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Netzwerken für Introvertierte: Warum wir gemeinsam mehr erreichen

Netzwerken muss sein – aber wie fängt man auf einem Event damit an, wenn man eben nicht zum großen Redner oder zur großen Rednerin geboren wurde? Claire Siegert, Unternehmerin und Co-Gründerin der Plattform Businettes gibt im Interview praktische Tipps zum erfolgreichen Networking.

Claire Siegert, Unternehmerin und Co-Gründerin von Businettes
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Erfahren Sie jetzt im FLYERALARM Podcast „ERFOLGSDRUCK – Storys aus dem Mittelstand“, wie Sie den ersten Schritt zu mehr Sichtbarkeit gehen und neue, echte Kontakte nicht nur knüpfen, sondern auch halten. On top gibt’s die besten als Networking-Checkliste zum nächsten Event.

Podcast-Interview mit Claire Siegert, Unternehmerin und Co-Gründerin von Businettes

Kapitel 1: Intro

Doreen: Herzlich willkommen bei Erfolgsdruck – Storys aus dem Mittelstand, dem FLYERALARM Podcast über druckreife Marketing- und Business-Ideen. Ich bin Doreen.

Marco: Und ich bin Marco. Und heute sprechen wir über das Thema Netzwerken – und genauer über das Thema Netzwerken, wenn man eigentlich keine Lust darauf hat.

Doreen: Dafür haben wir uns Claire Siegert eingeladen. Sie ist Unternehmerin, Startup-Mentorin und Speakerin und hat unter anderem die Plattform „Businettes“ gegründet. Die hat sich zur Aufgabe gemacht, mehr Sichtbarkeit für Gründerinnen in der europäischen Wirtschaft zu schaffen und Gründerinnen dazu zu ermutigen, welche zu werden und sie bei ihren Vorhaben zu unterstützen.

Marco: Und jetzt viel Spaß mit dem Interview.

Doreen: Hallo Claire und herzlich willkommen in unserem Podcast.

Claire: Vielen Dank, Doreen. Vielen Dank, Marco.

Doreen: Wann ist denn der Erfolgsdruck in deinem Job am größten?

Claire: Uff, der Erfolgsdruck ist auf jeden Fall am größten, zum Beispiel wenn man eine Veranstaltung organisiert – dass genug Leute kommen. Ja, also diese ganze Vermarktungsphase, da ist der Erfolgsdruck groß, weil man sich denkt: Hui, ich will nicht alleine auf einer Bühne stehen. Das ist auf jeden Fall das eine, bei dem ich jedes Mal denke: Mein Gott, Eventmanagement ist ja doch ganz schön stressig. Und natürlich typisches Lampenfieber, bevor man auf eine Bühne steigt und sich denkt: Okay, jetzt bloß keinen Blackout. Wenn die ersten Sätze flutschen, dann funktioniert’s auch. Aber ich denke, da ist der Erfolgsdruck groß – Spot on auf einer Bühne – das sind, glaube ich, so die beiden Pressure-Momente.

Kapitel 2: Warum ist Networking manchmal anstrengend?

Doreen: Das glaube ich gerne. Da sind wir ja auch schon fast bei unserem Thema heute, nämlich Networking für Introvertierte. Ich glaube, das ist so die Horrorvorstellung für alle introvertierten Menschen: Spot on, Licht auf dich drauf, und jetzt red mal. Aber ja, bevor wir da jetzt richtig einsteigen, erzähl uns doch mal kurz, wie es dazu kam, dass du ein Netzwerk gegründet hast, und welche persönliche Motivation dahinterstand.

Claire: Die persönliche Motivation hinter „Businettes“ ist auf jeden Fall, in Zukunft auf Veranstaltungen und Demodays von Acceleratoren zu gehen und zu sehen, dass es divers gemischt ist – und dass man nicht als einzige Frau im Publikum sitzt. Das war die Vision vor sechs Jahren und ist es weiterhin. Zum Glück hat sich schon ein bisschen was getan, aber unser Ziel ist es mit allem, was wir bei „Businettes“ machen, Gründerinnen dazu zu ermutigen, weiterzugehen, zu skalieren, sich zu vernetzen, die richtigen Fragen zu stellen, sich mit den richtigen Leuten auszutauschen und um Hilfe zu bitten – und Frauen, die noch vor der Gründung stehen, zu ermutigen, diesen Schritt überhaupt zu gehen.

