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Egal ob Bundesliga-Club oder Metzgerei um die Ecke: Wer sichtbar ist, wird kommentiert. Community-Management bedeutet, gezielt mit den Menschen zu kommunizieren, die sich online für deine Marke, dein Unternehmen oder deinen Verein interessieren. Das Ziel: Dialog statt Monolog, Nähe statt Distanz, Vertrauen statt Desinteresse. Doch wie geht das konkret? Und was tun, wenn’s mal kritisch wird? Im FLYERALARM Podcast Erfolgsdruck – Storys aus dem Mittelstand, gaben Sabrina Dirks und Karl Everers vom DFB exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Sie verantworten das Community-Management der Frauen-, Männer- und U21-Nationalmannschaften – und damit den Dialog mit Millionen von Fans.
Interview mit Sabrina Dirks und Karl Evers vom DFB
Emotionen zeigen – und aus Community-Sicht denken
Nicht alles planen, aber vorbereitet sein
Plattformen gezielt nutzen – statt Copy & Paste
Diskussionen laufen lassen – aber moderieren, wenn nötig
Fazit: Ein starke Community ist das Ergebnis Ihrer Haltung
Interview mit Sabrina Dirks und Karl Evers vom Deutschen Fußball-Bund
Kapitel 1: Intro
Doreen: Herzlich willkommen bei Erfolgsdruck – Storys aus dem Mittelstand, dem FLYERALARM Podcast über druckreife Marketing- und Businessideen. Ich bin Doreen.
Marco: Und ich bin Marco. Heute geht’s um das Thema Community-Management – also darum, wie Unternehmen, Organisationen und Vereine mit ihrer Zielgruppe direkt kommunizieren. Meistens passiert das ja über Postings auf Social Media und in der Kommentarspalte. Aber es geht hier auch um den direkten Austausch.
Doreen: Dafür haben wir uns heute zwei Gäste eingeladen, bei denen echten Fußballfans wie Marco wahrscheinlich richtig das Herz aufgeht. Wir haben uns nämlich Sabrina Dirks und Karl Everers vom DFB eingeladen. Sabrina ist Teamleitung der Social-Media-Abteilung und betreut dort die Frauen- und Männernationalmannschaft. Karl betreut die U21-Nationalmannschaft im Bereich Social Media und ist außerdem verantwortlich für den Bereich Community-Management.
Marco: Ich habe schon tausend Fragen und hoffe, ich bekomme möglichst viele unter.
Kapitel 2: Wann ist der Erfolgsdruck am größten?
Doreen: Hallo Karl, hallo Sabrina und herzlich willkommen in unserem Podcast.
Sabrina: Hallo zusammen.
Karl: Hallo
Marco: Hallo.
Doreen: Wann ist denn der Erfolgsdruck bei euch im Job am größten?
Karl: Ja, also es gibt ja diesen Spruch: „Im Erfolg macht man die größten Fehler“, und ich finde, das kann man auch ganz gut auf den Erfolgsdruck übertragen. Gerade bei uns im Sport – wenn die Mannschaft liefert, die eigene Mannschaft, dann müssen wir auch liefern. Dann ist die Herausforderung manchmal viel größer, als wenn es vielleicht kritisch läuft, bei einem Unentschieden oder einer Niederlage.
Ich habe es jetzt bei mir bei der U21-Nationalmannschaft kürzlich auch erlebt: Wir haben 10:1 gegen Estland gewonnen. Da kommst du schon ein bisschen ins Schlittern, wenn du Tor für Tor darüber berichten musst und dir auch die Highlights rauspicken willst, aber trotzdem auch nichts weglassen möchtest. Da entsteht ein ganz besonderer Druck – natürlich ein positiver Druck – aber ich finde, da wird dir das Scheitern so ein bisschen vor Augen geführt. Wenn du etwas richtig Cooles nicht einfängst, ist das manchmal schlimmer, als wenn du in schlechten Momenten nicht lieferst. Was aber nicht heißen soll, dass du in kritischen Situationen bei Niederlagen natürlich nicht auch eine extreme Sensibilität brauchst – und das ist letztlich auch eine Form von Druck.
Marco: Du meinst: Mit der Fallhöhe steigt auch die Nervosität?
Karl: Kann man so sagen, ja.
Sabrina: Ja, das würde ich unterschreiben. In Niederlagen ist ein bisschen weniger Druck auf dem Content, sondern eher auf der Art und Weise, wie man damit umgeht. Gerade in diesem Jahr war es für mich persönlich eine ganz spezielle Situation, weil ich noch nie ein Heimturnier mit der Männernationalmannschaft hatte. Das ist ungefähr die maximalste Aufmerksamkeit, die man haben kann. Auch die vorangegangenen Jahre waren nicht ganz einfach mit der Männernationalmannschaft.
