Skip to main content

Kundenbindung: Sammeln als Marketing-Instrument

Warum üben Sammelaktionen, Bonusprogramme und Co. eine so große Faszination aus? Wie können Sie diesen Effekt für Ihr Marketing nutzen? Wir haben Marco Pace von Panini Verlags GmbH gefragt.

Marco Pace, Head of Sports Collectibles bei Panini
Diesen Artikel vorlesen lassen
Getting your Trinity Audio player ready...

Podcast-Interview mit Marco Pace, Head of Sports Collectibles bei Panini

Kapitel 1: Intro

Doreen: Hallo und willkommen bei Erfolgsdruck, dem FLYERALARM Podcast. Ich bin Doreen.

Marco: Und ich bin Marco und wir sprechen heute über Sammeln, genauer gesagt darüber, wie man die Sammelleidenschaft von Menschen als Unternehmen für sich nutzen kann. Und da haben wir uns einen Vertreter von Panini eingeladen.

Das ist der Marco Pace und ich bin ein bisschen aufgeregt, weil, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich war früher ein ganz großer Stickersammler.

Doreen: Ich auch, aber im Fußballsticker-Game war ich nicht so drin. Ich habe aber alle anderen Sticker gesammelt.

Marco: Mal gucken, was der Marco Pace so zu erzählen hat.

Doreen: Hallo Marco und herzlich willkommen bei uns im Podcast.

Marco Pace: Vielen Dank für die Einladung. Hallo Doreen.

Doreen: Gerne. Wann ist denn der Erfolgsdruck bei dir im Arbeitsalltag am größten?

Marco Pace: Ja, spannende Frage zum Einstieg. Natürlich befinden wir uns in dem Jahr der Fußball-WM, für das wir logischerweise sehr ambitionierte Verkaufsziele haben, aber ich glaube, dieses klassische „Ja, wir müssen bestmöglichst verkaufen“-Ziel hat jeder. Deswegen finde ich die Antwort so ein bisschen, mir war mir ein bisschen zu einfach und deswegen habe ich mich damit noch mal ein bisschen intensiver auseinandergesetzt.

Und persönlich muss ich für mich sagen, ist mein Erfolgsdruck am höchsten, wenn ich mit externen Firmen, Leuten zu tun habe, dass da einfach alles passt, dass da irgendwie das Zusammenspiel passt, dass da kommen dann oft natürlich Dienstleister ins Spiel, Timing muss irgendwie alles passen und das ist so, wo ich persönlich dann für mich den Anspruch habe, da trete ich nicht nur im Namen der Firma auf, sondern auch so ein bisschen mit meinem eigenen Namen und möchte, dass da irgendwie alles stimmig ist. Also ja, auch für die anstehende Fußball-WM machen wir ja auch mit euch FLYERALARM gemeinsam eine Aktion und da freue ich mich drauf und da hoffe ich dann, dass alles rundläuft.

Kapitel 2: Kindheitserinnerungen und emotionale Bindung beim Sammeln

Marco: Wir haben schon ein bisschen Vorgespräch geführt, Doreen und ich, und das Thema heute ist ja einfach so grundsätzlich die Sammelleidenschaft von Menschen. Und wir sind da ganz tief in unsere Kindheit eingetaucht und haben schon festgestellt, wir haben beide unterschiedliche Dinge gesammelt. Bei Stickern hatten wir so eine gemeinsame Schnittmenge. Doreen, weil er ist so in der Diddl-Blätter-Fraktion und ich das natürlich super klischeehaft als junger Bub habe Fußballsticker gesammelt. Kannst du mir erklären, warum ich heute noch ganz genau weiß – also ich habe das wirklich, ich habe selbst die Emotionen, die kommen jetzt wieder hoch – ich weiß noch beim Panini-Stickeralbum der WM 2002: Ich hatte drei Carsten Janckers und keinen Hernán Crespo. Wieso brennt sich das bei mir so ein?

Marco Pace: Gute Frage. Ich möchte tatsächlich ganz kurz auf Doreen zurückkommen, die Diddl-Blätter gesammelt hat, was ich extrem lustig finde. Und das ist auch etwas, was wir vor ein paar Wochen diskutiert hatten mit: Was hat man denn in der Kindheit genau gesammelt? Und meine Freundin hat dann eben auch erzählt, dass es eben diese Titelblöcke gab und ich kenne es auch, ich persönlich habe es nicht gesammelt. Ich glaube, es gab so ein bisschen diese zwei Fraktionen. Einmal Diddl-Blätter sammeln, die man auch ganz fancy in dem Ordner hatte, und dann kam es immer darauf an, wer einen eigenen Block hatte. Und viele kennen das heutzutage gar nicht mehr. Ich glaube, womit man auch schon weiß, wir befinden uns in der gleichen, wir stammen aus der gleichen Generation.

Doreen: Ja.

Marco Pace: Faszinierend. Aber ich möchte deiner Frage auch nicht ausweichen. Marco, Hernán Crespo und Carsten Jancker. Ja, warum ist das so? Zunächst einmal kann ich dir wirklich versichern, dass sowohl Hernán Crespo als auch Carsten Jancker, dass beide Sticker gleich oft gedruckt wurden.