Das ist wirklich meine persönliche Motivation, weil ich mir sehr wünschen würde, dass unsere Wirtschaft ein bisschen weiblicher wird und es mehr Sichtbarkeit für Frauen in Führung gibt – für Frauen, die in großen Unternehmen arbeiten, aber eben auch für Frauen, die gründen, sich trauen und innovativ die Richtung weisen. Das ist eigentlich seit Anfang an unser Bestreben.

Doreen: Viele Introvertierte empfinden Networking an sich – vor allem Face-to-Face – als anstrengend oder sogar abschreckend. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Claire: Eine Sache, die ich sagen will: Ich glaube, dass es nicht nur introvertierten Leuten schwerfällt, zu networken. Man meint oft, wenn eine Person extrovertiert ist, fällt ihr das leicht. Aber das ist wie mit allem – es ist ein Muskel, den man trainieren muss. Auch wenn man extrovertiert ist, ist man nicht immer selbstbewusst, gerade wenn es um eine frische Gründungsidee oder ein neues Business geht. Dann ist man plötzlich unsicher, weil man weiß: Das ist wie ein rohes Ei, das man präsentiert. Feedback oder Rückfragen können verunsichern.

Also wirklich: Auch extrovertierte Menschen haben unsichere Momente. Manchmal schüchtert einen das Gegenüber ein – wegen der Aura, der Art, oder weil man die Person bewundert. Deshalb: Es ist ganz normal, dass Networking nicht immer locker-flockig klappt, auch wenn man eigentlich extrovertiert ist.

Marco: Geht dir das selbst auch noch so?

Claire: Ja, absolut. Also letztens war ich zum Beispiel auf einer Veranstaltung, und da waren überwiegend Männer. Und manchmal merke ich halt, dass ich vergesse, dass die Business-Welt und auch die unternehmerische Welt doch sehr männlich geprägt ist. Und es ist jedes Mal wieder eine kurze Überwindung. Man denkt sich: „Okay, auf ins Getümmel.“ Das finde ich schon interessant. Das passiert schon ab und zu. Und dann, nach einer Weile, ist es auch wieder weg, und man schafft es dann, sich auch dort wohlzufühlen. Aber das ist immer so ein bisschen dieses: Huch, ganz andere Bubble, und teilweise ist niemand da, den man kennt.

Kapitel 3: Claires persönlicher Umgang mit Unsicherheit

Marco: Aber hast du schon einen Masterplan für dich entwickelt, wie du mit so einer Situation umgehst?

Claire: Tatsächlich klingt es vielleicht komisch, aber eine Sache, die ich mache, wenn ich unsicher bin – zum Beispiel wenn es eher eine männlich dominierte Veranstaltung ist – ist: Ich gehe erstmal zur Toilette, wasche mir die Hände, gehe zur Garderobe. Denn: Wen trifft man auf der Damentoilette? Andere Frauen. Und das ist meistens richtig gut. Man kommt ins Gespräch. Und wenn da nur wenige andere Frauen sind, dann kann man meistens davon ausgehen, dass auch die andere Frau sich freut, wenn man connectet.
Also, das ist vielleicht ein Tipp für Veranstaltungen, bei denen man als Frau in der Unterzahl ist. Dann kommt man raus, holt sich gemeinsam ein Getränk oder einen Kaffee, ist schon mal im Gespräch – und die Nervosität legt sich. Das ist vielleicht ein komischer Tipp, aber bei mir funktioniert er gut. Wenn ich einen Hook habe – also eine Person, mit der ich schon mal starte –, dann bin ich ein bisschen warmgelaufen und bereit, mich in die Menge zu werfen. Auch bei Veranstaltungen, wo man nicht in der Unterzahl ist, würde ich sagen: Die erste Person, mit der man spricht, hilft einem selbst, das Eis zu brechen.

