus gemacht – das macht einen riesigen Spaß. Die Animation macht weiterhin die Filme. Wir produzieren immer mehr Produkte – mittlerweile haben wir ein riesiges Arsenal an schönen Produkten, was die Tassen angeht. Und wir machen auch immer noch Filme. Das ist irgendwie anfänglich so ein bisschen nebenbei passiert – und auf einmal war es eine Company.

Und da seht ihr auch: Es ist, wie bei Disney. Da war erst ein Film – und daraus wurde was. Und das geht mal so, mal so. Und wir haben gesagt: Da machen wir jetzt was draus.

Kapitel 8: Outro

Doreen: Timm, vielen Dank! Ich könnte noch stundenlang mit dir reden – als Animationsfan.

Marco: Vielen Dank für dieses Interview – es hat mir richtig Spaß gemacht. Und ich glaube, wir konnten richtig viel mitnehmen über das Thema!

Timm: Okay, danke euch!

Doreen: Tschüss.

Marco: Ciao!

Doreen: Also, ich habe heute gelernt: Mit Werbecharakteren und Maskottchen kann man Emotionen hervorrufen, Geschichten erzählen – und die bleiben bekanntlich im Gedächtnis haften.

Klar, man wird damit nicht alle erreichen – aber seine eigene Zielgruppe. Und mit so einem süßen oder lustigen oder einfach sehr gut passenden Werbecharakter kann man seine Zielgruppe zu echten Fans machen.

Marco: Und wir haben gelernt, dass das nicht nur für große Konzerne funktioniert, sondern auch für den kleinen Bäcker von nebenan. Das Pendant mit echten Menschen – also eine Werbefigur, die von einem tatsächlichen Menschen verkörpert wird – nennt man übrigens Testimonial. Das hat dann auch wieder ganz eigene Vorteile.

Und für diesen Weg haben wir uns auch bei FLYERALARM entschieden. Vielleicht ist dir auch schon mal der Erik Meyer aufgefallen. Aber am besten machen wir zu dem Thema mal eine ganz eigene Folge.

Doreen: Das würde ich auch sagen. Aber jetzt heißt es erstmal: Teilen, liken, kommentieren – und zwar auf den FLYERALARM Social-Media-Kanälen. Und dann solltet ihr unseren Podcast abonnieren – wenn ihr das nicht schon gemacht habt. Wir sagen jetzt erstmal Tschüss – und bis bald.

Marco: Ciao!

Shownotes

Vorhang auf für Meister Propper, Mr. Pritt, Weißer Riese, Lachgummis und sprechende TASSEN! Denn wir reden in dieser Folge mit Timm Osterhold – Geschäftsführer, Director und Animator bei FIFTYEIGHT Animation. Seit 25 Jahren beschäftigt sich das Team seiner Animationsagentur mit der Entwicklung von computergenerierten Charakteren und Markenfiguren. Und das mit Erfolg, wie die bekannten Global Player belegen, die sich unter die Namen zufriedener Kundinnen und Kunden mischen.

Warum kann es sich lohnen, einen eigenen Markencharakter zu entwickeln? Ist das nicht albern und tut der Ernsthaftigkeit des Geschäfts Abbruch? Bringen Markenfiguren auch kleineren Unternehmen Wettbewerbsvorteile ein? Wo liegt der Unterschied zwischen einer Werbefigur und einem Maskottchen? … Das sind nur einige Fragen, die wir dem TASSEN Sprecher und Animator stellen. Du lernst dabei:

  • welche Argumente für einen eigenen Markencharakter sprechen,
  • welche Vorüberlegungen bei der Kreation mitspielen,
  • warum sich Werbefiguren auch für den kleinen Bäcker von nebenan lohnen,
  • wie du deine Marke seriös und kreativ zum Leben erweckst,
  • was ein Maskottchen können muss, um positiv im Gedächtnis zu bleiben.

Viel Spaß beim Zuhören!

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Begriffsabgrenzung: Testimonial, Werbefigur oder Maskottchen?