Ich habe den Channel relativ neu übernommen und war ein bisschen eingeschüchtert am Anfang – auch so von der Haltung der Mannschaft gegenüber. Und jetzt startet man in ein Heimturnier. Wir haben damals Anfang des Jahres noch gesagt: „Oh, irgendwie fühlt sich das noch nicht nach Turnierjahr an – wie kriegen wir das jetzt gelöst?“ Und da war dann schon auch Druck auf dem Kessel.
Das hat dann mit der Planung der Kaderbekanntgabe angefangen. Dann überlegt man sich natürlich: Was wollen die Leute jetzt? Haben die jetzt Bock auf etwas richtig Großes, Geiles? Oder wollen die vielleicht etwas Klassisches, Bodenständiges? Das ist ja manchmal auch so eine deutsche Eigenschaft: „Bitte nicht überpacen.“
Da ging uns schon ganz schön die Pumpe. Ich bin schon dabei: Wenn sehr viel Aufmerksamkeit von außen auf einem Channel oder einem Thema liegt, dann überlegt man sich schon zweimal, dreimal, viermal – und guckt auch alle Fotos nochmal: Liegt da was im Hintergrund? Ist da irgendwas interpretierbar? Aber es ist am Ende gut gelaufen, deswegen passt es.
Marco: Ich hatte das große Glück, eine Karte für ein Spiel zu ergattern – gemeinsam mit meinem Bruder. Meine Vorfreude war massiv. Ich habe natürlich auch die Kanäle ein bisschen intensiver verfolgt vorab. Ich fand’s gut – mich hat das abgeholt.
Sabrina: Danke schön!
Kapitel 3: Klare Zielsetzung im Community-Management
Marco: Aber eigentlich sprechen wir heute über das Thema Community-Management. Ich glaube, es gibt kaum eine Community in Deutschland, die so vielschichtig und divers ist wie die der 88 Millionen Bundestrainer, die es vor jedem Turnier gibt. Wie kommuniziert man mit so vielen dermaßen unterschiedlichen Menschen?
Karl: Das ist die große Herausforderung, würde ich sagen – mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu kommunizieren. Ich finde, die Zielsetzung für uns sollte immer sein, auf Augenhöhe zu kommunizieren – gerade bei uns im Social-Media-Bereich. Aber wie du sagst: Es sind so viele verschiedene Gruppen, die man da ansprechen muss. Das ist absolut nicht einfach.
Wir sprechen mit unseren Social-Kanälen schon eher eine jüngere Zielgruppe an. Wenn gleich man natürlich auch sagen muss, dass Social Media mittlerweile nicht mehr nur ein Ding für 15- bis 20-Jährige ist. Da kommt mittlerweile kaum noch jemand dran vorbei. Ich glaube, jetzt kürzlich ist die ARD/ZDF-Medienstudie rausgekommen. Da war zu sehen, dass – ich glaube – bis zu den 49-Jährigen der Prozentsatz bei mehr als 90 % liegt, die Social Media nutzen. Also ist schon klar, dass wir viele über Social Media erreichen.
Gerade beim Community-Management ist mein Ansatz immer: Wir sollten davon ausgehen, dass der User so unwissend wie möglich ist. Das klingt erstmal ein bisschen despektierlich, ist aber gar nicht so gemeint. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass der User schon alles weiß.
Wenn wir zum Beispiel einen Kader bekannt geben, kannst du die Uhr danach stellen, dass dann Fragen kommen wie: „Warum ist der nicht dabei?“ Bei manchen Fragen beantworten die sich von selbst. Oft antworten dann auch andere User: „Hast du nicht gelesen? Der ist verletzt.“ Oder: „Der ist gesperrt.“ Das muss man beachten. Wir dürfen das nicht voraussetzen. Da müssen wir ein Mindset entwickeln, das möglichst viel erklärt.
Genauso ist es bei Themen im Amateurfußball: Die einen kennen alles in- und auswendig, und die anderen beschäftigen sich vielleicht einmal im Monat mit Fußball und sehen dann gerade mal diesen einen Post. Deswegen ist es eine riesige Herausforderung, so eine Breite an Menschen zu bespielen. Aber ich glaube, dass wir das – gerade jetzt während der EURO – sehr gut hinbekommen haben.
Sabrina: Ich glaube, man muss auch nochmal unterscheiden zwischen den Themen, die wir als Verband haben. Wir sind ja sehr vielseitig aufgestellt. Karl hat schon Amateurfußball angesprochen. Da gibt es eine viel größere Themenvielfalt, die auch in organisatorische Themen reingeht.