Marco: Glaube ich, glaube ich. Mein Freund Markus hatte den Hernán Crespo, Johannes auch, ich aber nicht und die wollten nicht tauschen. Aber gut, ich will keine Kindheit jetzt hier wieder aufwärmen.

Marco Pace: Nee, es ist, du hast auch richtig schon gesagt, Emotionen, du speicherst Emotionen ab und Hernán Crespo, wenn ich es richtig in Erinnerung habe – und wir sind jetzt, glaube ich, wirklich sogar in D-Mark-Zeiten – Hernán Crespo ist damals von, ich hoffe, ich verwechsle es jetzt nicht, Parma zu Inter Mailand gewechselt für 110 Millionen D-Mark und war damit kurzzeitig der teuerste Spieler der Welt. Wurde dann ein paar Tage, Wochen später von Luis Figo abgelöst, der für 116 Millionen D-Mark gewechselt ist. Ich sehe schon, du bist ein Mann von Kultur. Ich hoffe, die Zahlen stimmen jetzt. Ich packe das gerade irgendwie so ein bisschen aus dem Gedächtnis aus und möchte da jetzt eigentlich sagen: Ja, Crespo hatte dann sozusagen den Superstar-Faktor und damit möchte ich nicht Carsten Jancker diskreditieren, aber da ist es dann tatsächlich so, dass du einen Superstar, wenn du doppelt hast, dann packst du dir den oder klebst dir den vielleicht auch tatsächlich mal ins eigene Hausaufgabenheft. Vielleicht hast du das auch gemacht, Marco. Waren in deinem Hausaufgabenheft Fußballsticker?

Marco: Ja, klar. Ich habe die überall hingeklebt, auch an meine Schrankwand, weiß ich noch, aber halt immer nur die doppelten.

Marco Pace: Ja, genau. Und dadurch ist der Hernán Crespo dann sozusagen ein bisschen weniger auf dem Markt. Du bekommst den dann eben nicht so einfach, wie du beispielsweise einen Carsten Jancker bekommst. Du spielst jetzt wahrscheinlich eher darauf ab, dass du ihn nicht selbst aus einem Päckchen gezogen hast und das ist halt Pech, so hart das jetzt klingt. Ist halt einfach so.

Ja, aber es ist ein paar Monate her, da bin ich meine alten Trading Cards selber durchgegangen und da sind wir auch wieder bei diesem Thema Emotionen. Dir hat dieser Hernán Crespo Spuren hinterlassen und ich weiß heute noch, und ich habe die Karte dann rausgesucht vor ein paar Monaten, dass ich in meinem allerersten Flowpack, das ich gekauft habe, das war 1994/1995, das war die Saison, da hatte ich einen Spieler doppelt und doppelt in dem Päckchen drin und die eine Karte war aber eine Parallel Card. Das war ein besonderes Subset und ich weiß heute noch, dass ich dann mit meiner Mama einen Tag später zu dem Kioskbetreiber ging und sie bei dem Kioskbetreiber nachgefragt hat, warum denn da die Karte zweimal drin ist und ja, die Karte, die liegt heute noch bei mir und das sind Emotionen, die speicherst du einfach ab. Ich weiß noch, der Spieler heißt Rick Tocchet, ich habe die Karte hier, ich habe eins zu eins gewusst, wie diese Karte aussieht.

Marco: Okay.

Marco Pace: Und das sind ja Emotionen, Emotionen, die du abspeicherst und das ist eigentlich auch das Schöne an dem Ganzen, oder?

Kapitel 3: Psychologie des Sammelns: Belohnungssystem und Motivation

Doreen: Das ist also der eigentliche Grund, warum Menschen gerne sammeln, die Emotionen oder gibt es noch mehr Gründe, warum wir da so einen Spaß dran haben?

Marco Pace: Boah, ich glaube ja einmal das, was wir gerade schon gesagt haben, dass Emotionen mit Erinnerungen verbunden werden. Und warum sammeln Menschen, ist glaube ich nicht so ganz einfach zu beantworten. Ich glaube, im ersten Moment ist es etwas, das das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, wenn du etwas sammelst. Und ganz grundsätzlich sind aber die Motivationen unterschiedlich.

Ich erinnere mich auch an ein Posting, das viral gegangen ist vor circa einem halben Jahr, vielleicht könnt ihr euch da auch dran erinnern, da ist jemandem eine Sammlung von Salz- und Pfefferstreuersets vererbt worden und dann war da wirklich ein riesengroßer Tisch mit ich weiß nicht wie vielen Salz- und Pfefferstreuern drauf. Habt ihr das zufällig gesehen?

Doreen: Sagt mir jetzt nichts.

Marco: Nee, aber ich kenne Menschen, die das auch sammeln.

Marco Pace: Ja, und das Posting ist tatsächlich viral gegangen, auch wenn ihr beiden das jetzt nicht gesehen habt. Und es ist einfach eine gewisse Faszination da, Sachen zu sammeln. Und ja, wenn du eine Sammlung am Vervollständigen bist, ist es ja auch immer wie so ein kleiner Erfolg. Also du hast im Beispiel jetzt von dem Stickeralbum deine Seite und die füllt sich, die füllt sich, es fühlt sich gut für dich an, richtig?

Doreen: Ja.