Doreen: Ja, das stimmt. Da kann ich aus Erfahrung auch was beitragen. Wenn man auf mehrtägigen Weiterbildungen ist oder auf Veranstaltungen, die eine Mischung aus Messe und Konferenz sind – da braucht man wirklich diese eine Person, mit der man sich am ersten Tag mal beim Mittagessen angestellt hat. Die sieht man dann immer wieder, die grüßt man dann auch, und dann ist man drin. Dann ist es völlig okay. Und wenn man sich mal etwas verloren fühlt, hat man jemanden, zu dem man immer wieder hingehen kann. Die Person hat im besten Fall noch Kolleginnen oder Kollegen dabei – und schon ist man mitten im Netzwerk.

Claire: Absolut, ja.

Kapitel 4: Warum Networking unverzichtbar ist

Marco: Ich würde gern auf die Frage kommen, warum wir uns das Ganze überhaupt antun. Also: Warum ist Networking überhaupt wichtig – sowohl für Gründer:innen und Unternehmer:innen als auch für Solo-Selbstständige?

Claire: Man tut es sich an – und man sollte es sich unbedingt antun. Man sollte bloß nicht allein im stillen Kämmerchen bleiben, weil: Ich glaube, allein schafft man es einfach nicht. Man kommt nicht so weit. Ein Business lebt über das Netzwerk. Egal, welches Business du gründest – wenn du keine Leute kennst, die dir helfen, Fragen oder Probleme zu lösen, die du beim Businessaufbau hast, dann wird’s schwierig.

Das betrifft zum Beispiel Dienstleister: Du kannst selten alles. Du kannst nicht gleichzeitig super gut in steuerlichen Dingen sein, ein perfektes Webdesign machen und gleichzeitig deine Kundenkommunikation meistern. Es gibt so viele Themen, die du abdecken musst – aber du kannst sie nicht alle auf einem Level beherrschen, das dich erfolgreich macht.

Deshalb ist ein Netzwerk so wichtig. Dann kannst du Aufgaben abgeben. Und es arbeitet sich auch leichter und netter, wenn du dir ein Team zusammenstellst. Mit „Team“ meine ich nicht unbedingt Leute, die du anstellst, sondern eine Gruppe von Menschen, mit denen du zusammenarbeitest – zum Beispiel der Steuerberater oder die Freelancerin, die dein Logo designt. Es ist einfach angenehmer, wenn man mit Leuten arbeitet, die man mag. Und wie lernst du die kennen? Indem man sich vernetzt. Du lernst sie vorher kennen, merkst, ob der Vibe passt, ob es funktioniert – oder eben nicht.

Man würde ja wahrscheinlich niemals jemanden buchen, den man richtig unsympathisch findet. Wenn der Vibe nicht da ist, arbeite ich mit der Person nicht – ganz einfach. Ich komme gar nicht auf die Idee, sie zu beauftragen.

Das ist die eine Seite: Du musst Leute kennenlernen. Aber auch später, wenn du ein Produkt oder Angebot hast, musst du es irgendwie vermarkten. Auch dafür ist ein Netzwerk super hilfreich. Oder du willst dich auf Augenhöhe austauschen. Manchmal kommst du allein nicht weiter und musst eine High-Level-Entscheidung treffen. Da kann dir nicht unbedingt ein Fachexperte helfen, sondern du brauchst eine andere Unternehmerin oder einen anderen Unternehmer.

Wie lernt man solche Leute kennen? Viele, die zu uns kommen, sagen: „Bevor ich bei Businettes war, kannte ich niemanden, der selbstständig war – oder keine Frau, die selbstständig war.“ Und wenn doch, dann vielleicht in einem ganz anderen Bereich, mit dem man keine Berührungspunkte hatte. Es ist total wertvoll zu sehen: Es gibt andere in dieser Situation, die haben es geschafft. Wenn man sich dann öffnet, ist das wirklich Gold wert.

Es ist wie bei einem Marathon: Es gibt Strecken, die sind hart, da hast du keine Motivation mehr. Dann brauchst du jemanden, der dir sagt: „Komm, das schaffen wir schon.“ Und bei den nächsten fünf Kilometern bist du die Person, die jemand anderem hilft. So funktioniert das. Deshalb wird Entrepreneurship oft mit Sport verglichen – zu Recht. Es ist ein langes Rennen, das allein sehr schwer durchzuhalten ist.

