Druck von der Rolle – was man über Rollenoffsetdruck wissen sollte

Im Offsetdruck unterscheidet man im Wesentlichen zwei Maschinentypen: Bogenoffset- und Rollenoffsetmaschinen. Im Bogenoffsetdruck wird ein bereits in Bogen geschnittenes Papier in den Anleger gestellt und dann Bogen für Bogen in der Maschine bedruckt. Am Ende der Maschine wird der bedruckte Bogen im Ausleger auf einer Palette abgestapelt, auch wieder Bogen für Bogen aufeinander. Danach folgen die weiteren Verarbeitungsschritte. Es wird geschnitten, gefalzt und gebunden – alles auf separaten Maschinen. Im Rollenoffsetdruck dagegen kommt das Papier von der Rolle. Es wird als Papierbahn durch die gesamte Maschine geführt und meist am Ende des Druckprozesses gefalzt und geschnitten. Nach dem Druckprozess wird die Farbe auf der Papierbahn im sogenannten „Heatsetdruck“ noch getrocknet.

Per Heißluft, damit ein trockenes Druckprodukt aus der Maschine kommt. Rollenoffsetmaschinen sind in den letzten Jahrzehnten immer größer geworden. Zu Beginn des Einsatzes dieser Technologie – ca. 1960 kamen die ersten Maschinen aus den USA nach Europa – gab es Maschinen, die 8-, 16- oder 32-Seiten bedruckten. Die genannte Seitenzahl beschreibt die Anzahl an DIN-A4-Seiten, die sich auf dem Falzbogen befinden, der aus der Maschine kommt. Seit den achtziger Jahren nimmt diese Seitenzahl ständig zu. Aktuell produzieren die größten „Jumbos“ im Rollenoffset bis zu 96 Seiten pro Umdrehung. Die Papierbahn ist dann maximal 286 cm breit. Pro Stunde spuckt so ein Riese bis zu 4,3 Millionen DIN-A4-Seiten aus. Wer hundert Visitenkarten zu drucken hat, ist also mit einer solchen Maschine schlecht bedient.

Ideal für Auflagen ab 20.000 Exemplaren

Die Stärke des Rollenoffsetdruckes liegt ganz klar in den hohen Auflagenzahlen. Moderne Maschinen mit elektronischer Farbsteuerung können ab Auflagen von ca. 20.000 bis 25.000 Stück schon wirtschaftlich sein. Die ganz großen Anlagen haben in vielen Bereich schon den Tiefdruck verdrängt, der früher das Abonnement für die Millionenauflagen hatte. Der Vorteil des Rollenoffsetdruckes liegt zum einen in der hohen Druckgeschwindigkeit von bis zu 80.000 Falzbogen pro Stunde. Zum anderen sind in einer Anlage mehrere Fertigungsschritte zusammengefasst. Die Druckmaschine druckt, schneidet und falzt den Bogen. Bei kleineren Seitenumfängen kann zudem geheftet und geklebt werden, sodass ein fertiges Druckprodukt die Maschine verlässt – in unglaublich kurzer Zeit. Für Auflagen unter 20.000 Stück wird der Rollenoffsetdruck in der Regel nicht eingesetzt. Für Auflagen von 100 bis 20.000 Exemplaren eignet sich der Bogenoffsetdruck besonders gut. Für ganz kleine Auflagen bis 100 Stück bietet sich der Digitaldruck an.

Nur für Papierstärken bis maximal 135 g pro Quadratmeter geeignet

Der Bogenoffsetdruck kann viele Papiersorten unterschiedlichster Stärken in Top-Qualität bedrucken. Das Rollenoffsetverfahren hingegen hat gerade bei den Papierstärken seine Grenzen. Während im Bogenoffset Grammaturen von 60 bis 500 g pro Quadratmeter problemlos auf einer Maschine verarbeitet werden können, ist bei den meisten Rollenoffsetmaschinen bei ca. 110 bis 135 g pro Quadratmeter schon Schluss. Dickere Papierstärken lassen sich kaum noch falzen, es kommt zu Quetschfalten und unsauberen Falzkanten. Beansprucht wird die Papierbahn zudem durch die Heatset-Trocknung. Dabei wird die Bahn mit bis zu 55 Stundenkilometern durch einen bis zu 400 Grad heißen Ofen gejagt, damit sich die Öle in der Druckfarbe verflüchtigen. Danach muss die Bahn wieder heruntergekühlt und wiederbefeuchtet werden, damit das Papier die richtige Feuchtigkeit für die nachfolgenden Verarbeitungsschritte hat. Dies kann man bei bestimmten Papieren auch an der leichten Welligkeit erkennen, die sich auch im fertigen Druckprodukt noch zeigen kann. Diese Papiertrocknung ist es auch, die dem Rollenoffsetdruck zu schaffen macht. Der Energieaufwand für die Bahntrocknung und deren Rückkühlung ist immens hoch. Zudem müssen die flüchtigen Öle aus der Druckfarbe verbrannt bzw. deren Rückstände gefiltert werden. Mit steigenden Energiekosten und strengeren Umweltauflagen wird der Aufwand für die Trocknung immer höher. Hier gibt es erste Ansätze, den Strom für die Rollenoffsetanlage per Gasturbine zu erzeugen und mit deren heißen Abluft die Papierbahn zu trocknen, um so die eingesetzte Energie möglichst effizient zu nutzen.

Perfekt für Zeitschriften, Kataloge und Werbebeilagen

Der Schwerpunkt der klassischen Rollenoffsetproduktion liegt in der Produktion von Zeitschriften, Katalogen und Werbebeilagen. Das Druckverfahren bietet sich für Produkte an, von denen zwischen 20.000 und 5.000.000 Stück benötigt werden. Ideal ist der Rollenoffset beispielsweise auch für Magazine bis zu 64 Seiten Umfang, wenn diese sofort in der Anlage fertig gefalzt und geheftet werden können. Dann ist eine Auflage von 50.000 Beilagen nach einer Stunde fix und fertig produziert. Sie kommt schon in Paketen gebündelt und verpackt aus der Maschine! Der Rollenoffsetdruck konnte sich in den letzten Jahren deutliche Marktanteile aus dem Tiefdruck holen. Zum einen sinken die Auflagen, die Maschinen sind erheblich leistungsfähiger geworden und die Kosten für Druckplatten, die sogenannte Druckform, sind deutlich günstiger als im Tiefdruck. Dennoch ist der Konkurrenzdruck sehr groß. Maschinen mit immer größeren Stundenleistungen buhlen um die passenden Aufträge in einem nur gering wachsenden Markt. So haben sich die meisten Rollenoffsetbetriebe spezialisiert. Der eine druckt hauptsächlich Werbebeilagen, die fix und fertig aus der Maschine kommen. Der andere hat sich auf die Produktion von Hochglanzmagazinen spezialisiert und sich dort auf gefragte Magazinformate eingeschossen. Mehr als im Bogenoffset kommt es im Rollenoffsetdruck darauf an, die passende Maschine zum passenden Produkt zu haben – oder das zur Maschine passende Produkt zu finden. Nur dann kann wirtschaftlich produziert werden, nur dann gelingt es, sich im Markt zu behaupten.

Sie möchten wissen, warum wir hier im Blog eigentlich über den Rollenoffsetdruck berichten? Ganz einfach. Seit Kurzem gibt es bei FLYERALARM auch Magazine und Zeitschriften, die von der Rolle kommen.

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Gastautor Ulrich Stetter

Über Gastautor Ulrich Stetter

Geschäftsführer Druckhaus Mainfranken GmbH

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