Schwarz für den Druck richtig anlegen

von 1. Februar 2017 Know-how 13 Kommentare
Reines Schwarz, tiefes Schwarz, kräftiges Schwarz, warmes Schwarz, kühles Schwarz – was oftmals gar nicht als Farbe bezeichnet wird, hat viele Facetten.

Schwarz ist eine der wichtigsten Farben im Druck, sowohl für Text als auch die Gestaltung von grafischen Elementen. Dabei gibt es allerdings kleine aber feine Unterschiede, denn Schwarz ist nicht gleich Schwarz. So muss zum Beispiel differenziert werden zwischen einem reinen oder tiefen und einem kühlen oder warmen Farbton. Ebenso gibt es Feinheiten in der anwendungsbezogenen Nutzung, da sich nicht jedes Schwarz für jeden Zweck eignet. Um ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen, stellen wir Ihnen im Folgenden die Besonderheiten dieser nur scheinbar simplen Farbe vor und zeigen, wie Sie Ihr perfektes Schwarz finden.

Kräftige, tiefe Schwarztöne

Der im Druck verwendete CMYK-Farbraum ist ein subtraktiver Farbraum. Das heißt, je höher der Farbauftrag, desto dunkler der Farbton. Weil ein Gemisch von Cyan, Magenta und Gelb kein wirkliches Schwarz, sondern lediglich ein Grau-Braun ergibt, wird der Schwarzkanal K hinzugezogen. Dieser alleine ergibt jedoch auch kein tiefes Schwarz, erst die korrekt eingestellte Summe aller Farbkanäle führt zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Wie dieses genau auszusehen hat, mündet in eine Diskussion, die vermutlich nie beendet werden kann. Dafür gibt es zu viele Möglichkeiten und ebenso viele unterschiedliche Geschmäcke.

Fakt ist jedoch, dass ein reines Schwarz, also C=0, M=0, Y=0, K=100, nicht genügend Tiefe, Deckkraft und Sättigung hat, um vor allem größere Elemente in einem kräftigen Schwarz erstrahlen zu lassen. Dies wird erst durch die Hinzunahme der anderen Farbkanäle möglich. In welchem Verhältnis, darüber ist sich das Internet genauso uneins wie die Fachliteratur. Daher hier einige Beispiele, mit denen Sie ein sattes Schwarz erhalten:

C=60, M=40, Y=40, K=100
C=60, M=50, Y=50, K=100
C=50, M=40, Y=20, K=100
C=40, M=20, Y=20, K=100

Bei FLYERALARM empfehlen wir ein Mischverhältnis von C=60, M=40, Y=20, K=100. Um gerade bei negativen Elementen auf Nummer sicher zu gehen und Blitzer zu vermeiden, können Sie auch auf C=60, M=0, Y=0, K=100 zurückgreifen.

Möchten Sie ein kälteres, blaueres Schwarz erhalten, erhöhen Sie den Cyan-Anteil, für ein wärmeres mischen Sie mehr Magenta und Gelb bei. Am logischsten erscheint auf den ersten Blick eigentlich ein Schwarz mit C=100, M=100, Y=100, K=100. Dies ist jedoch in der Praxis nicht umsetzbar, da dadurch zu viel Farbe auf das Papier aufgebracht würde. Das hätte nicht nur ein Durchfeuchten des Papiers zur Folge, sondern auch eine längere Trocknungszeit und damit eine verzögerte Weiterverarbeitung. Beachten Sie daher den maximalen Farbauftrag, für Druckprodukte beträgt dieser in der Regel 260-300 %.

