Fotografie Basics – Teil 6: Model-Fotografie für Kleidung und Textilien

By 4. Mai 2022 Backstage, Know-how
Foto Basics - Teil 6: Model-Fotografie

Worauf ist zu achten, wenn ein Fotoshooting mit echten Models ansteht? Welche Fragen müssen für die Model-Fotografie vorab geklärt und welche Kollegen mit ins Boot geholt werden? Wir plaudern aus dem Nähkästchen und geben Ihnen nützliche Tipps für Ihr erstes Modelshooting.

Ausgangssituation: Wir erstellen den FLYERALARM Corporate Fashion-Katalog

Ein individueller Auftritt von Kopf bis Fuß, dafür steht FLYERALARM – und das nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinn. Denn neben unzähligen Druckprodukten und Werbeartikeln zählen auch hochwertige Corporate Fashion und WorkWear zum großen Portfolio der Onlinedruckerei.

Eine Auswahl der besten und beliebtesten Textilien soll nun in einen kompakten Katalog verpackt werden. Um diesen so lebendig wie möglich zu gestalten, bedienen wir uns der klassischen Model-Fotografie. Es werden bei einem professionellen Fotoshooting mindestens 6 Einstellungen mit einem männlichen und einem weiblichen Model aufgenommen. Das ca. 6-stündige Shooting wird im Außenbereich durchgeführt und soll am Ende des Tages eine umfangreiche Auswahl verschiedener Stil- und Bewegtbilder liefern. Sämtliche Aufnahmen, die es aus Platzgründen nicht in den Corporate Fashion-Katalog von FLYERALARM schaffen, werden für die anschließende Promotion genutzt.

Vorbereitungen für ein Shooting mit Model-Fotografie

Eine gute Vorbereitung ist alles. Vor dem großen Shooting-Tag sind daher erst einmal einige wichtige Dinge zu klären. Die Reihenfolge der einzelnen Punkte kann zwar an mancher Stelle variieren, doch an diese Punkte sollten Sie (ob für die Model-Fotografie, das Lifestyle-Shooting oder künstlerische Aufnahmen) in jedem Fall denken.

1. Festlegen der zu fotografierenden Produkte: Wählen Sie einen repräsentativen Querschnitt Ihres Angebots aus, das Sie mit Hilfe der Model-Fotografie angemessen in Szene setzen. Überlegen Sie sich dabei auch gleich, welches Produkt sich wie bzw. an welchem Model bestmöglich realisieren lässt. Im Falle des FLYERALARM Corporate Fashion-Katalogs werden bedruckbare T-Shirts, Hoodies, Sweatjacken, Mützen, Multifunktionstücher und Hemden an jeweils einem männlichen und einem weiblichen Model präsentiert.

2. Auswahl der Models: Je nachdem, wie umfangreich Ihr Fotoshooting ausfallen soll und wie Sie sich Ihre Motive vorstellen, legen Sie die Anzahl und die präferierte Optik Ihrer Models fest. Behalten Sie dabei immer Ihre Zielgruppe und die Corporate Identity Ihrer Marke im Blick. Möchten Sie sich etwa mit Ihren Fotos an junge Familien mit Kindern richten, so sollten Ihre Models eine gewisse Ähnlichkeit zur Zielgruppe aufweisen. Extrem muskelbepackte Herren und allzu schlanke Damen der Haute Couture Modelkategorie eignen sich in diesem Fall also eher weniger gut, da sich weder Ihre Zielgruppe noch Ihr Unternehmen oder Auftraggeber mit diesen identifizieren kann.

3. Das passende Kamera-Equipment: eine gute Kamera, zwei Objektive, ein Ersatzakku, eine zweite Speicherkarte, ein Mikrofasertuch zum Reinigen der Linsen, Stativ, UV-Filter, Blitz und Reflektor. In einer guten (und am besten wetterfesten) Fototasche sollten diese Basics auf keinen Fall fehlen. Haben Sie an alles gedacht?