Wer über den Einsatz von Charakteren in der Werbung spricht, stößt schnell auf unterschiedliche Begriffe, die im Alltag häufig vermischt werden. Testimonial, Werbefigur und Maskottchen verfolgen zwar alle das gleiche Ziel – Aufmerksamkeit erzeugen und Vertrauen aufbauen – unterscheiden sich jedoch deutlich in Herkunft, Wirkung und Einsatzmöglichkeiten. Eine klare Abgrenzung hilft dabei, das passende Instrument für die eigene Kommunikation zu wählen.

Testimonial

Ein Testimonial ist eine reale Person, die für ein Produkt, eine Marke oder eine Organisation wirbt. Dabei kann es sich um Prominente, Influencer, Sportler und Sportlerinnen oder auch Profis aus bestimmten Fachgebieten handeln. Testimonials verleihen einer Marke Glaubwürdigkeit, da sie auf ihrer Bekanntheit, Kompetenz oder ihrem Image aufbauen.

Der Pluspunkt: Testimonials erzeugen sofort Aufmerksamkeit und Authentizität. Sie bringen (je nach Person) eine eigene Fanbase mit und bedürfen meist keiner weiteren Vorstellung oder Erklärung. Gleichzeitig sind sie jedoch auch mit Risiken verbunden: Das Image der Marke ist eng an die Person gekoppelt. Skandale oder Meinungswechsel können sich negativ auf die Wahrnehmung auswirken. Zudem sind Testimonials natürlich entsprechend zu entlohnen und können nach Ende ihres Vertrags nicht mehr genutzt werden. Es sei denn Sie gehen regelmäßig in die Verlängerung – so wie FLYERALARM mit Erik Meyer!

Werbefigur

Im Gegensatz zum Testimonial ist eine Werbefigur komplett fiktiv. Sie wird gezielt entwickelt, um Markenwerte, Tonalität und Botschaften dauerhaft zu transportieren. Werbefiguren können menschlich, tierisch oder abstrakt sein und treten häufig über viele Jahre hinweg in unterschiedlichen Kampagnen und Medien auf.

Der große Vorteil einer Werbefigur liegt in der vollen Kontrolle über Charakter, Verhalten und Entwicklung. Sie altert nicht, macht keine Skandale und kann flexibel an neue Kanäle oder Kampagnen angepasst werden. Gleichzeitig sorgt sie für einen hohen Wiedererkennungswert und eignet sich hervorragend für Storytelling, Social Media und langfristige Markenbindung. Die Einführung einer Werbefigur ist dafür mit etwas mehr Aufwand verbunden und bedarf daher einer guten Planung und Vorarbeit. Schließlich müssen potenzielle Kundinnen und Kunden das neue „Gesicht“ erst mit Ihrer Marke verknüpfen.

Maskottchen

Ein Maskottchen ist eine spezielle Form der Werbefigur, bei der emotionale Bindung und Identifikation im Vordergrund stehen. Besonders häufig kommen Maskottchen bei Vereinen, Sportteams, Veranstaltungen oder familienorientierten Marken zum Einsatz. Sie sind nahbar, lebendig und oft auch physisch präsent – etwa bei Events, Spielen oder Aktionen vor Ort.

Maskottchen stehen weniger für konkrete Produkteigenschaften, sondern vielmehr für Gemeinschaft, Spaß und Zugehörigkeit. Gerade für Vereine sind sie ein starkes Instrument, um Fans, Mitglieder und insbesondere Kinder und Familien anzusprechen. Richtig gestaltet, werden Maskottchen zu echten Identifikationsfiguren mit hohem Wiedererkennungswert.

Vorteile fiktiver Werbecharaktere im Marketing

Fiktive Werbecharaktere nehmen im modernen Marketing eine besondere Rolle ein. Als gezielt entwickelte Figuren verkörpern sie Markenwerte, transportieren Botschaften und schaffen emotionale Nähe – ohne die Einschränkungen realer Personen. Gerade in einer Zeit, in der Konsumentinnen und Konsumenten täglich mit einer Vielzahl von Werbebotschaften konfrontiert werden, bieten fiktive Charaktere die Chance, sich dauerhaft im Gedächtnis der Zielgruppe zu verankern.