Marco: Und solange sie sich nicht gefüllt hat, hat man so ein Unvollkommenheitsgefühl. Da fehlt noch ein Stückchen. Wie ein Puzzle, bei dem am Ende irgendwie zwei Stücke einfach fehlen und das möchte man irgendwie ausgleichen.

Marco, jetzt mal so wirklich Butter bei die Fische: Was ist denn für Panini eigentlich wichtiger – dass Menschen eure Sticker und Karten sammeln oder tauschen? Also ist es wichtiger, dass ihr so einzelne Stickerpäckchen verkauft oder ist so der Aufbau der Community der wichtigere Aspekt für euch?

Marco Pace: Also ich glaube, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass beides gleich wichtig ist. Ich meine, am Ende vom Tag, beim Sammeln klingelt die Kasse, um es mal ganz krass zu sagen. Aber das Tauschen ist natürlich Teil der Kultur und das ist natürlich extrem wichtig.

Und wenn man sich an seine Kindheit erinnert, ist es, glaube ich, auch unglaublich spannend. Das war so das erste Mal, dass du auf dem Schulhof selber aktiv warst, selber mit Angebot und Nachfrage zu tun hattest und eventuell hattest du noch einen Glitzersticker, für den konntest du zwei Base-Sticker eintauschen. Deswegen ist es, glaube ich, im Sinne von Kultur und Persönlichkeitsentwicklung ein extrem spannendes Topic, Sammeln an sich.

Doreen: Ja, stimmt.

Marco: Ja, ich kann mich genau erinnern, dass ich die komplette Abwehrreihe der deutschen Nationalmannschaft mal gegen ein Gameboy-Spiel getauscht habe. Das war ein guter Deal für mich.

Marco Pace: Du hast dann sogar andere Währungen da gleich noch. Okay, das ist nicht schlecht. Also Cross-Trading, Respekt, Respekt, Marco.

Kapitel 4: Kann die Sammelleidenschaft auch kippen?

Doreen: Okay. Gibt es aus deiner Sicht einen Punkt, an dem das Sammeln auch kippen kann? Also vom Spaß daran zur Frustration?

Marco Pace: Definitiv kippt die Sammelfreude am Ende beispielsweise einer Stickerkollektion, wenn dann der Frust einfach doch ein bisschen höher wird, dass du mehr doppelte hast und die Sticker, die dir fehlen, dann nicht mehr so einfach zu finden sind. Das ist dann definitiv etwas frustrierender. Da muss man sagen, dass es aber mittlerweile im heutigen Zeitalter relativ einfach ist zu tauschen und dass einem das Leben doch sehr einfach gemacht wird. Ich erinnere da auch wieder noch mal so ein bisschen zurück an unsere Kindheit. Damals gab es dann Zeitungsannoncen mit: „Hey, ich suche noch und biete folgendes.“ Und dann musstest du Kontakt aufnehmen, hast da Briefreundschaften sozusagen geknüpft.

Mittlerweile gibt es ja Online-Foren und Online-Communities und da wird das Tauschen ja extrem erleichtert. Und das ist natürlich etwas, wo es, glaube ich, mittlerweile nicht mehr so sehr kippt, wie es dann vielleicht früher der Fall war.

Marco: Gibt es eigentlich auch Menschen, die jetzt vielleicht nur ein einziges Sticker- oder Kartenpäckchen kaufen, die quasi immun sind gegen die Sammelleidenschaft?

Marco Pace: Immun? Nein, es gibt natürlich Leute, die nur ein einziges Päckchen kaufen, aber das sind tatsächlich sehr, sehr, sehr wenige. Also es ist auch nicht so, dass der Großteil das Album am Ende komplett gefüllt hat.

Aber wirklich ein einzelnes Päckchen, das kaufen würde ich sagen, nur die sehr wenigsten. Denn wenn du dann einmal ein bisschen angesteckt bist von diesem Überraschungseffekt – was ist im nächsten drin –, dann entsteht auch einfach diese Sammeldynamik.

Kapitel 5: Sammeln als Marketingstrategie für Unternehmen jeder Größe

Doreen: Also wenn sich jetzt niemand gegen das Sammeln wehren kann oder so gut wie niemand, wenn es jetzt nicht völlig abwegig ist für die Einzelperson, dann müsste sich doch eigentlich diese Sammelleidenschaft der Menschen auch von anderen Unternehmen nutzen lassen, oder?

Marco Pace: Ist aber, glaube ich, schon tatsächlich sehr extrem der Fall. Jetzt ist natürlich die Frage: Wo fängt Sammeln an? Reden wir über Sticker sammeln, reden wir über Dinge oder reden wir eben auch beim Einkaufen im Supermarkt über Punkte? Und da kommen natürlich Kundendaten ins Spiel und dann wird es natürlich für viele Unternehmen spannend.

Deswegen ja, Supermärkte nutzen das Ganze, glaube ich, seit Jahren erfolgreich und ansonsten können, glaube ich, nahezu alle Firmen profitieren, die in irgendeiner Form ein eigenes Produkt herstellen. Also es gibt Leute da draußen, die sammeln Sneaker und wenn ich mich gerade einmal im Kreis drehe, da steht ein Monitor. Wenn es diesen Monitor tausendmal in Gold gibt, in einer anderen Version, in einer limitierten Edition, dann bin ich mir relativ sicher, dass der auch schnell ausverkauft ist. Also ich glaube, viele Firmen können davon profitieren, die ein eigenes Produkt herstellen.