Kapitel 5: Was die Businettes Community von anderen Netzwerken unterscheidet

Doreen: Was unterscheidet denn die Businettes Community jetzt von klassischen Netzwerken – also vom Offensichtlichen abgesehen? Was macht ihr denn mit Absicht noch anders, um nicht so ein steifes Klischee zu erfüllen?

Claire: Also, vielleicht mehrere Sachen. Das eine ist, dass unsere Zielgruppe wirklich ziemlich klar ist. Wir fokussieren uns auf Frauen – auf Frauen, die gründen, teilweise auch auf Frauen, die gründungsinteressiert sind. Das ist richtig unser Thema. Und es ist eine Nische, also nicht alle Frauen, die in der Arbeitswelt stehen, oder alle Frauen, die in Unternehmen arbeiten, sondern konkret Frauen, die gründungsinteressiert sind oder gegründet haben oder schon weiter sind. Aber das ist das, was sie gemeinsam haben. Und das ist schon mal eine relativ kleine Gruppe.

Das Zweite ist, dass es ziemlich inklusiv ist. Unsere Angebote richten sich zwar eher an Startup-Gründerinnen oder Gründerinnen mit einer richtigen Geschäftsidee – also nicht unbedingt an Freelancerinnen, die nur eine Dienstleistung anbieten –, aber trotzdem schließen wir niemanden aus. Wir denken: Es ist so wichtig, dass sich daraus ein Netzwerk ergibt. Ich habe es ja gerade gesagt: Ich als Unternehmerin, die ein Unternehmen aufbaut, arbeite mit vielen Freelancern zusammen – und zum Glück kenne ich die. Und woher kenne ich sie? Teilweise mittlerweile über die Businettes Community, aber vor allem über das Netzwerk, das ich mir über die Jahre aufgebaut habe.

Deshalb dachten wir von Anfang an: Auch wenn unsere Zielgruppe klar ist, möchten wir niemanden ausschließen – weil wir ohnehin schon so wenige sind. Es ist cool, wenn Austausch entsteht und man sich gegenseitig hilft. Das macht das Ganze vielleicht auch etwas lockerer.

Es gibt viele Netzwerke, die wirklich strenge Regeln haben. Ich glaube, das ist teilweise auch sehr zielführend, aber das haben wir nicht. Jeder nimmt sich das, was er braucht. Jeder gibt das rein, was er kann und möchte. Das war von Anfang an unser Credo: Man ist nicht in der Community um der Community willen – sondern sie soll wirklich etwas bringen.

Unternehmerinnen haben wenig Zeit. Deshalb soll es nie so ein „Oh, ich muss wieder zu einem Businettes-Workshop oder -Event“ sein, wie ein To-do auf der Liste, sondern etwas, worauf man sich freut. Etwas, bei dem man sagt: „Geil, ich habe gerade ein Thema – ich freue mich drauf!“

Es soll sich ein bisschen anfühlen wie Selbstständigkeit selbst: Dass man sich bewusst dafür entscheidet – und wenn man es gerade nicht braucht, lässt man es ruhen. Das macht es weniger steif.

Dann noch etwas: Die Community war ursprünglich gar nicht unser Ziel. Unsere Mission war, Frauen zu ermutigen zu gründen und Gründerinnen weiterzubringen. Wir wollten keine Community aufbauen – das war nicht unser Produkt. Aber sie ist organisch entstanden. Wir haben gemerkt: Krass, da steckt viel Potenzial drin. Also wollten wir weiter investieren. Die Community ist kostenfrei – und das trägt sicherlich auch zur Lockerheit bei. Es gibt keinen Druck, keine Hürde. Die richtigen Leute finden sich einfach zusammen.

Wir haben natürlich ein Geschäftsmodell, aber das ist nicht die Community an sich. Und ich glaube, das nimmt viel Druck raus. Deshalb ist es bei uns offener und entspannter. Das ist wichtig, damit man sich aufgehoben fühlt – vor allem, wenn man gerade erst startet. Man hat dann sowieso viele Unsicherheiten. Man will nicht in ein starres Netzwerk gehen, bei dem man sich ständig fragt: Bin ich hier überhaupt richtig? Darf ich diese Frage stellen?