  • Vollständige Kontrolle

    Ein entscheidender Vorteil fiktiver Werbecharaktere ist die vollständige Kontrolle über Persönlichkeit, Auftreten und Entwicklung. Aussehen, Sprache, Verhalten und Tonalität lassen sich exakt auf die Marke abstimmen und über Jahre hinweg konsistent einsetzen. Der Charakter altert nicht, bleibt zuverlässig markenkonform und kann flexibel weiterentwickelt werden – etwa für neue Produkte, Kampagnen oder Kommunikationskanäle.

  • Storytelling

    Darüber hinaus eignen sich fiktive Werbecharaktere hervorragend für Storytelling. Sie ermöglichen es, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln, emotionale Geschichten zu erzählen und Markenbotschaften subtil in wiederkehrende Erzählwelten einzubetten. Besonders im digitalen Raum, etwa auf Social Media oder in Bewegtbildformaten, entfalten sie ihre Stärke: Statt klassischer Werbebotschaften entstehen Dialoge, Formate und Inhalte, die unterhalten und zur Interaktion einladen.

  • Medienübergreifender Einsatz

    Auch strategisch bieten fiktive Werbecharaktere klare Vorteile. Sie sind medienübergreifend einsetzbar – von Printanzeigen über Websites und Newsletter bis hin zu Social Media, Videos oder Merchandise. Dadurch schaffen sie einen konsistenten Markenauftritt über alle Touchpoints hinweg und stärken langfristig die Wiedererkennbarkeit. Gleichzeitig lassen sich Werbecharaktere individuell an unterschiedliche Zielgruppen anpassen, ohne den Kern der Marke zu verwässern.

  • Emotionale Nähe

    Fiktive Werbecharaktere zahlen auf die emotionale Markenbindung ein. Menschen bauen leichter eine Beziehung zu Figuren auf als zu abstrakten Logos oder rein sachlichen Botschaften. Ein sympathischer, gut durchdachter Charakter kann Vertrauen schaffen, Nähe erzeugen und dafür sorgen, dass Marken nicht nur wahrgenommen, sondern auch erinnert und wiedererkannt werden. Genau darin liegt ihr größtes Potenzial – als kreative, clevere und strategisch wertvolle Elemente moderner Markenkommunikation.

Webefiguren und Maskottchen smart einsetzen

Eine eigene Werbefigur bieten Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, Ihre Marke oder Ihren Verein sichtbar, sympathisch und einprägsam zu präsentieren. Besonders wirkungsvoll ist sie dann, wenn sie gezielt auf verschiedenen Werbemitteln eingesetzt wird und so immer wieder auftaucht.

Klassische Druckprodukte wie Flyer, Broschüren, Magazine oder Plakate profitieren von Werbefiguren und Maskottchen als aufmerksamkeitsstarke Blickfänger, die Inhalte auflockern und Leserinnen bzw. Leser durch das Medium führen. Darüber hinaus eignen sich Maskottchen ideal für Werbeartikel, die im Alltag genutzt oder gesammelt werden. Besonders beliebt sind dabei:

Druckprodukte entdecken
Werbeartikel, die begeistern

Auf Messen, Veranstaltungen oder Spieltagen werden Werbefiguren und Maskottchen zu echten Publikumsmagneten. Große Werbeaufsteller, Displays oder lebensgroße Figuren ziehen Blicke auf sich, laden zur Interaktion ein und bleiben im Gedächtnis.

Gleichzeitig sollten Sie den digitalen Auftritt nicht außer Acht lassen: In Social Media kann Ihr Maskottchen als wiederkehrender Begleiter durch Beiträge führen, Aktionen kommentieren oder zur Interaktion animieren. Auch in Newslettern sorgt es als sympathischer Absender oder visuelle Orientierung für Wiedererkennung und Nähe.