Doreen: Ja, es funktioniert also im Kleinen, aber auch im Großen. Ich denke jetzt auch gerade beim Kleinen dran. Es ist doch eigentlich auch der gleiche Effekt, wenn ich eine Kundenkarte habe und für jeden zehnten Döner kriege ich einen gratis. Da habe ich ja dann auch Bock, diese Karte voll zu machen. Nicht nur, weil ich den Gratisdöner will, sondern einfach, weil ich diesen inneren Trieb habe. Richtig?

Marco Pace: Absolut. Absolut. Und gerade dieser Gratisdöner ist ein ganz interessanter Punkt. Es gab tatsächlich mal einen Artikel, der hat sich damit auseinandergesetzt: Was ist für Menschen schlimmer – wenn sie ihre Dönerkarte verlieren und da zehn Stempel drauf sind und sie schon den Gratisdöner bekommen würden beim nächsten Besuch? Oder wenn auf dieser Dönerstempelkarte sieben Stempel drauf sind und du musst dir noch drei holen, um den Gratisdöner zu bekommen? Und es war für die Menschen tatsächlich schlimmer, wenn sieben Stempel drauf waren, als wenn zehn Stempel drauf waren. Finde ich eine unglaublich spannende Recherche.

Also sammeln ist, glaube ich, in irgendeiner Form überall präsent. Was, glaube ich, das Erfolgskonzept ist – um deine Frage auch noch zu beantworten, Doreen: Die Mechanik muss halt einfach sein. Die Mechanik muss verständlich sein. Es darf nicht zu kompliziert sein. Beim Döner ist es, glaube ich, relativ einfach und du weißt ja auch, im Supermarkt ist es jetzt nicht so sonderlich kompliziert. Du hast Punkte, kriegst dann da deine Gutscheine, Coupons in irgendeiner Form. Das ist ja, ich glaube, vereinfacht ist das so ein bisschen das Erfolgsrezept.

Und was unsere Stickeralben angeht, da ist es dann so ein bisschen wahrscheinlich schon eine andere Motivation: die Sammeldynamik, deine Community, dein Umfeld – habe ich als Erster das Team fertig und so weiter und so fort. Da spielen dann noch ein paar andere Punkte eine Rolle.

Marco Pace: Immun? Nein, es gibt natürlich Leute, die nur ein einziges Päckchen kaufen, aber das sind tatsächlich sehr, sehr, sehr wenige. Also es ist auch nicht so, dass der Großteil das Album am Ende komplett gefüllt hat.

Aber wirklich ein einzelnes Päckchen, das kaufen würde ich sagen, nur die sehr wenigsten. Denn wenn du dann einmal ein bisschen angesteckt bist von diesem Überraschungseffekt – was ist im nächsten drin –, dann entsteht auch einfach diese Sammeldynamik.

Kapitel 6: Sammelaktionen vs. klassische Werbung

Marco: Glaubst du, eine Marketingaktion, wie du es jetzt gerade schon beschrieben hast, funktioniert langfristiger als eine klassische Werbung? Wenn man das jetzt mal vergleicht mit: Es gibt jetzt eine Bäckerei, die hat drei Filialen und die macht eben so eine Treuepunkteaktion. Ist das effektiver, als würde sie jetzt einfach in irgendeinem Lokalblättchen zwei, drei Anzeigen schalten?

Marco Pace: Finde ich eine schwierige Frage, weil: Was genau ist klassische Werbung? Du hast gerade schon ganz gut definiert. Ich glaube ja, weil du beim Sammeln dann doch immer noch so ein bisschen den Effekt hast, dass man darüber redet und dass darüber gesprochen wird und eine klassische Werbung ist in Anführungszeichen dann doch so ein bisschen langweiliger.

Deswegen, das andere ist immer – wir sind auch wieder bei dem Thema Emotion, das wir schon zu Beginn hatten. Sammeln ist Emotion, ist Erinnerung und ist Fortschritt auch natürlich wichtig. Und deswegen ja, klassische Werbung ist jetzt irgendein Trikotsponsor, der 94/95 auf irgendeiner Brust von einem Fußballverein drauf war und die Karten gibt es heute noch. Du hast die Karten gesammelt und da hat der Sponsor heute noch im Endeffekt eine Werbeplattform.

Marco: Ja, also viele Mittelständler, um jetzt mal bei dieser Bäckerei zu bleiben, die haben ja eine viel kleinere Zielgruppe als Panini. Funktioniert Sammeln auch so bei nischigen Themen, die dann ja auch kleine Zielgruppen haben oder braucht es immer eine große Masse, dass so eine Sammelleidenschaft entsteht bei den Menschen?

Marco Pace: Nee, also meiner Meinung nach braucht es nie eine große Masse. Es kommt einfach nur auf die Persönlichkeiten an, auf die Community. Sammeln kann jeder. Bei der Bäckerei tue ich mich jetzt gerade ein bisschen schwer, aber klar, du sammelst dann Stempel. Ganz grundsätzlich kommt es einfach nur darauf an: Wie tickt deine Community? Und es kann auch einfach eine kleine Musikband geben, die fünf T-Shirts haben. Und wenn du Fans hast, die die feiern, die jeden Tag die Musik hören, dann holst du dir da alle fünf T-Shirts und möchtest die zu Hause haben. Deswegen: Es muss kein Massenmarktprodukt sein.