Wenn wir von Mannschaften sprechen, in denen ich unterwegs bin, ist schon das Ziel, auch ein bisschen mit Insights zu arbeiten, die Community aufzubauen. Ich möchte nicht mehr allzu viel erklären müssen, sondern eher den Gedanken erzeugen: „Die Caption verstehe ich jetzt gar nicht richtig – ich gehe mal auf die Suche, lese die Kommentare.“
Ich persönlich spiele schon sehr viel damit, auch ein bisschen vorauszusetzen: „Hey, komm öfter vorbei, dann bist du auch Teil dieser Gruppe oder dieser Bubble.“ Aber wie Karl schon sagt: Das macht beim DFB-Pokal keinen Sinn, beim Amateurfußball auch nicht – eher bei den Mannschaften.
Kapitel 4: Planungsvoll vorgehen im Community-Management
Marco: Wie geht ihr denn da planhaft vor – wenn ihr so viele unterschiedliche Themen habt und auch sehr unterschiedliche Ziele mit dem Community-Management verfolgen müsst? Wie plant ihr das alles?
Karl: Also, vieles kann man nicht planen – speziell im Social-Media-Bereich – weil du oft nicht weißt, welche Themen plötzlich kommen oder was die Community gerade interessiert. Aber klar, wir haben Leitplanken, die wir planen. Wir sagen: Das sind Themen, die wir setzen wollen, dafür planen wir bestimmten Content. Und dann können wir auch schon vorausahnen, dass die zwei, drei, vier Rückfragen kommen werden – und können uns darauf vorbereiten.
Aber ich glaube, einen großen Teil kannst du leider Gottes nicht planen – was es auf der anderen Seite auch wieder cool macht. Dass man eben auch auf bestimmte Sachen spontan reagieren muss. Und ich glaube, das war auch das, was bei der EURO sehr gut ankam bei den Leuten: dass nicht alles durchgeplant wirkte, sondern spontan, nahbar, authentisch.
Doreen: Das heißt, was würdest du sagen: Wie viel Prozent ist geplant übers Jahr – und wie viel entsteht spontan, je nachdem, wie ein Spiel ausgeht oder was passiert?
Karl: Du sagst es schon selbst: Es ist so viel davon abhängig, wie ein Spiel ausgeht. Von daher kannst du fast sagen: 90 % kannst du eigentlich nicht planen. Natürlich gibt es Grundpfeiler – zum Beispiel bei einem Spieltag oder bei einer DFB-Pokalrunde. Da können wir sagen: Das passiert, das passiert, das passiert. Natürlich wissen wir nicht, wie die Spiele ausgehen – aber bestimmte Abläufe können wir planen.
Es ist schwer, das in Prozent festzumachen, aber ich würde sagen, dass der Anteil der nicht planbaren Sachen deutlich größer ist. Also auf jeden Fall 60 bis 70 %, vielleicht sogar mehr. Oder, Sabrina?
Sabrina: Ich würde das ergänzen mit: Man geht mit einem Portfolio rein an Dingen, die möglich sind – in verschiedene Situationen. Die EURO ist ein gutes Beispiel – oder generell Spieltage. Den Endstand zu „capturen“ ist manchmal extrem wichtig, um eine Stimmung danach nicht zu lenken, aber vielleicht zu beeinflussen. Das ist extrem wichtig.
Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, dass das Leute machen, die vor Ort sind, die beim Team sind, die die Stimmung kennen – die die Fans besser verstehen. Ich finde, das muss man flexibel machen.
Aber wenn wir in ein Turnier gehen, dann haben wir natürlich einen großen Satz an vorbereitetem Material. Für YouTube zum Beispiel haben wir Zielsetzungen, dafür sind Formate vorbereitet. Ob die dann klappen, ist die andere Frage. Wenn sie nicht klappen, musst du sofort ein planbares nächstes Format in der Hinterhand haben.
Und das musst du auf die Spielertypen ummünzen – die auch nicht immer verfügbar sind. Dann verletzen sie sich oder sind aus anderen Gründen nicht da. Ich glaube, man hat immer ein Portfolio dabei – das ist extrem wichtig – und man muss flexibel sein. Man kann mit kurzfristigen Absagen rechnen.
Marco: Ich habe die ehrenwerte Aufgabe, bei meinem Heimatverein die Rolle des Pressewarts wahrzunehmen. Dazu gehört heute auch Social-Media-Management oder eben auch Community-Management – das geht ineinander über. Das heißt: Ich muss mit alt eingesessenen Mitgliedern kommunizieren, aber auch mit jungen Leuten, die gerade aus der Jugend in den Seniorenbereich kommen. Dann gibt es potenzielle Sponsoren – die will man auch bei Laune halten.
