Druckprodukte für Menschen mit Sehstörung

von 4. April 2018 Know-how 2 Kommentare
Flyeralarm Layouts für Menschen mit Sehstörung

Für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen müssen Druckprodukte speziellen Anforderungen gerecht werden: von Blindenschrift bis zu speziellen Farbkombinationen.

Haben Sie die Zahl im Bild rechts auf den ersten Blick erkannt? Rund acht Prozent aller Männer und immerhin 0,4 Prozent der Frauen können das nicht. Sie haben eine erblich bedingte Rot-Grün-Schwäche und sind deshalb nicht in der Lage, die 29 auf dem Bild zu sehen.

Diese und andere Beeinflussungen des Sehvermögens beeinträchtigen den Alltag von Betroffenen – je nach Einschränkung mal mehr und mal weniger. Speziell Augenärzte, Optiker, Apotheken, Senioreneinrichtungen, Krankenkassen oder Pflegedienste sollten sich dieses Umstandes auch bei der Gestaltung von Druckprodukten bewusst sein. Häufig entwickeln oder verstärken sich diese Fehlsichtigkeiten im Alter. Besonders Unternehmen mit älteren Zielgruppen tun also gut daran, bei der Gestaltung von Werbemitteln auf augenschonende Layouts zu achten.

Sehtest Rot-Grün-Schwäche

So nehmen wir Farben wahr

Das menschliche Auge verfügt auf der Netzhaut über Zapfen und Stäbchen, die Lichtreize in elektrische Impulse umwandeln, welche im Gehirn schließlich zu einem Bild umgesetzt werden. Die Stäbchen dienen zum Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen, Zapfen sind auf Farbwahrnehmung spezialisiert. Dabei gibt es drei verschiedene Zapfentypen: S-, L- und M-Zapfen. S-Zapfen sind blauempfindlich (kurzwelliges Licht), M-Zapfen sind grünempfindlich (mittelwelliges Licht) und L-Zapfen sind rotempfindlich (langwelliges Licht).
Bei Menschen mit Farbsehschwächen funktionieren alle drei Zapfentypen – jedoch nicht gleichermaßen. Sind beispielsweise die M-Zapfen beschädigt, werden Grüntöne matter und farbloser wahrgenommen. Diese Fehlfunktion kann angeboren sein oder sich im Laufe eines Lebens entwickeln – und im Alter verstärken. Von Farbenblindheit hingegen spricht man, wenn ein oder mehrere Zapfentypen überhaupt nicht funktionieren.
Hier sehen Sie, wie blau-, grün- oder rotblinde Menschen das Bild eines Blumenstraußes wahrnehmen (v.l.n.r.: original Bild, Blaublindheit, Grünblindheit, Rotblindheit) Funktionieren alle drei Zapfentypen nicht, können Betroffene lediglich in Graustufen sehen.

Druckprodukte für Menschen mit Sehstörung
Blaublindheit
Grünblindheit
Rotblindheit

Worauf gilt es bei der Farbgebung von Werbemitteln zu achten?

Die mit Abstand häufigste Sehstörung, die nicht mit einer Brille ausgeglichen werden kann, ist die Rot-Grün-Schwäche. Logos, Anzeigen oder Werbeaufdrucke in dieser Farbkombination verschwimmen vor den Augen Betroffener und sind nur schwer zu erkennen. Übrigens: Deutlich mehr Menschen, als die oben genannten acht Prozent aller Männer, haben zwar keine attestierte Rot-Grün-Schwäche, neigen jedoch dazu, die Kombination aus knalligem Rot und sattem Grün als unangenehm zu empfinden. So kommen zu übermittelnde Botschaften nicht wie gewünscht beim Betrachter an.

Die richtige Farbkombination finden

Unabhängig von vorhandenen Fehlsichtigkeiten sind für das menschliche Auge Kombinationen aus Farben mit sehr unterschiedlichen Wellenlängen anstrengend. So wirkt eine knallrote Schrift auf dunkelblauem Hintergrund äußerst unruhig. Hintergrund: In der Hornhaut des Auges wird das weiße Licht in unterschiedliche Bestandteile (also unterschiedliche Wellenlängen) gebrochen. Die Linse kann jedoch nur einen bestimmten Bereich der Wellenlängen scharf stellen und optimal auf die Netzhaut bündeln. Mit diesem Effekt lassen sich gezielt Reize setzen, zum Beispiel durch die Verwendung der Komplementärfarben Gelb und Blau. Die Wellenlänge dieser Farben unterscheidet sich in einem solchen Maße, dass die Kombination Betrachtern auffällt, jedoch noch nicht unangenehm erscheint.
Die Kombination aus Farben ähnlicher Wellenlängen, beispielsweise Rot, Orange und Gelb, ist für das Auge leicht zu erfassen und wirkt harmonisch. Ein nützliches, kostenloses Tool, um sich diese Effekte gezielt zunutze zu machen, ist zum Beispiel Adobe Color CC. Neben dem physischen Effekt von Farben verschiedener Wellenlängen sind auch psychische Auswirkungen von Farben nachgewiesen. Mehr dazu erfahren Sie ebenfalls hier im Blog.