Marco: Ja, stimmt. Oder so Sonntagsaktionen, wenn jetzt irgendwie ein Club fünf spezielle Feiern im Jahr macht, dazu werden dann Sonder-T-Shirts gedruckt, die kann man dort für einen schmalen Euro kaufen und dann wollen die Leute wahrscheinlich auch, wenn sie drei T-Shirts schon haben, die anderen beiden auch noch haben.

Kapitel 7: Limited Edition und künstliche Verknappung

Marco Pace: Der schmale Euro ist jetzt so ein bisschen das Fragezeichen, weil in dem Moment, wo es eine limitierte Edition ist, kannst du ja eigentlich den Preis schon wieder ein bisschen höher ansetzen. Aber auch hier ist im Endeffekt so ein bisschen die Parallele da zu meinem goldenen Monitor von vorher. Du hast ein Produkt, du hast es in limitierter Auflage, dann ist ganz einfach: Übersteigt die Nachfrage das Angebot und sobald das gegeben ist, entsteht dann natürlich schon so ein bisschen der Drive für die Community, dass sie das Produkt haben wollen.

Marco: Ja.

Marco Pace: Also es kann schon die Möglichkeit geben, so mit künstlicher Verknappung quasi aus einem eigentlich relativ gewöhnlichen, alltäglichen Gegenstand etwas Begehrenswertes zu machen. Sneaker zum Beispiel.

Marco: Also ich persönlich kaufe mir Schuhe, dann sind sie durchgelaufen, kaufe mir wieder ein paar Schuhe.

Marco Pace: Ja, definitiv. Wenn man sich das anguckt: Es gibt auch wirklich Sneaker-Sammler, nur im Gegensatz zu dir, Marco, ziehen die die nicht an, sondern haben die im Karton und lagern die irgendwo. Und ich glaube, das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie getragen werden. Und auch da ist halt wieder die Frage: Sammelt einer für sich? Was ist denn die Motivation von demjenigen? Möchte der einfach eine große Vielfalt zu Hause haben und freut sich daran oder zielt er eventuell auf einen höheren Sekundärmarktpreis ab zu einem späteren Zeitpunkt und sieht das Sammeln sogar als Investition? Da gibt es unterschiedliche Motivationen bei Sammlern.

Marco: Stimmt, ja. Oder Fußbälle. Ich habe eine Zeit lang gedacht, ich könnte WM-Fußbälle sammeln, aber meine Sammlung bestand aus zwei. Also hast du es nicht fortgesetzt.

Marco Pace: Ja, warum nicht? Also ich glaube, ich darf es jetzt nicht sagen, aber ich habe auch unglaublich viele Bälle zu Hause und habe da bis heute noch eine Faszination dafür. Deswegen, ich fühle es.

Kapitel 8: Sammeln im digitalen Zeitalter und letzte Tipps

Doreen: Wir haben ja jetzt schon gesagt, dass das Sammeln nicht immer mit einem physischen Gegenstand oder Produkt zu tun haben muss, sondern auch digital oder mit Stempeln funktioniert. Zum digitalen Bereich möchte ich noch mal kommen. Hat sich diese Sammelleidenschaft auch für euch gerade bei Panini in den letzten Jahren verändert aufgrund der Digitalisierung?

Marco Pace: Ja, also definitiv schon. Ich meine, das Sammeln in digitaler Form wird mehr. Man hat im Endeffekt ein gewisses Geld zur Verfügung im Monat, das man für beispielsweise Sammelprodukte ausgibt und da sind natürlich Leute schon mittlerweile vermehrt auch am Sammeln digitaler Sachen, sei es in Videospielen, wo man Skins sammeln kann. Das gab es natürlich früher nicht so, das muss man ganz klar sagen. Ich meine, wenn wir über digitales Sammeln reden, dann ist auch wieder die Frage: Wo fangen wir da an?

Erinnert mich da ein bisschen an meine Kindheit. Da hat man Need for Speed gespielt und da hattest du auch eine schöne Autosammlung in deiner Garage beispielsweise mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen. Nur da hattest du einmal das Spiel gekauft und da war es kostenlos. Mittlerweile, wenn du guckst bei Spielen wie GTA und so weiter, was du dir da – also wie viel Leute da Geld ausgeben für Skins. Auch hier sind wir wieder bei dem Thema Verknappung. Für eine einzigartige Weste, die es dann einfach nur zehn Spielern in dem Spiel tragen können, dann ist das digitale Sammeln natürlich mittlerweile ein großes Thema und ja, das spüren wir schon auch.

Marco: Hast du vielleicht abschließend noch so ein paar Tipps für Unternehmen, die sich jetzt überlegen: Wir möchten auch so eine Sammelaktion starten, wissen jetzt noch nicht so ganz genau, in welche Richtung das Ganze gehen soll?