Ich bemühe mich sehr um proaktive Kommunikation und beantworte alle Kommentare möglichst schnell. Was sind so eure Erfahrungen? Wann muss man Leine lassen und eine Diskussion laufen lassen – und wann muss man eingreifen und wieder lenken?
Karl: Also ich finde es immer gut, die Community sich auch selbst entwickeln zu lassen. Diskussionen sind ja erstmal total positiv. Wir wollen ja, dass die Leute sich austauschen – sich untereinander helfen, wie auch immer. Eingreifen sollte man meiner Meinung nach dann, wenn irgendwo eine falsche Information auftaucht, wenn man etwas richtigstellen muss – oder wenn es beleidigend oder diskriminierend wird. Dann muss man einschreiten.
Man kann aber auch positiv einsteigen – wenn zum Beispiel jemand eine gute Idee hat und wir sagen: „Ey, voll geile Idee, machen wir beim nächsten Mal so.“ Das ist auch ein Ansatz, den Sabrina bei der Nationalmannschaft sehr oft fährt.
Aber wichtig finde ich insgesamt: Man muss nicht in jede Diskussion reingehen, sondern darf den Sachen auch freien Lauf lassen. Natürlich ist das eine andere Situation bei einem kleinen Verein als bei uns, wo die Kommentarspalten mit Tausenden Kommentaren voll sind. Da kannst du gar nicht überall reingehen – selbst wenn du wolltest.
Sabrina: Ich bringe mal ein Beispiel von der Frauennationalmannschaft. Da kamen anfangs oft Kommentare sexistischer oder übergriffiger Natur. Das ist auch grundsätzlich ein Problem – viele Spielerinnen bekommen übergriffige Privatnachrichten.
Da sind wir gefragt – und da haben wir auch eine klare Haltung: Null-Toleranz. Da wird nichts stehen gelassen. „Zurück in die Küche“ oder „Frauenfußball kann man sich nicht anschauen“ – wenn das in eine Richtung geht, die unter die Gürtellinie zielt, dann gehen wir da klar rein.
Allein schon als Zeichen nach draußen. Wir werden nicht beleidigend, aber machen klar: „Das ist hier nicht erwünscht.“ Meine Erfahrung ist: Oft löschen die Verfasser ihre Kommentare direkt selbst – weil sie überrascht sind, dass überhaupt jemand liest. Oder die Community reagiert – das ist eigentlich das Ziel von gutem Community-Management.
Ein anderer Punkt – wie Karl auch sagt – ist: Es gibt erklärungsbedürftige Situationen, wo es einfach Sinn macht, dass die Organisation Stellung bezieht. Und zwar ohne Floskeln – einfach die Frage beantworten. Das ist eine Herausforderung, die Karl und ich täglich haben. Die Themenvielfalt ist so groß, dass man im Thema sein muss, um adäquat antworten zu können.
Bei der EURO haben wir versucht, Workflows zu finden: Wer ist Ansprechpartner? Wer kann die Fanwalk-Frage beantworten? Und so weiter.
Kapitel 5: Community-Management intern organisieren
Doreen: Eine Frage, die mich selbst interessiert: Wie viele Leute arbeiten da eigentlich? Wie viele Menschen rennen da beim DFB rum und beantworten Kommentare – oder versuchen jemanden zu finden, der es weiß – oder wissen es selbst?
Marco: Ja, allein dieser Sommer mit Europameisterschaft, Olympia, DFB-Pokalrunde – das ist auch gerade ein Mammutprogramm. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.
Sabrina: Weniger, als man denkt – auf jeden Fall.
Karl: Der Sommer ist ein gutes Beispiel. Wir hatten während der Europameisterschaft einen echten Sonderfall – das wussten wir vorher – und haben deshalb hier im DFB-Campus ein Backoffice eingerichtet, auch explizit fürs Community-Management. Wir wollten, dass dort nicht 24/7, aber zumindest die Haupttageszeit betreut wird – also nicht nur von 9 bis 17 Uhr, sondern von morgens um 8 bis abends um 23 Uhr, teilweise sogar Mitternacht.
Das haben wir je nach Situation etwas variiert – nicht immer bis Mitternacht, aber mindestens bis 22 Uhr. Bei Deutschland-Spielen auch mal länger. Da musst du natürlich die Leute für haben – du kannst ja nicht eine Person von 8 bis 24 Uhr durcharbeiten lassen. Deshalb hatten wir einen Pool von etwa zehn Leuten, die dieses Backoffice besetzt haben. Immer zwei pro Tag – Frühschicht und Spätschicht.