Reines Schwarz für Text und Linien

Textblöcke und feine Linien werden in reinem Schwarz gedruckt, also lediglich K in einer Konzentration von 60-100 %. Dies hat gleich mehrere Gründe: Zum einen gilt hier ein wesentlich geringerer Farbauftrag, da die feinen Buchstaben sonst unter Umständen unscharf gedruckt werden. Zum anderen können so Produktionszeit und Kosten geringer gehalten werden. Und nicht zuletzt ist das nicht so kräftige reine Schwarz für das menschliche Auge angenehmer, vor allem bei langen Texten in Büchern oder Magazinen. Bei größeren Schriftgraden und stärkeren Linien, zum Beispiel auf großen Plakaten, Bannern oder Fahnen, sollten Sie wiederum ein Tiefschwarz benutzen, um die Lesbarkeit auch in größerer Entfernung zu gewährleisten.

Überprüfung und Anzeige im Layoutprogramm

Das generelle Problem einer adäquaten Vorschau des Druckergebnisses am Bildschirm erhöht sich bei Schwarz nochmals. Auch ein verlässlicher Softproof stößt hier an seine Grenzen, denn so marginal die Unterschiede am Monitor erscheinen, so gravierend können sie im Druck zu Tage treten. In InDesign gibt es zumindest ein wenig zusätzliche Hilfe: Stellen Sie unter Bearbeiten > Voreinstellungen > Schwarzdarstellung „Alle Schwarztöne korrekt anzeigen“ bzw. auch „Alle Schwarztöne korrekt ausgeben“ ein.

Mit Ihrem ganz persönlichen perfekten Tiefschwarz erhöhen Sie die Wirkung Ihrer Druckprodukte und Werbemittel, vor allem, wenn die Farbe zusätzlich von einer Kaschierung oder einem Lack hervorgehoben wird. So wie es zum Beispiel bei Outdoor-Aufklebern der Fall ist, die mit einem glänzenden UV-Lack überzogen sind, aber auch bei Postkarten oder Flyern mit glänzender Lack-Veredelung.

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Raphael

Über Raphael

Interessiert sich am meisten für neue Techniken und Anwendungsmöglichkeiten, also was man außer Papier noch so alles bedrucken kann. Schreibt nach dem Motto: Was gibt es Schöneres als ein witziges, geistreiches oder komplett absurdes Wortspiel? Genau, zwei.

13 Kommentare

  • Avatar Chris sagt:

    Hallo & Danke für den informativen Artikel!
    Ich zeichne Comics und Illustrationen. Meistens mit einer schwarzen Kontur.
    Wenn ich die Kontur in 100 % K anlege, habe ich einen dünnen hellen Rand zwischen Kontur und Füllung. Dabei ist es egal, ob ich die Kontur mit einem Füllwerkzeug fülle, oder die Farbe in einer separaten Ebene z.B. mit einem Lasso anlege. Woran liegt das?
    Wenn ich die Kontur in Tiefschwarz anlege, habe ich das Problem nicht. Großes ABER: bei feinen Konturen stößt der Druck an seine Grenzen.
    Grüße,
    chris

    • Marco Marco sagt:

      Hi Chris,
      welches Programm verwenden Sie denn? Sehen Sie den hellen Rand zwischen Kontur und Füllung auch am Bildschirm oder nur beim fertigen Druckerzeugnis? Für den Fall, dass Sie mit Photoshop arbeiten: Bei Figuren mit unregelmäßigen Kurven werden zwischen Kontur und Füllung von Photoshop automatisch Zwischenpixel hinzugerechnet. Das nennt sich „Anti-Aliasing-Effekt“. Dadurch wird die Kurve optisch geglättet, verliert jedoch an Schärfe. Diese Zwischenpixel könnten der dünne helle Rand sein, den Sie bei Ihren Illustrationen feststellen. Den Anti-Aliasing-Effekt können Sie schon in der Vorschau am Bildschirm sehen.
      Das Problem an der Sache ist, dass Photoshop pixelbasiert arbeitet. Für die Arbeit mit Comics und Zeichnungen bietet sich ein vektorbasiertes Layoutprogramm an, wie zum Beispiel Illustrator.