Werbetechnik für Messe und Event

Tipps zur Entwicklung eines passenden Charakters

Ein starker Werbecharakter ist das Ergebnis aus Strategie, Kreativität und konsequenter Markenlogik. Damit eine Werbefigur oder ein Maskottchen nicht beliebig wirkt, sondern wirklich zur Marke passt und langfristig funktionieren kann, lohnt es sich, die Entwicklung Schritt für Schritt anzugehen. Hier kommt eine kompakte Checkliste, die Ihnen dabei hilft, Ihren eigenen Werbecharakter zu entwickeln oder kreative Profis zu beauftragen.

1

Welches konkrete Ziel verfolgt der Charakter?

Soll die Figur Aufmerksamkeit erzeugen, komplexe Inhalte erklären, Vertrauen aufbauen oder aktiv zur Interaktion anregen? Ein sorgsam definiertes Ziel verhindert einen beliebigen Einsatz und sorgt für klare Kommunikation.
2

Welche Markenwerte soll die Figur transportieren?

Der Charakter sollte die Haltung und Tonalität der Marke widerspiegeln – etwa modern, bodenständig, humorvoll oder kompetent. Stimmen Figur und Marke nicht überein, wirkt der Auftritt schnell unglaubwürdig.
3

Passt die Figur wirklich zur Zielgruppe?

Entscheidend ist nicht, ob die Figur intern gefällt, sondern ob sie bei der Zielgruppe ankommt. Alter, Interessen, Kommunikationsstil und Erwartungshaltung sollten bei der Gestaltung immer mitgedacht werden.
4

Ist die Persönlichkeit eindeutig definiert?

Eine gute Werbefigur hat Charakter: Wie spricht sie? Wie verhält sie sich? Was würde sie tun – und was nicht? Klare Eigenschaften sorgen für Konsistenz und Wiedererkennbarkeit.
5

Ist das Design funktional und medienübergreifend nutzbar?

Die Figur sollte in unterschiedlichen Größen, Formaten und Kanälen funktionieren – vom kleinen Social-Media-Icon bis zum großen Eventauftritt oder Kostüm.
6

Erzeugt der Charakter einen hohen Wiedererkennungswert?

Farben, Formen, Gesichtsausdruck oder typische Merkmale sollten so gestaltet sein, dass die Figur auch auf den ersten Blick erkannt wird – selbst ohne Logo oder Text.
7

Ist die Figur langfristig gedacht und entwicklungsfähig?

Gute Werbecharaktere wachsen mit der Marke. Sie lassen sich an neue Kampagnen, Produkte oder Kanäle anpassen, ohne ihren Kern zu verlieren.
8

Sind klare Einsatzregeln definiert?

Wo darf die Figur auftreten – und wo bewusst nicht? Klare Guidelines verhindern einen inflationären Einsatz und schützen die Glaubwürdigkeit des Charakters.
9

Sind alle rechtlichen Fragen geklärt?

Dazu zählen Nutzungsrechte, Urheberrechte, mögliche Markeneintragungen sowie die Frage, wem der Charakter langfristig gehört – besonders wichtig bei externen Dienstleistern.
10

Gibt es einen geplanten, stimmigen Markteintritt?

Ein Charakter sollte nicht „einfach auftauchen“, sondern gezielt eingeführt werden – etwa mit einer kleinen Story, Kampagne oder Aktion, die neugierig macht und den Wiedererkennungswert von Anfang an stärkt.

Fazit: Kreativ, clever und alles andere als Kinderkram

Werbefiguren und Maskottchen können richtig entwickelt und strategisch eingesetzt, zu starken Identifikationsfiguren werden, die Marken, Organisationen und Vereinen ein Gesicht geben. Sie schaffen Wiedererkennung, bauen emotionale Bindung auf und helfen dabei, Botschaften sympathisch zu vermitteln. Ob Testimonial, Werbefigur oder Maskottchen: Entscheidend ist nicht die Form, sondern der bewusste Einsatz.

Am Ende gilt: Werbefiguren und Maskottchen funktionieren nicht, weil sie „niedlich“ – sondern weil sie durchdacht sind. Wenn Marke, Zielgruppe, Persönlichkeit und Einsatzstrategie zusammenpassen, entsteht ein Charakter, der auffällt und im Gedächtnis bleibt. Ein wirkungsvolles Marketinginstrument, das alles andere als Kinderkram ist.

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