Marco Pace: Ich glaube, das hatten wir schon ganz gut besprochen. Also ich bin der Meinung, dass Produktvariationen dazu beitragen können, dass die Leute Interesse dafür entwickeln. Grundsätzlich ist es aber, glaube ich, schon jedes Unternehmen irgendwie ein Einzelfall. Also es ist unglaublich schwer, eine pauschale Antwort hier zu treffen, denn es kommt immer darauf an: Was stellst du her, was machst du genau?

In meinem letzten Job habe ich in einer Kopfhörerfirma gearbeitet, da habe ich logischerweise auch jeden einzelnen Kopfhörer einmal zu Hause, den ich betreut hatte. Also dieses Sammeln hast du, glaube ich, auch einfach so ganz grundsätzlich entweder ein bisschen in den Genen oder nicht. Und diese Community oder diese Käuferschaften, die findest du bei jeder Marke, die dafür affin sind. Haben wir jetzt auch in unserem Talk ja schon gemerkt. Doreen, die Diddl-Blätter gesammelt hat, Marco, der auch fleißig Fußballsticker gesammelt hat. Irgendwie hat es jeder so ein bisschen im Blut.

Doreen: Dann vielen Dank für deine Einblicke und für das spannende Gespräch.

Marco Pace: Ich sage danke für die Einladung und war mir eine Freude.

Marco: Super, bis bald.

Doreen: Tschüss!

Kapitel 9: Outro

Marco: Ach, Doreen, ein herrlicher Ausflug in meine Kindheit war das. Wie sieht es bei dir aus? Hast du dir jetzt schon imaginär das Fußballsticker-Sammelalbum bestellt?

Doreen: Das Fußballsticker-Sammelalbum nicht, aber ich habe dafür ganz viel über Sammeln an sich gelernt. Ich habe gelernt, Sammeln ist pure Emotion, vor allen Dingen, wenn man euch beiden zugehört hat. Und dadurch, dass es pure Emotion ist, bleibt es auch in Erinnerung. Sammeln ist auch ein Teil der Charakterbildung, wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, als wir das erste Mal mit unserem Stickeralbum mit Angebot und Nachfrage in Berührung gekommen sind. Und Sammeln triggert das Belohnungssystem und funktioniert deswegen oft besser als klassische Werbung. Denn ein gutes Angebot kann ich eben annehmen oder nicht, aber wenn ich einmal eine Sammelaktion angefangen habe, dann führe ich die als Kundin oder Kunde auch fort.

Marco: Sehr gut. Und was ihr sammeln könnt, sind unsere Folgen in eurem Feed. Abonniert dafür einfach diesen Podcast und außerdem solltet ihr FLYERALARM folgen, zum Beispiel auf den Social-Media-Kanälen wie Instagram, Facebook und so weiter.

Wir sagen jetzt erst mal vielen Dank fürs Zuhören und ciao.

Doreen: Tschüss.

Shownotes

Sammeln ist mehr als ein Hobby – es ist ein tief verankerter menschlicher Instinkt. In dieser Folge geht es darum, warum Menschen seit jeher sammeln und wie Unternehmen genau diesen Sammeltrieb gezielt für ihre Marketingstrategien nutzen können. Gemeinsam mit Marco Pace von Panini sprechen wir über Sammelbilder, Treueaktionen und den psychologischen Effekt dahinter. Wir lernen, warum Sammelaktionen oft deutlich wirkungsvoller sind als klassische Werbung, weshalb es nicht auf die Größe deiner Zielgruppe ankommt – sondern darauf, sie richtig anzusprechen – und wie aus alltäglichen Produkten begehrte Sammelobjekte werden. Und ganz nebenbei wird auch ein Kindheits-Trauma unseres Hosts Marco aufgearbeitet: das eine fehlende Stickerbild aus dem WM-Sammelalbum aus 2002 …

In dieser Podcast-Episode zu hören:

  • warum Sammeln tief in der menschlichen Psychologie verankert ist
  • weshalb Sammel- und Treueaktionen oft besser funktionieren als klassische Werbung
  • wie Mundpropaganda durch Sammelmechaniken ganz automatisch entsteht
  • warum eine spitze Zielgruppenansprache wichtiger ist als Reichweite
  • wie künstliche Verknappung Produkte emotional auflädt (z. B. bei Sneakern)
  • wie Unternehmen Sammelmechaniken konkret für ihr Marketing nutzen können

Viel Spaß!

Panini Webseite: https://www.panini.de/
Panini auf Instagram: https://www.instagram.com/panini_de/
Panini auf Facebook: https://www.facebook.com/paninideutschland

Hinterlass uns gerne einen Kommentar zu dieser Folge auf Social Media: https://www.instagram.com/flyeralarm.official

Weitere Podcast-Episoden ►

Was steckt hinter der menschlichen Sammelleidenschaft?

Die Sammelleidenschaft von Menschen hat tiefe psychologische Wurzeln: Sie verbindet das Bedürfnis nach Ordnung, Kontrolle und Identität mit emotionaler Belohnung. Beim Sammeln entsteht ein Gefühl von Fortschritt und Vollständigkeit, das im Gehirn durch kleine „Belohnungsschübe“ verstärkt wird – ähnlich wie bei Spielen oder kleinen Challenges, werden durch das schrittweise Vervollständigen einer Sammlung immer wieder kleine Mengen an Glückshormonen ausgeschüttet. Gleichzeitig geben Sammlungen Orientierung und Bedeutung, weil sie Interessen, Erinnerungen oder Zugehörigkeit widerspiegeln („Das bin ich“). Auch soziale Aspekte spielen eine Rolle: Wer sammelt, kann sich mit anderen austauschen oder vergleichen.