Dazu kam externe Unterstützung, die auch mitreingeschaut hat. Und wenn ich „reinschauen“ sage, meine ich nicht nur Menschen – wir haben auch ein spezielles Tool dafür. Eine KI, die Kommentare rausfiltert – z. B. solche, die unter der Gürtellinie sind und die wir löschen oder verbergen müssen – oder auf die wir reagieren sollten.
Mittlerweile haben wir sogar einen Prozess mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, um besonders heftige Kommentare strafrechtlich verfolgen zu lassen. Auch das hat sich im Laufe der EURO entwickelt.
Ihr merkt also: Ich kann euch keine genaue Zahl sagen – es gibt verschiedene Systeme. Aber während der EURO hatten wir im Backoffice immer zwei Schichten, und vor Ort waren Sabrina und ihr Team, die sich ebenfalls mit den Kommentaren beschäftigt haben. Insgesamt also mindestens drei bis vier Personen gleichzeitig – und das war auch absolut notwendig bei der Masse.
Doreen: Wenn ihr sagt, ihr seid auch vor Ort – beschränkt sich dann das Community-Management nicht nur auf Social Media? Nutzt ihr auch andere Möglichkeiten für direkten Austausch?
Sabrina: Absolut. Community-Management auf Social Media ist ja am Ende nur der verlängerte Arm von Begegnungen, die in der Realität stattfinden – bei öffentlichen Trainings, bei Livestreams, Q&As mit Spieler:innen. Wir machen das mittlerweile verstärkt: Die Community hat dabei zwei-, dreimal während eines Turniers die Möglichkeit, sich direkt mit Spielern auszutauschen.
Und da ist es auch einfach richtig, dass man authentisch weitererzählt, was in diesen Begegnungen passiert. Dafür ist es wichtig, vor Ort zu sein – um z. B. auch mal explizit zu sagen: „Danke, Leute – ihr wart heute wirklich überragend“, oder: „Die fünf Fans in der Ecke mit der Trommel – der Wahnsinn.“ Das ist einfach: Wir sehen euch, wir sehen, was ihr schreibt, was ihr euch wünscht – und das ist extrem wichtig. Auch, dass die Spieler:innen das mittragen.
Kapitel 6: Der Umgang mit Shitstorms und finale Tipps
Marco: Ich würde zum Ende des Gesprächs gerne mal über das Thema Shitstorms sprechen. Zum Beispiel wurde ja diesen Sommer das neue DFB-Auswärtstrikot vorgestellt – mit einem ziemlich scharfen Farbverlauf von Pink ins Lilafarbene. Mir persönlich gefällt das Trikot, aber es war ja klar, dass es in den sozialen Medien Reaktionen geben würde. Dann wurde direkt auch ein Video vom DFB veröffentlicht. War da ein Shitstorm eingeplant?
Sabrina: Da müssen wir erstmal die Props an adidas geben – nicht an den DFB. Es ist schön, dass das so auf uns abstrahlt, aber am Ende des Tages war unsere Leistung, dass wir mutig waren. Und dass wir gesagt haben: „Wir gehen diesen Weg mit – das Konzept ist stark, wir fühlen das, die Spieler:innen fühlen das.“
Adidas hat das eingeplant – das hätte auch nach hinten losgehen können, ganz klar. Aber auch das Video, das zur Einordnung veröffentlicht wurde – das war durchweg positiv aufgenommen worden.
Wenn wir es auf den DFB übertragen: Es gibt Themen, die natürlich sensibel sind, bei denen wir wissen, dass es Unmut geben wird. Ein Shitstorm ist da nochmal eine andere Kategorie. Ich glaube, niemand bei uns sagt morgens: „Heute poste ich mal was, das eskalieren könnte.“ Ganz im Gegenteil – wir versuchen das natürlich zu vermeiden.
Nichtsdestotrotz: Fußball ist hochemotional. Du wirst immer Kommentare haben. Ihr habt es gesagt – es gibt Millionen Bundestrainer, und während eines Turniers sind es noch mehr. Wir planen keinen Shitstorm, aber wir sind vorbereitet auf Reaktionen. Das ist die bessere Formulierung.
Karl: Und wir sind – da sind wir wieder beim Thema – für das, was auf dem Platz passiert, nicht verantwortlich. Die schlimmsten Shitstorms entstehen dann, wenn große Spiele verloren gehen. Da können wir als Social-Media-Team wenig machen – außer das, was ich vorhin gesagt habe: Inhalte unter der Gürtellinie ausblenden oder melden. Aber der Frust der Fans ist verständlich. Wir fühlen ja genauso mit. Es ist nicht so, dass wir nach einer schlimmen Niederlage erwarten, dass alle schreiben: „Ihr macht das toll.“ Auch wenn es natürlich nett wäre. Aber nein – Social Media ist auch dafür da, Frust loszuwerden, und das ist völlig okay.