Adobe Color CC

Brailleschrift mit Relieflack

Die bekannteste und meistverbreitete Blindenschrift ist die sogenannte Brailleschrift. Die tastbaren Buchstaben bestehen aus jeweils sechs Punkten: drei in der Höhe mal zwei in der Breite. Daraus ergeben sich insgesamt 63 nutzbare Kombinationen. Die Richtlinien für Brailleschrift werden vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband festgelegt.

Mit Relieflack können Sie Brailleschrift in die Gestaltung Ihrer Druckprodukte integrieren. Der Clou: Der aufgetragene Lack ist durchsichtig. Sie können die Brailleschrift also beliebig auf Ihren Druckprodukten positionieren, ohne Rücksicht auf Layouts nehmen zu müssen. Damit machen Sie Ihre Flyer, Post- oder Visitenkarten blinden und sehenden Menschen gleichermaßen zugänglich. Wie Sie Ihr Layout in InDesign gestalten, um Ihre Druckprodukte mit Blindenschrift zu versehen, können Sie hier im Blog nachlesen.

Wichtig für ältere Zielgruppen

Als Teil des natürlichen Alterungsprozesses lässt bei Senioren die Sehkraft häufig nach. Die Sehschärfe nimmt ab, ebenso wird die Linse im Laufe der Jahrzehnte trübe, was das Farb- und Kontrastsehen beeinflussen kann. Für Zielgruppen im besten Alter sind also großformatige Werbemittel mit übersichtlichen Layouts und harmonischen Farbkombinationen angebracht. Auf Flyern im Standardformat erkennen Senioren die Vorzüge Ihrer Angebote eventuell nicht – bewerben Sie Ihre Rabatte oder Sonderaktionen besser auf DIN A5 oder sogar DIN A4 Flyern, Faltblättern oder Beilagen.

Noch großflächiger werben Sie auf Planen und Bannern. Damit ist Ihre Botschaft sogar im Vorbeifahren zu erkennen und Sie erreichen Menschen in einem genau von Ihnen definierten Einzugsgebiet. Hier finden Sie weitere Tipps zu lokalen Marketingmaßnahmen.

Marco

Über Marco

Ist der Rookie im Online-Team von FLYERALARM und lernt jeden Tag Neues dazu. Und weil man Wissen teilt, schreibt er jetzt auch Blogbeiträge. Interessiert sich vor allem für ökologische und gleichzeitig ökonomische Herstellung von Druckprodukten.

2 Kommentare

  • Irene Kern sagt:

    Hi Marco,
    über diesen Beitrag freue ich mich sehr. Habe ein paar Jahre mit blinden und sehbehinderte Kolleginnen und Kollegen im Bildungszentrum Mettmann der Agentur für Arbeit arbeiten und sie begleiten dürfen bei den Schulungen und es ist schön, dass wir nun auch für blinde und sehbehinderte Mitmenschen“erreichbar“ sind.

    Als Flyeralarmerin (über 9 Jahre dabei) freue ich mich natürlich ganz besonders. Andere Frage: sind unsere Webseiten barrierefrei, ist also auch eine Sprachausgabe möglich?

    Liebe Grüße,

    • Marco Marco sagt:

      Hallo Irene,
      schön, dass Dir der Beitrag gefällt. Inklusion beginnt bei ganz kleinen Dingen: Geschäftsberichte, Gutachten, Statistiken oder Infobroschüren können auch sehbeeinträchtigten Menschen mit relativ einfachen Mitteln zugänglich gemacht werden.
      Einen Onlineshop mit über 3 Millionen Produktvarianten 100 % barrierefrei zu gestalten, ist hingegen eine große Herausforderung, die unsere zuständigen Kollegen beschäftigt. Dabei legen wir Wert auf nahe und menschliche Hilfestellung: Zahlreiche Experten stehen bei Fragen rund um Lieferzeiten, Bestellprozesse, Druckdaten(-erstellung), Services u.v.m. mit Rat und Tat bereit. Telefonisch oder in einem FLYERALARM Store.
      Viele Grüße
      Marco

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