Wir sagen immer: Bitte stellt eure Fragen! Wenn ihr euch das fragt, haben mindestens fünf andere im Raum dieselbe Frage. Wir versuchen wirklich, die Barrieren abzubauen, damit man sich empowert fühlt, teilzunehmen.

Kapitel 6: Networking am fiktiven Beispiel erklärt

Marco: Vielleicht können wir mal ein richtiges Beispiel besprechen. Wenn Doreen jetzt beschließt, sie möchte ihren eigenen Winzer-Onlineshop aufmachen, hat aber ansonsten noch keinen Plan – oder? Hast du schon einen Plan, Doreen?

Doreen:  Nee, noch ist es Zukunftsmusik.

Marco: Wie liefe das denn ab?

Claire: Also, das klingt so ein bisschen nach „Asking for a friend“. Du hast ja schon genickt – ich bin gespannt. Also, wenn du jemals tatsächlich deinen Wein-Onlineshop baust, dann solltest du auf jeden Fall zu uns kommen. Die Community ist kostenfrei. Du könntest dich einfach anmelden und reinschreiben, was du vorhast. Zum Beispiel: „Hey, hat dazu jemand Erfahrung oder kennt sich jemand in der Branche aus?“ Dann könntest du dich online mit ein paar Frauen dazu verabreden.

Wir haben außerdem eine Art Mediathek mit allen möglichen Ressourcen – das sind Workshops und Webinare zu ganz unterschiedlichen Themen, die gründungsrelevant sind. Wirklich von A bis Z: von „Wie mache ich eine Website?“ oder „Wie gestalte ich ein Logo?“ bis hin zu Buchhaltungsfragen oder auch zum Thema Pitchdeck – also, wenn du sagst, du brauchst Kapital für den Start, je nachdem, wie investmentintensiv dein Vorhaben ist.

Das ist wirklich wie ein Supermarkt: Du nimmst dir einfach, was du brauchst, und schaust dir die verschiedenen Ressourcen an. Außerdem haben wir verschiedene Veranstaltungen. Dort könntest du ebenfalls hingehen, dich mit anderen Frauen vernetzen, schauen, wie sie es gemacht haben, und dich einfach austauschen.

Man muss da schon selbstständig aktiv werden. Es passiert nichts, wenn man selbst nichts tut. Die Community ist nur so gut, wie man sie nutzt. So würde das bei uns ablaufen: Wir würden dich dazu ermutigen, den Schritt zu gehen. Du würdest auf jeden Fall coole Frauen kennenlernen und könntest dir ganz individuell die Ressourcen holen, die du brauchst, um weiterzukommen.

Doreen: Und ich schätze mal, wovon das ganze Networking ja auch lebt, ist, dass man dranbleibt – durch Foren, aber auch durch Plattformen wie LinkedIn. Du hast vorhin im Vorgespräch erwähnt: Ohne LinkedIn läuft bei euch nichts. Ich nehme an, man sollte dort auf jeden Fall präsent sein und seine Kontakte pflegen?

Clare: Absolut. Weil wir heute über Networking sprechen, kann ich sagen: Klar, bei Live-Veranstaltungen kann man tolle Leute kennenlernen – aber was passiert danach?

Die Vernetzung über LinkedIn vor Ort – und danach auch die Personen anschreiben und den Kontakt halten – ist superwichtig. LinkedIn ist da wirklich eine tolle Plattform. Du bekommst nicht nur einen Namen oder eine E-Mail-Adresse, sondern du siehst, was die Person postet, wenn sie auf Social Media aktiv ist. Du kannst tiefer eintauchen und besser verstehen: Was ist das für ein Mensch?

LinkedIn kann da wirklich Wunder wirken. Und wenn du nicht auf einer Veranstaltung warst, aber deinen Weinshop online eröffnen willst, dann kannst du auch über LinkedIn nach Leuten in der Branche suchen, die etwas Ähnliches gemacht haben – und sie einfach mal anschreiben. Auch wenn dir nicht jede Person antworten wird – die meisten Menschen helfen gerne. Wenn du zehn Leute anschreibst, antwortet dir bestimmt mindestens eine. Da würde ich echt meine Hand für ins Feuer legen.