So viel zur Planbarkeit. Damit musst du dann spontan umgehen – das kann in beide Richtungen kippen.
Marco: Habt ihr zum Abschluss noch drei ultimative Community-Management-Tipps – für kleine Vereine oder kleine/mittelständische Unternehmen?
Karl: Ich finde, der wichtigste Punkt ist – auch wenn es platt klingt – Emotionen transportieren. Das ist entscheidend.
Dann: Perspektivwechsel. Immer versuchen, sich in die User hineinzuversetzen. Davon ausgehen, dass sie vielleicht nicht so viel wissen – und sich fragen: Was wollen sie wissen?
Wenn wir z. B. über den Dorfverein sprechen: Ist das Foto von der Vorstandssitzung wirklich das, was die User interessiert? Oder vielleicht eher ein Blick hinter die Kulissen – z. B. der Alltag des Zeugwarts?
Und drittens: Mutig sein. Leben wir manchmal selbst auch noch zu wenig.
Sabrina: Ich würde ergänzen: Man muss es schaffen, dass sich möglichst viele User mit dem identifizieren, was man macht. Und – um Karls Beispiel aufzugreifen – das Foto von der Vorstandssitzung funktioniert vielleicht auf Facebook, weil dort die Zielgruppe sitzt. Der Zeugwart-Content ist eher was für TikTok oder Instagram.
Also: Sehr genau gucken, wo platziert man was – nicht einfach blind Copy & Paste machen.
Dann: Selbst konsumieren – immer schauen: Kommt das eigentlich an, was wir machen?
Und für mich der wichtigste Punkt: Authentisch bleiben. Die Leute da draußen haben ein feines Gespür dafür, ob man „real“ ist – oder ob man Marketingsprech raushaut. Man darf als Admin auch mal schreiben: „Mist – wir sind raus.“ Oder: „Wie geil war das denn gerade?“
Kein Copy-Paste, keine Plattitüden – sondern Nuancen reinbringen, Persönlichkeit zeigen. Das wird honoriert.
Doreen: Wir danken euch vielmals für das Gespräch und eure Einblicke – das war sehr interessant!
Marco: Mega spannend – vielen Dank!
Sabrina und Karl: Danke euch auch!
Doreen: Tschüss!
Marco: Ciao!
Kapitel 7: Outro
Doreen: Und Marco, bist du jetzt alle deine Fragen losgeworden?
Marco: Na ja, ich würde sagen: Die wichtigsten auf jeden Fall. Ich habe gelernt, dass Perspektivwechsel wichtig ist – also, Dinge aus der Sicht der Community zu sehen. Klingt logisch, aber im Alltag vergisst man das schnell. Und wenn man eh schon dabei ist, kann man gleich alle Floskeln und Marketingtexte weglassen – und in eigenen Worten schreiben. Einfach authentisch sein.
Doreen: Gerade beim DFB habe ich auch gelernt: Es ist ein hochemotionales Thema. Diese Emotionen muss man teilen – mit der Community. Dabei immer auf Augenhöhe kommunizieren – und auf gar keinen Fall Copy & Paste! Jede Plattform hat ihre eigene Zielgruppe.
Marco: Das sind eigentlich Tipps, die jeder befolgen kann – vom kleinen Unternehmen bis zum Dorfverein.
Doreen: Apropos „gut dran tun“: Ihr tut gut daran, wenn ihr den Podcast abonniert – und ihn weiterempfehlt: an Freunde, Familie oder alle, die es interessieren könnte. Folgt auch FLYERALARM auf den offiziellen Kanälen: Instagram, Facebook, LinkedIn & Co.
Wir sagen jetzt: Tschüss – und bis bald!
Marco: Ciao!
Shownotes
Der Deutsche Fußball-Bund (kurz DFB) hat etwa 120.000 Followerinnen und Follower auf Instagram, 150.000 auf X und über 1.000.000 auf TikTok – und jede einzelne Person hat eine eigene Meinung und den Drang, diese auch kundzutun. Mal muss man die Diskussion laufen lassen, mal behutsam in die richtige Richtung schubsen und manchmal mit strenger Hand eingreifen. Dafür braucht man viel Fingerspitzengefühl – und Profis am Werk.
Unsere Interviewgäste Sabrina Dirks und Karl Evers beschäftigen sich beim DFB seit vielen Jahren mit dem Community Management und teilen Ihren Erfahrungsschatz mit uns.
