Geschichte des Drucks – Teil 6: Die Linotype-Setzmaschine

By 9. September 2020 Technology
Geschichte des Drucks, Linotype-Setzmaschine

Nachwuchs-Autorin Antonia lädt Sie zu einem Ausflug durch die Jahrhunderte ein. In ihrer Blogserie „Die Geschichte des Drucks“ beleuchtet die FLYERALARM Auszubildene erstaunliche Fakten und Erkenntnisse, die Sie vom ersten gedruckten Buch bis in die hochmoderne Neuzeit katapultieren werden. Und nun: Bühne frei für Antonia.

Teil 6: Die Linotype-Setzmaschine

Die Entwicklung der Linotype-Setzmaschine war revolutionär. Doch warum? Wie funktioniert sie?  Wo wurde sie eingesetzt? Erfahren Sie in den folgenden Zeilen mehr dazu.

Die Linotype-Setzmaschine wurde 1886 von Ottmar Mergenthaler erfunden. Sie war eine Revolution in der Satzherstellung, mit welcher Buchstaben sehr einfach hergestellt werden konnten. Der Herausgeber der New York Times war bei der Inbetriebnahme der Maschine so begeistert, dass er „a Line of types“ ausrief (auf gut Deutsch: eine Zeile aus Buchstaben). Dieser Ausruf gefiehl dem Entwickler so sehr, dass er daraus den Namen „Linotype“ formte und so die Bezeichnung der Maschine festlegte. Die Linotype-Setzmaschine durchlebte einige Entwicklungen, vom Bowler bis zum Simplex. Was das ist? Lesen Sie weiter und finden Sie es heraus!

Funktionsweiße der Linotype-Setzmaschine

Der Setzer bedient eine Tastatur, über die er einen Text eingibt. Tippt der Setzer einen Buchstaben, so fällt aus einem Magazin eine Matrize – die metallene Gussform des Buchstaben. Die einzelnen Matrizen werden zu einer Zeile zusammengefügt. Ein sogenannter Spatienkeil, welcher die Nutzfläche zum Schreiben bestimmt, schließt die Zeile durch Veränderung der Wortabstände automatisch auf volle Zeilenbreite ab.

Eine fertig zusammengestellte Zeile wird mit flüssigem Metall ausgegossen. Aus einer Einheit entsteht eine Zeile mit erhöhten Buchstaben, die sogenannte „Line of types“. Bei Setzfehlern muss die ganze betroffene Zeile neu gesetzt und gegossen werden. Linotyp erstellte Zeilenblöcke werden per Hand sowie seitenweise zu Druckblöcken angeordnet. Buchstabenmatrizen für den Guss gelangen per „Elevator“, der wie ein gewöhnlicher Aufzug funktioniert, über eine kodierte Zahnstange zurück zum Matrizenmagazin. Durch eine unterschiedliche Zahlenkodierung an den Matrizen können die Matrizenmagazine mit den unterschiedlichen Schriftarten automatisch zugeordnet werden. Die Spatienkeile durchlaufen einen ähnlichen Kreislauf. Diese befinden sich jedoch in einem separaten Magazin.

Einsatz und Entwicklung

Häufig wurde das Linotype-Setzverfahren für den Zeitungsdruck verwendet. Weiterentwickelte Linotype-Setzmaschinen enthielten bis zu sechs Magazine für unterschiedliche Schriftarten und Größen. In diesen Maschinen konnten 5.000 bis 6.000 Buchstaben stündlich hergestellt werden. 1886 wurde das erste Serienmodell von Mergenthaler auf den Markt gebracht. Er bezeichnet das Gerät als „Bowler“, da die Matrizen auf dem Weg vom Matrizenmagazin zum Zeilensammler durch Druckluft befördert wurden. 1889 kam ein besseres Model auf den Markt, der Simplex. Dieser löste den Bowler ab. Das Druckluftverfahren für den Matrizentransport wurde durch den verlässlicheren Riementransport ersetzt. Über Jahrzehnte hinweg wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. Es gab hierbei unter anderem:

  • Maschinenmodelle mit mehreren Matrizenmagazinen
  • Mixermodelle, welche einen gemischten Satz mit Kursiv- oder Fettdruck erlaubten
  • Gießeinrichtungen für Satzzeilen, die zum wassergekühlten Thermes-Gießrad verbessert wurden
  • eine Wasserkühlung für einen schnelleren Gießvorgang
  • eine Zusatzeinrichtung („Hydrocentric“ genannt), welche die Matrizenzeile automatisch zentrieren sowie links- oder rechtsbündig ausrichten konnte

1971 wurde die Herstellung von Linotype-Setzmaschinen eingestellt und das Linotype-Verfahren wurde durch den fortschrittlicheren Fotosatz verdrängt. Auf unserer Reise durch die Geschichte des Druckes kommen wir der heutigen Zeit immer näher. Im nächsten Beitrag beschäftigen wir uns mit dem Akzidenzdruck. Was sind Akzidenzdrucksachen und Akzidenzschriften? Erfahren Sie schon bald mehr darüber!

Antonia

About Antonia

Antonia macht eine Ausbildung zur Kauffrau für E-Commerce. Als Sportskanone und Leseratte verbringt sie ihre Freizeit am liebsten mit Handball, Skateboardfahren oder einem guten Buch. Das Recherchieren? Liegt ihr im Blut. Das Sammeln von Ideen? Ein Kinderspiel für sie. Und das liest man – in ihrer Beitragsserie zur Geschichte des Drucks!

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