Also: Reach out! Man muss da einfach proaktiv rangehen. Gerade für introvertierte Personen kann das eine super Möglichkeit sein. Du sitzt hinter deinem Bildschirm – dir kann nichts passieren. Und bevor du jemanden auf einen echten Kaffee triffst, ist die Hürde geringer.

Mittlerweile gibt’s ja auch ChatGPT – damit kannst du dir super gute Einstiegstexte schreiben lassen, wenn du das Gefühl hast: „Das klingt zu plump“ oder „Ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll.“ Ich würde wirklich alle Hilfsmittel nutzen, die es gibt, und ganz bewusst auf Leute aus der Branche zugehen – besonders am Anfang. Damit bekommst du auch eine realistische Einschätzung: Welches Tool solltest du zum Beispiel für deinen Onlineshop nutzen? Sowas kann man zwar googeln – oder man fragt direkt Leute, die den Weg schon gegangen sind. Die sagen dir dann vielleicht: „Die machen viel Werbung, aber geh lieber nicht zu denen.“

Das erfährt man nur im persönlichen Gespräch. Erfahrungswerte sind einfach das Wichtigste – besser als jedes Google-Suchergebnis, das ich mir vielleicht durch meine Anfragen selbst zurechtgelegt habe.

Kapitel 7: Claires finale Tipps fürs Netzwerken

Doreen: Hast du vielleicht noch einen abschließenden Tipp, wenn uns jemand zuhört, der oder die heute anfangen möchte, sich zu vernetzen?

Claire: Ja, auf jeden Fall. Ihr habt es gehört: Networking ist superwichtig. Ihr kommt nicht drum herum – das ist Punkt eins. Also: Macht es einfach! Man muss ins kalte Wasser springen.

Natürlich kann man sich den Einstieg so angenehm wie möglich gestalten. Wenn man sehr schüchtern ist, kann man auch mit einer Begleitperson zu einer Veranstaltung gehen. Das gibt es häufig – man muss nicht alles allein machen. Und wenn die Person selbst gerade nicht gründet – egal! Vielleicht ist es eine Freundin, die einfach Interesse hat und gerne unterstützt oder etwas Neues lernen möchte. Sprecht eure Freunde an und sagt: „Hey, ich würde gern zu dieser Veranstaltung gehen, aber es ist mir unangenehm.“ Dann nimm jemanden mit. Das kann helfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Unterschätzt nicht die Bedeutung von Follow-ups – zum Beispiel über LinkedIn. Sprecht die Menschen einfach an.

Und noch einmal der Tipp, den wir vorhin besprochen haben, Doreen: Wenn man auf einem Event schon eine Person kennt, ist das ein riesiger Vorteil. Von da aus ergibt sich oft alles Weitere. Fokussiert euch auf dieses erste Gespräch – und danach ergibt sich vieles von allein. Vielleicht nehmt ihr das als kleine Challenge mit: Überwindet euch und sprecht wenigstens mit einer neuen Person. Und schaut dann, wie ihr euch gegenseitig unterstützen könnt.

Doreen: Klasse. Vielen Dank für deine Tipps und das tolle Gespräch – es hat viel Spaß gemacht.

Claire: Danke, Doreen. Danke, Marco. Tschüss.

Doreen: Ciao.

Marco: Tschüss.

Kapitel 8: Outro

Marco: Ich finde, Claire hat ein wirklich gutes Fazit gezogen: Man kommt eh nicht ums Netzwerken herum – egal, ob man Lust darauf hat oder nicht. Am besten geht man gleich mit offenem Visier rein und spricht einfach jemanden an. Und das Wichtigste ist: Wenn man nette Leute kennenlernt, sollte man unbedingt Follow-ups machen. Zum Beispiel, indem man sich direkt auf LinkedIn oder einem anderen sozialen Netzwerk verlinkt – und in Kontakt bleibt.

Doreen: Wenn ihr genauer wissen wollt, wie man LinkedIn dafür richtig nutzt, dann hört doch mal in unsere Podcastfolge „Personal Branding – LinkedIn erfolgreicher nutzen“ rein. Da haben wir mit Thomas Herzberger gesprochen. Der hat nämlich das Buch „Branding mit LinkedIn“ geschrieben – er muss es also wissen.

Und wenn ihr sonst noch Fragen habt, abonniert einfach unseren Podcast und folgt den FLYERALARM Social-Media-Kanälen.