      Herzliche Grüße aus Würzburg
      Marco

  • Avatar Bettina sagt:

    Danke für den sehr interessanten Artikel. Was ich mich schon lange frage: wenn ich einen schwarzen Hintergrund habe, darauf weißen Fließtext, muss ich dann „einfaches“ Schwarz 0,0,0,100 verwenden? Oder darf ich auch Tiefschwarz verwenden? Sicherheitshalber besser 60,0,0,100 oder ist das dann egal, wie ich das Tiefschwarz zusammensetze? Danke und VG Bettina

    • Marco Marco sagt:

      Hallo Bettina,
      auch wenn Sie Schwarz als Hintergrundfarbe hinter weißen Textelementen verwenden möchten, so empfehlen wir ein Mischverhältnis von C=60, M=40, Y=20, K=100. Sie können jedoch auch bedenkenlos auf die Kombination C=60, M=0, Y=0, K=100 zurückgreifen. Das liegt ganz bei Ihnen, die Druckqualität sollte in beiden Fällen passen.

      Herzliche Grüße
      Marco

  • Avatar Roman sagt:

    OK, dass das Muster links schwarz sein soll, und rechts „C=60, M=40, Y=20, K=100“, ist Bauernfängerei. Tatsächlich ist links R=33 G=31 B=32 (habe nur RGB da Bildschirm), und rechts R=0 G=0 B=8 – also fast schwarz mit etwas Blau. Mir stellt sich da schon die Frage warum bescheissen? Ist die echte Farbsetzung denn nicht so „schwarz“ wie es beschrieben ist?
    Ich weiss dass man zu einem schönen Schwarz Farbe hinzufügt, aber der Artikel hier ist irgendwie nicht sauber. Glaube zu wissen dass man nur auf einem Kanal Farbe hinzufügt um ein schönes Schwarz zu erhalten?

    • Avatar Bettina sagt:

      Es geht im Artikel doch um das Erscheinungsbild der gedruckten Farbe – auf dem Papier. Man hat versucht, mit RGB-Farben am Bildschirm den Unterschied zwischen einem „gedruckten“ Schwarz 0,0,0,100 und einem „gedruckten“ Tiefschwarz 60,40,20,100 darzustellen. Wie du da jetzt auf „Bescheißen“ kommst, kann ich nicht nachvollziehen.

  • Avatar Martin sagt:

    Sehr interessant dieser Artikel, vielen Dank!
    „Textblöcke und feine Linien werden in reinem Schwarz gedruckt, also lediglich K in einer Konzentration von 60-100 % “
    bis zu welcher K Konzentration bleibt denn ein Text – z.B. auf einer Visitenkarte – noch gut lesbar? Wären 35%-40% auch noch okay für weniger wichtigen Text bei einer typischen Lesegröße von 9pt? Am heimischen Einsteigerlaserdrucker sieht es schon recht dünn aus. Eher wie 5% am Montitor.

    „Fakt ist jedoch, dass ein reines Schwarz, also C=0, M=0, Y=0, K=100, nicht genügend Tiefe, Deckkraft und Sättigung hat, um vor allem größere Elemente in einem kräftigen Schwarz erstrahlen zu lassen“

    was ist wenn man für größere Elemente eine Grau Abstufung benötigt. zB 50% grau. Würden sie dann lediglich mit dem K Wert arbeiten für ein neutrales Grau? Bei der empfohlenen Einstellunge von “ C=60, M=40, Y=20, K=100″ wär das Grau ziemlich blau bei einem nirdrigeren K Wert – also z.B. C=60, M=40, Y=20, K=50″ – zumindest am Monitor. Einstellungen von C=40, M=30, Y=30, K=50 oder C=40, M=30, Y=35, K=50 für ein warmes grau würden mir deutlich besser gefallen – zumindest am Monitor 😉

    • Raphael Raphael sagt:

      Hallo Martin,
      wenn Sie lediglich den K-Kanal nutzen, wie es bei Text-Elementen üblich ist, wird Ihr Schwarz – bzw. Grau – immer heller, je niedriger die Prozentzahl. Dementsprechend kommt es auf den Hintergrund an, auf den Sie diese Elemente platzieren. Auf einer weißen Fläche ist ein heller Grauton, wie er bei 35 – 40 % K entsteht, weniger gut zu lesen, auf einer dunkleren Fläche entsprechend besser. Gehen wir von einem weißen Hintergrund aus, würde ich Ihnen nie zu weniger als 60 % K bei Text raten.
      Benötigen Sie tatsächlich nur ein Grau, sollten Sie alle anderen Kanäle auf 0 stellen und lediglich mit dem K-Wert arbeiten, diesen also auf weniger als 100 % stellen. Sobald Sie weitere Farbkanäle einbeziehen, erhalten Sie automatisch entsprechende Farbnuancen in Ihrem Grau, je nachdem bläulich, rötlich oder gelblich. C, M und Y sind lediglich einzusetzen, wenn Sie ein satteres Schwarz benötigen, also eine größere Sättigung in Verbindung mit 100 K.
      Probieren Sie am Monitor verschiedene Varianten aus, ist das Ausdrucken am heimischen Drucker sicherlich eine gute Methode, um zumindest einen ungefähren Eindruck des späteren Resultats zu bekommen. Eine andere ist ein Soft-Farbproof am Monitor, wie Sie ihn beispielsweise in InDesign auf das spätere Ausgabeprofil der Druckerei einstellen können.
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen,
      herzliche Grüße aus Würzburg
      Raphael

  • Avatar Jürg Zimmermann sagt:

    Hallo Raphael,
    danke für deinen Beitrag. Ich möchte auf ein Farnblatt in tiefschwarz auf einen so schwarzen Hintergrund drucken lassen, dass das Blatt noch einigermassen erkennbar ist (Thema Neuseeland – angelehnt an die All Blacks). Mein Tiefschwarz hat C=60, M=40, Y=40, K=100. Wie empfehlt ihr den Hintergrund zu gestalten? Nur mit dem K-Anteil zurück gehen oder C, M und Y auch anpassen?

    Viele Grüsse
    Jürg

    • Raphael Raphael sagt:

      Hallo Jürg,
      mit dem K-Anteil würde ich nicht zurückgehen, vielmehr mit den anderen, vor allem Cyan. Ich denke allerdings, dass Sie mit „reinem“ Schwarz, also C=0, M=0, Y=0, K=100, recht sicher fahren dürften. Dann haben Sie ein sehr, sehr dunkles Grau als Hintergrund. Ist Ihnen der Kontrast zu Ihrem Tiefschwarz dann noch zu gering, können Sie Cyan und Magenta hinzufügen.
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.
      Herzliche Grüße aus Würzburg
      Raphael

  • Avatar Jakob Jordan sagt:

    Danke für die Info! Muss man zwar sowieso kennen, ist hier aber für Leihen sehr gut erklärt.

    Was ich hier im Blog noch nicht gefunden habe, ist das Thema Verlauf (in meinem Fall ist es ein schwarzer Verlauf mit Abstufungen von z.B. 60 40 40 98 zu 60 40 40 83) in Bezug auf das Blending-Problem (Streifen-Bildung). Habe hier (https://www.posso.de/farbverlaeufe-ohne-raster-im-digitaldruck-erstellen) zwar eine Lösung gefunden, fände es aber toll wenn Flyeralarm hierzu noch einen eigenen Eintrag posten könnte 🙂

    Lieben Gruß,
    Jakob

    • Raphael Raphael sagt:

      Hallo Jakob,
      danke für die Blumen erst mal 😉
      Und danke für die Anregung – nehmen wir gerne auf. Einfach regelmäßig reinschauen, ist dann bestimmt demnächst mal dabei.
      Herzliche Grüße aus Würzburg
      Raphael

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