In dieser Folge lernen wir:
- warum Community Management weder Marketing noch PR ist,
- worauf es bei gutem Community Management ankommt,
- wie sich das Social-Media-Team des DFB auf die Heim-EM vorbereitet hat,
- mit welchen Top-3-Tipps das Community Management läuft.
FLYERALARM ist offizieller DFB Partner
Und das übrigens schon seit 11 Jahren! Seit der Saison 2022/2023 zählen wir zudem zum stolzen Kreis der Partner des DFB-Pokals. Klingt spannend? Hier mehr erfahren: https://www.flyeralarm.com/de/i/unternehmen/flyeralarm-im-dfb-pokal
DFB Webseite: https://www.dfb.de/
DFB auf X: https://x.com/dfb_team
DFB auf Instagram: https://www.instagram.com/dfb/
DFB auf Facebook: https://www.facebook.com/DFB.Verband
DFB bei TikTok: https://www.tiktok.com/@dfb
DFB auf YouTube: https://www.youtube.com/channel/UC7am34-1rGU_ky1vWYnoOJQ
Hinterlass uns gerne einen Kommentar zu dieser Folge auf Social Media: https://www.instagram.com/flyeralarm.official
Emotionen zeigen – und aus Community-Sicht denken
Community-Management lebt von Echtheit. Zeigen Sie Ihrer Community, dass auch hinter Ihren Kanälen Menschen mit echten Gefühlen stehen. Freuen Sie sich öffentlich über Erfolge – und zeigen Sie ebenso Anteilnahme bei Niederlagen oder Rückschlägen. Authentische Reaktionen machen Sie nahbar und stärken das Vertrauen in Ihre Kommunikation. Gleichzeitig ist es wichtig, sich in die Perspektive Ihrer Community hineinzuversetzen: Was für Sie selbstverständlich ist, wirft für andere vielleicht Fragen auf. Erklären Sie Hintergründe verständlich, anstatt vorauszusetzen, dass „alle Bescheid wissen“. So schaffen Sie Transparenz, beugen Missverständnissen vor – und zeigen, dass Sie Ihre Community ernst nehmen.
Nicht alles planen, aber vorbereitet sein
Community-Management lebt von Spontaneität. Wenn Sie Ihre Inhalte zu eng durchplanen, verlieren Sie die Flexibilität, auf aktuelle Entwicklungen, Stimmungen oder Diskussionen schnell und glaubwürdig zu reagieren. Das gilt ganz besonders für emotionale Themen wie Sport – aber ebenso für Unternehmen und Vereine, die sich authentisch mit ihrer Zielgruppe verbinden möchten.
Die Erfahrung des DFB-Teams zeigt deutlich: Bis zu 90 % der Inhalte entstehen spontan. Der Verlauf eines Spiels, eine aktuelle Nachricht, ein virales Kommentar – all das kann Ihre Kommunikationsstrategie von einem Moment auf den nächsten beeinflussen. Während am Vormittag noch der nächste Produktpost geplant war, kann am Nachmittag bereits Krisenkommunikation gefragt sein. Doch Spontaneität heißt nicht Planlosigkeit. Wer flexibel sein möchte, muss gut vorbereitet sein.
Deshalb empfehlen wir:
- Legen Sie redaktionelle Grundbausteine fest. Definieren Sie wiederkehrende Formate wie „Blick hinter die Kulissen“, „Frage der Woche“ oder „Mitglieder im Fokus“. Diese Formate können schnell angepasst und veröffentlicht werden.
- Bereiten Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen vor. Wenn in Ihrer Community regelmäßig dieselben Themen aufkommen (z. B. Öffnungszeiten, Rückgaben, Spielansetzungen), lohnt es sich, klare, freundliche Standardantworten bereitzuhalten.
- Verteilen Sie Rollen im Team. Wer kümmert sich um Instagram, wer um Facebook? Wer darf auf kritische Kommentare reagieren oder Beiträge freigeben? Klare Zuständigkeiten helfen, auch in stressigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
- Erstellen Sie einen „Content-Pool“. Sammeln Sie Ideen, Zitate, Fotos oder Kurzvideos, die bei Bedarf schnell einsatzbereit sind – z. B. für unerwartete Spielausgänge, Kundenfeedback oder Jubiläen.