Im Hinblick auf cleveres Marketing ist diese Mischung aus Emotion, Motivation und Gewohnheitsbildung ein großer Hebel. Denn Sammelmechaniken schaffen Anreize zur Wiederkehr, steigern die Interaktion und fördern eine langfristige Bindung zur Marke. Stichwort: Kundenbindung! Setzen Sie mit Ihrem Unternehmen also genau an diesem Hebel an, zum Beispiel durch eigene …

Warum Bonusprogramme zur Kundenbindung funktionieren

Bonusprogramme (auch Loyalty-Programme oder Treueprogramme genannt) sind strukturierte Belohnungssysteme für gewünschtes Verhalten. Meist geht es hierbei um Käufe. Belohnt werden können aber auch Registrierungen, Empfehlungen, App-Nutzung, Bewertungen oder die Teilnahme an Aktionen.

Der Clou: Ein Bonusprogramm kann gleich mehrere Aufgaben übernehmen. Es setzt Anreize für den Wiederkauf, steigert die Interaktion mit der Marke, liefert wichtige Kundendaten und stärkt die Kundenloyalität. Das ist vor allem deshalb spannend, weil Bestandskundinnen und Bestandskunden oft deutlich wertvoller sind als neue Kontakte. Warum?

Mehr Kundenloyalität, mehr Wiederkäufe

Ein gutes Treueprogramm schafft einen konkreten Anlass zum Wiederkommen. Wer bei jedem Kauf Punkte sammelt oder kurz vor der nächsten Prämienstufe steht, entscheidet sich eher erneut für denselben Anbieter. So entstehen mit der Zeit echte Routinen.

Besonders stark ist dieser Effekt, wenn das Programm sauber entlang der Customer Journey funktioniert. Online-Shop, App, stationärer Handel und Kundenservice sollten dieselben Vorteile zeigen. Diese Konsistenz macht den Unterschied.

Stärkere Kundenbeziehung

Bonusprogramme wirken nicht nur über Geld. Sie vermitteln auch Anerkennung. Kundinnen und Kunden merken: Das Verhalten wird gesehen und belohnt. Genau dieses Gefühl kann eine Beziehung deutlich vertiefen.

Noch stärker wird das Ganze mit Personalisierung. Relevante Angebote, passende Belohnungen und exklusive Vorteile wirken meist deutlich besser als ein generisches Standardmodell.

Höherer Customer Lifetime Value

Für Unternehmen ist das einer der wichtigsten Punkte. Wenn Kundinnen und Kunden häufiger kaufen, länger aktiv bleiben, mehr Produkte nutzen und seltener abspringen, steigt der Customer Lifetime Value.

Bonusprogramme können genau dabei helfen. Sie fördern Retention, Cross-Selling, Up-Selling und Engagement. Aus einem einfachen Belohnungssystem wird so ein Werkzeug für nachhaltiges Beziehungsmarketing.

So etablieren Sie Treueprogramme in der Praxis

Im Kern ist die Logik immer gleich. Für ein gewünschtes Verhalten gibt es einen Gegenwert. Fertig. Der Unterschied liegt in der Ausgestaltung. Das bekannteste Modell: Treuepunkte.

Kundinnen und Kunden sammeln Punkte bei jedem Kauf und tauschen diese später gegen Vorteile ein. Diese Vorteile können finanziell sein, etwa als Rabatt oder Cashback. Oder nicht-finanziell, etwa als exklusive Prämie, früher Zugang zu Angeboten oder bevorzugter Service. Wichtig ist vor allem Transparenz. Auf einen Blick sollte klar sein:

  • wofür Punkte vergeben werden
  • wie viele Punkte bereits gesammelt wurden
  • was sich dafür einlösen lässt
  • wann und wie eine Einlösung funktioniert
Kundin übergibt eine Kundenkarte an der Kasse

Kurzum: Je klarer die Mechanik, desto höher meist die Nutzung. Bedenken Sie aber auch, dass nicht jedes Punktesystem Verhalten ändert. Entscheidend ist, ob das Angebot für die Zielgruppe relevant genug ist. Beachten Sie dafür ein paar einfache Grundsätze:

  • Schaffen Sie relevante Anreize.
    Bonuspunkte wirken nur dann, wenn dahinter ein glaubwürdiger Nutzen steckt. Belohnungen müssen attraktiv und erreichbar sein. Zu kleine Vorteile verpuffen. Zu großzügige Belohnungen können wirtschaftlich problematisch werden. Ein starkes System findet die Balance zwischen Kundennutzen und betrieblicher Logik.
  • Implementieren Sie einfache Regeln.
    Komplexität ist ein echter Stimmungskiller. Wenn Sammellogik, Einlösebedingungen oder Teilnahmevoraussetzungen zu kompliziert werden, sinkt das Engagement schnell. Kundinnen und Kunden sollten nicht rechnen müssen, um den Vorteil zu verstehen. Je klarer das Modell, desto besser.
  • Sorgen Sie für Personalisierung.
    Wer alle gleich anspricht, verschenkt Potenzial. Ein modernes CRM-System hilft dabei, Zielgruppen zu segmentieren und Kommunikation, Belohnungen oder Trigger passend auszuspielen. So wird aus einem Standard-Bonusprogramm ein datenbasiertes Instrument mit deutlich mehr Wirkung.
  • Integrieren Sie Ihr Programm in Ihr CRM und die Customer Journey
    Ein Loyalty-Programm entfaltet Stärke erst dann richtig, wenn es in bestehende Systeme und Prozesse eingebettet ist. CRM, Marketing Automation, E-Commerce, App, Kundenkonto und Service sollten zusammenspielen. So werden Punkte, Vorteile und Kommunikation an den relevanten Touchpoints sichtbar.