Wir sagen jetzt erstmal: Tschüss und bis bald.

Marco: Bis bald.

Ganze Episode bei YouTube ►

Shownotes

Netzwerken muss sein – aber wie auf einem Event damit anfangen, wenn man eben nicht zum großen Speeker oder zur großen Speekerin geboren wurde? Claire Siegert, Unternehmerin und Co-Gründerin der internationalen Gründerinnen-Plattform Businettes, kennt die Hürden, die leise Persönlichkeiten oft vom Netzwerken abhalten. In dieser Folge spricht sie mit uns darüber, wie jeder Mensch erfolgreich netzwerken kann, ohne sich zu verbiegen.

Sie erfahren dabei:

  • warum cleveres Networking große Chance bietet,
  • wie man sich ohne peinlichen Smalltalk-Marathon sinnvoll vernetzt,
  • wie man den ersten Schritt in Richtung Sichtbarkeit fürs Unternehmen macht,
  • was Claires Plattform „Businettes“ von klassischen Business-Netzwerken unterscheidet,
  • welchen Rat Claire introvertierten Gründerinnen mit auf den Weg gibt.

Viel Spaß beim Zuhören!

Zur Webseite von Businettes: https://www.businettes.com/
Claire Siegert auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/claire-siegert/
Businettes auf Instagram: https://www.instagram.com/businettes/

Wir freuen uns über einen Kommentar zu dieser Folge auf Social Media: https://www.instagram.com/flyeralarm.official

Checkliste zum besseren Netzwerken auf Business-Events

Business-Events, Netzwerktreffen, Branchentage – für viele introvertierte Menschen klingt das eher nach Pflichtprogramm als nach Wohlfühlzone. Doch Netzwerken muss nicht laut, aufdringlich oder kräftezehrend sein. Im Gegenteil: Wer leise Töne anschlägt, hat oft das bessere Gespür für echte Verbindungen, authentische Gespräche und nachhaltige Kontakte. Diese Checkliste ist für alle, die beim Gedanken an Networking zwar innerlich seufzen, aber wissen: Allein geht’s nur bis zu einem gewissen Punkt – gemeinsam geht’s weiter.

Planung und Vorbereitung

✅ Persönliche Ziele setzen

  • Was ist mein Ziel auf dem Event? (z. B. Inspiration, Kontakte knüpfen, Kooperationspartnerinnen und -partner finden)
  • Wie viele neue Menschen möchte ich ansprechen? (z. B. 1 – 3 Kontakte reichen völlig aus)

✅ Informationen sammeln

  • Wer ist Veranstalterin oder Veranstalter? Was ist das Thema?
  • Gibt es eine Gästeliste oder Speakerinnen und Speaker, die ich vorab googeln oder auf LinkedIn finden kann?
  • Gibt es Programm-Highlights oder Pausen, in denen Networking sich besonders anbietet?

✅ Vorbereitung von Smalltalk und Elevator Pitch

  • 1 – 2 Smalltalk-Themen parat (z. B. „Was hat Sie heute zur Veranstaltung geführt?“)
  • Eine kurze Selbstvorstellung vorbereitet (Name, was du beruflich machst, evtl. aktuelles Projekt – max. 30 Sekunden)
  • Ein oder zwei Fragen vorbereitet, die du stellen kannst („Was machen Sie beruflich?“, „Wie sind Sie auf das Event aufmerksam geworden?“)

✅ Outfit und Auftreten

  • Wohlfühl-Outfit auswählen, das professionell wirkt und Selbstsicherheit gibt
  • Visitenkarten mitnehmen (oder LinkedIn-Profil per QR-Code parat haben)
  • Selbstbewusstes Mindset aufbauen: Sie haben etwas Wertvolles zu bieten – auch, wenn Sie nicht laut sind

Auf dem Event

✅ Sanfter Einstieg planen

  • Etwas früher ankommen, um sich in Ruhe umzusehen
  • Begleitperson mitbringen (falls möglich), um gemeinsam „warm zu werden“
  • Strategisch starten: z. B. am Kaffee-/Getränkestand oder an der Garderobe Kontakte knüpfen