Plattformen gezielt nutzen – statt Copy & Paste
Ein häufiger Fehler im Community-Management besteht darin, denselben Beitrag auf allen Kanälen gleichzeitig zu veröffentlichen, ohne dabei auf die Besonderheiten der einzelnen Plattformen einzugehen. Was auf Instagram gut funktioniert, kann auf Facebook verpuffen – und umgekehrt. Der Grund: Jede Plattform hat ihre eigene Sprache, Dynamik und Zielgruppe. Wenn Sie Ihre Inhalte einfach 1:1 übernehmen, riskieren Sie, an den Erwartungen Ihrer Community vorbeizureden. Statt Nähe und Relevanz entsteht der Eindruck von Beliebigkeit – und damit verschenken Sie wertvolles Potenzial.
So gehen Sie richtig vor:
- Definieren Sie für jede Plattform ein Ziel. Fragen Sie sich: Wen möchten Sie dort erreichen? Was möchte diese Zielgruppe sehen? Welcher Ton passt?
- Passen Sie Ihre Inhalte bewusst an. Nutzen Sie dieselbe Grundidee für verschiedene Plattformen, aber variieren Sie Ton, Textlänge, Hashtags, Bildformat oder Videolänge. Ein Post auf Instagram kann ein Reel sein – auf LinkedIn dagegen ein Erfahrungsbericht.
- Beobachten Sie Ihre Community. Welche Beiträge funktionieren wo besonders gut? Was wird kommentiert, geteilt, gespeichert? Diese Daten sind wertvoll – und helfen Ihnen, Ihre Strategie laufend zu optimieren.
- Vermeiden Sie Copy & Paste. Auch wenn es auf den ersten Blick effizient wirkt: Automatisierte Verbreitung auf allen Kanälen spart vielleicht Zeit, aber sie kostet Reichweite, Glaubwürdigkeit und Engagement.
Tipp: Sie wollen mehr über die strategische Nutzung von Social Media für Unternehmen wissen? Oder Ihr eigenes Personal Branding bei LinkedIn verbessern? Im Blog finden Sie den passenden Beitrag!
Diskussionen laufen lassen – aber moderieren, wenn nötig
Wenn Menschen sich über Ihr Unternehmen, Ihren Verein oder Ihre Inhalte austauschen, ist das erst einmal ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass Sie Relevanz erzeugt haben – dass Ihre Community aktiv ist, sich einbringt und ein Interesse an Ihrer Arbeit hat. Aber: Community-Management heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Denn nicht jede Diskussion entwickelt sich automatisch in eine konstruktive Richtung. Manchmal braucht es Fingerspitzengefühl – und manchmal auch klare Moderation.
In vielen Fällen ist es völlig in Ordnung, Diskussionen einfach laufen zu lassen. Oft beantworten sich Fragen gegenseitig, Nutzer:innen erklären einander Dinge oder moderieren sich selbst. Genau das ist ein Zeichen einer gesunden, lebendigen Community. Doch es gibt Situationen, in denen Ihr Eingreifen notwendig ist – z. B. wenn:
- sich Falschinformationen verbreiten,
- jemand persönlich angegriffen oder beleidigt wird,
- die Diskussion inhaltlich entgleist,
- diskriminierende, rassistische oder sexistische Inhalte gepostet werden,
- oder wenn dringende Fragen unbeantwortet bleiben, die nur Sie beantworten können.
Ihre Aufgabe als Community-Manager: Orientierung geben.
Ihre Rolle besteht nicht darin, jede Meinung zu kommentieren oder jeden Post zu beantworten. Viel wichtiger ist es, klare Werte und Rahmenbedingungen zu vermitteln – und diese bei Bedarf durchzusetzen.
Das kann bedeuten:
- einen sachlichen Kommentar zu verfassen, der eine Debatte wieder auf den Boden der Fakten zurückholt,
- einen beleidigenden Kommentar zu löschen und die betroffene Person zu schützen,
- deeskalierend zu kommunizieren, wenn eine Diskussion hitzig wird,
- oder einfach Danke zu sagen, wenn jemand einen klugen oder konstruktiven Beitrag geleistet hat.
Fazit: Ein starke Community ist das Ergebnis Ihrer Haltung
Ob Sportverein, Handwerksbetrieb oder mittelständisches Unternehmen: Community-Management ist längst mehr als eine nette Zusatzaufgabe. Es ist ein zentraler Baustein für Reichweite, Vertrauen und Markenbindung. Und: Es ist eine Chance – gerade für kleinere Organisationen, sich durch Nähe, Persönlichkeit und Haltung von anderen abzuheben. Wenn Sie zuhören, ehrlich kommunizieren und auf Augenhöhe bleiben, wird Ihre Community das erkennen – und mit echtem Engagement belohnen. Nicht jeder Post muss perfekt sein. Aber jeder Dialog sollte ernst gemeint sein. Denn am Ende geht es nicht um Algorithmen – sondern um Menschen.