Digital, analog oder beides?

Früher waren die Kundenkarte oder die klassische Stempelkarte Standard. Heute laufen viele Bonusprogramme digital über Apps, Kundenkonten, CRM-Systeme oder E-Commerce-Plattformen.

Das bringt klare Vorteile: Prozesse werden einfacher, Nutzungsverhalten lässt sich besser messen und Personalisierung wird deutlich leichter. Richtig stark wird ein Programm dann, wenn es kanalübergreifend funktioniert. Also online, mobil, im Laden und im Service. Kundinnen und Kunden erwarten genau das inzwischen ganz selbstverständlich.

Welche Arten von Kundenbindungsprogrammen gibt es?

Nicht jedes Modell passt zu jeder Branche oder Zielgruppe. Die Wahl sollte sich am Geschäftsmodell, an der Customer Journey und am Kundenwert orientieren. In der Praxis haben sich mehrere Varianten bewährt.

  • Punktesysteme: Für jeden Kauf gibt es Punkte, die später eingelöst werden. Besonders geeignet für Unternehmen mit regelmäßigen Kaufzyklen.
  • Statusprogramme: Hier arbeiten Programme mit Stufen. Wer mehr kauft oder häufiger interagiert, steigt auf und erhält exklusive Vorteile. Diese Modelle spielen stark mit Fortschritt, Anerkennung und Exklusivität.
  • Cashback- und Prämienmodelle: Beim klassischen Cashback fließt ein Teil des Umsatzes als Guthaben an Ihre Zielgruppe zurück. Das spricht vor allem preisorientierte Kundinnen und Kunden an. Prämienmodelle können emotionaler sein, weil sie mit konkreten Rewards arbeiten.
  • Mitgliedschafts- und Clubmodelle: Diese Programme setzen stärker auf Zugehörigkeit, Service und Premium-Vorteile. Sinnvoll sind sie vor allem dann, wenn Sie mit Ihrer Marke langfristig Beziehung, Community oder eine besondere Positionierung aufbauen möchten.

In vielen Fällen lohnt sich eine Mischform. Punkte als Basis, dazu Statusvorteile, personalisierte Rewards oder exklusive Aktionen.

So lässt sich der Erfolg messen

Ein Bonusprogramm zur Kundenbindung ist nicht automatisch erfolgreich, nur weil sich viele Personen registrieren. Spannend wird es erst bei der Frage: Verändert sich das Verhalten wirklich?

Wichtige Kennzahlen, die Sie beobachten sollten, sind …

  • Wiederkaufrate
  • Kundenbindungsrate
  • aktive Nutzung des Programms
  • Einlösequote
  • durchschnittlicher Warenkorbwert
  • Kaufhäufigkeit
  • Churn
  • Umsatz pro Kunde
  • Customer Lifetime Value
  • Conversion auf programmbezogene Angebote

Langfristig gilt es außerdem zu betrachten …

  • Retention und Churn: Wenn ein Loyalty-Programm funktioniert, sollte der Anteil wiederkehrender Kundinnen und Kunden steigen und die Abwanderung sinken. Ein Vergleich zwischen Programmmitgliedern und Nicht-Mitgliedern zeigt schnell, ob echte Wirkung entsteht.
  • Umsatz und Kundenwert: Langfristig sollte ein gutes Programm den Kundenwert erhöhen. Mehr Frequenz, mehr Cross-Selling, stabilere Beziehungen und geringere Preissensibilität sind starke Signale dafür.

Fazit: Wann Bonusprogramme und Treuepunkte sinnvoll sind

Bonusprogramme und Treuepunkte sind ein starkes Marketinginstrument, wenn nicht nur schnelle Verkäufe, sondern echte Kundenbindung aufgebaut werden soll. Sie fördern Wiederkäufe, stärken Loyalität und erhöhen den Customer Lifetime Value.

Sinnvoll sind solche Programme vor allem dann, wenn sie einfach funktionieren, wirtschaftlich tragfähig sind, zur Zielgruppe passen und sauber in CRM, Customer Journey und Customer Experience integriert werden. Probleme entstehen meist dann, wenn der Nutzen zu klein, die Mechanik zu kompliziert oder das Modell austauschbar ist.

Der größte Hebel liegt also nicht im bloßen Verteilen von Punkten. Entscheidend ist ein Loyalty-Programm, das echten Mehrwert schafft. Genau dann wird aus einem Bonusprogramm ein Werkzeug, das Ihr Unternehmen nachhaltig voranbringt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Hinweis: E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!