✅ Erste Gespräche führen

  • Lächeln – auch wenn’s kurz unangenehm ist: Sympathie gewinnt oft über Ausstrahlung, nicht Lautstärke
  • Sprechen Sie zunächst Einzelpersonen oder kleine Gruppen an, keine großen Gesprächsrunden
  • Gute Einstiegssätze: „Ist das Ihr erstes Mal hier?“, „Wie fanden Sie den Vortrag gerade?“, „Was hat Sie hergeführt?“

✅ Gespräche sinnvoll führen

  • Aktiv zuhören statt viel reden – das fällt oft leichter und wird als sympathisch wahrgenommen
  • Notizen auf dem Smartphone oder in einem kleinen Notizbuch machen
  • Namen und Besonderheiten der Person merken (hilft später fürs Follow-up)

✅ Pausen effektiv nutzen

  • Suchen Sie nach anderen Einzelpersonen in den Pausen – auch sie freuen sich meist über Kontakt
  • Gezielte Gespräche führen statt „Socializing im Akkord“
  • Bei Bedarf kurze Auszeiten einplanen (z. B. mal kurz frische Luft schnappen, zur Toilette, etc.)

Follow-Up und Netzwerk pflegen

✅ Kontaktaufnahme

  • Noch am selben oder nächsten Tag über LinkedIn vernetzen – mit persönlicher Nachricht
  • z. B. „Hallo XY, war schön, Sie beim [Eventname] kurz kennenzulernen. Ich freue mich auf den weiteren Austausch!“
  • Optional: Follow-up-E-Mail mit Bezug zum Gespräch

✅ Kontakte organisieren

  • Neue Kontakte in einer Liste (digital oder analog) eintragen
  • LinkedIn-Notizen hinzufügen (Datum, Kontext, Gesprächsinhalte)
  • Besonders interessante Kontakte in regelmäßigen Abständen kontaktieren

✅ Selbstreflexion

  • Was hat gut funktioniert?
  • Wo war es herausfordernd?
  • Was möchte ich beim nächsten Mal anders machen?

Tipp: Sie fragen sich, wie Sie mit LinkedIn dauerhafte Kontakte knüpfen und Ihr Netzwerk pflegen? Im Blog gibt Tomas Herzberger, Co-Founder von Schaffensgeist.com und Autor des Buchs „Branding mit LinkedIn“ praktische Tipps, wie Sie mit Mut zur Ehrlichkeit und Authentizität auf LinkedIn punkten.

Blogartikel: Personal Branding mit LinkedIn ►

Hilfreiche Tools und Tipps fürs Netzworking

Gerade wenn Ihnen der direkte Austausch mit vielen Menschen eher schwerfällt, können die richtigen Werkzeuge und ein klarer Fokus entscheidend sein. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen vor, während und nach einem Business-Event zur Verfügung stehen, um sich auf Ihre Weise souverän zu vernetzen.

Diese Tools können Sie dabei unterstützen:

  • LinkedIn: für Recherche im Vorfeld und zur gezielten Kontaktpflege im Anschluss
  • Notiz-App oder kleines Notizbuch: zum Festhalten von Gesprächsinhalten und Namen
  • ChatGPT: zur Unterstützung bei Formulierungen, z. B. für LinkedIn-Nachrichten oder kurze E-Mails
  • Visitenkarten mit QR-Code: führen neue Kontakte mit einem Scan zu Ihrem LinkedIn-Profil
  • Digitale Visitenkarten mit NFC-Technologie: speichern Ihre Daten mit einem Scan im Smartphone-Adressbuch Ihrer Netzwerk-Kontakte ab – top aktuell und verknüpft mit sämtlichen digitalen Inhalten zu deiner Person

Darüber hinaus gilt: Networking ist kein angeborenes Talent – es ist ein Muskel, den Sie trainieren können. Sie müssen nicht mit allen sprechen. Oft genügt eine einzige Begegnung, aus der sich eine wertvolle Verbindung ergibt. Setzen Sie bewusst auf Qualität statt Quantität: Ein echtes Gespräch ist mehr wert als zehn oberflächliche Visitenkartentausche. Mit kleinen Schritten, realistischen Erwartungen und den passenden Werkzeugen wird Networking auch für zurückhaltende Persönlichkeiten zu einer bereichernden Erfahrung.

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