4. Zusammenstellen des Teams: Der Fotograf ist kein einsamer Wolf, sondern immer auch ein Teil eines großen Kreativteams. Holen Sie also unbedingt Kollegen an Board oder engagieren Sie externe Helfer und Experten, die Ihnen zur Hand gehen. Im Falle des Shootings für den Corporate Fashion-Katalog von FLYERALARM sind neben zwei Models und dem Fotografen noch vier weitere Personen mit von der Partie: Ein Koordinator, eine Assistentin, eine professionelle Visagistin und Ihre Blogautorin für die anschließende Berichterstattung. Wen und wie viele Kollegen Sie bei Ihrem ersten Auftrag involvieren, bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen und ist auch abhängig von der Art und dem Umfang Ihres Auftrags.

5. Requisiten nicht vergessen! Sie haben die Produkte, die Models, das Kamera-Equipment und Ihre Kollegen an Board. Damit kann es doch eigentlich losgehen? Falsch gedacht! Denn wer stimmungsvolle Bilder im Bereich der Model-Fotografie schießen möchte, der benötigt unbedingt auch passende Requisiten. Ein erfrischendes Sommersetting zum Präsentieren der neuesten Strandmode? Was wäre das ohne Liegestuhl, Decke, Wasserball und Eis in der Hand? Eben. Fertigen Sie also mit Ihrem Team eine Liste aller benötigten Dinge an, die Sie zum Ausgestalten Ihrer Fotowelten benötigen.

6. Tagesablauf und Details klären: Sie haben es fast geschafft! Alles was Sie jetzt noch tun müssen, ist Ihren großen Shooting-Tag zu planen und alle Beteiligten auf den gleichen Stand zu bringen. Wann geht es los? Wo ist der Treffpunkt? Wie gelangen Sie zur (ersten) Location? Welche Kleidung sollten die Models tragen und zusätzlich bereithalten? Wie viele Fahrzeuge werden benötigt, um alle Personen und das Equipment an Ort und Stelle zu bringen? Sollten Sie ein Außenshooting planen, halten Sie zudem auch einen Plan B für schlechtes Wetter bereit. Haben Sie alle Details zusammengetragen, lassen Sie Ihrem Team sämtliche Informationen zukommen. Dann steht Ihrem ersten großen Modelshooting nichts mehr im Weg.

Übrigens: Im 4. Teil unserer Serie Fotografie Basics geben Ihnen die Profi-Fotografen von FLYERALARM nützliche Tipps für den Umgang mit schüchternen Models, die professionelle Porträt-Fotografie und vieles mehr. Damit kann wirklich nichts mehr schiefgehen.

Interview hinter der Kamera mit Visagistin Nadja Akra von NN Maskenbildner

FLYERALARM: Hallo Nadja, schön, dass wir heute mit dir sprechen dürfen. Stell dich unseren Lesern doch gerne erstmal vor. Wer bist du und was machst du, wenn du nicht gerade beim Modelshooting für den FLYERALARM Corporate Fashion-Katalog mitwirkst?

Nadja Akra: Ja gerne. Hallo, mein Name ist Nadja Akra. Ich bin gelernte Maskenbildnerin und arbeite etwa seit 17 Jahren in diesem Beruf. Seit ungefähr 8 Jahren bin ich außerdem selbstständig bei NN Maskenbildner als Visagistin in Würzburg tätig.

FLYERALARM: Du bist Visagistin, Maskenbildnerin, Hair- & Makeup Artist und Brautstylistin. Kannst du uns erklären, welche Unterschiede es zwischen diesen Berufsfeldern gibt?

Nadja Akra: Klar. Maskenbildner arbeiten vorwiegend am Theater oder auch bei Film- und Fernsehproduktionen mit. Um diesen Beruf auszuüben, braucht man eine 3-jährige Ausbildung zum Maskenbildner am Theater, beim Fernsehen, an der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden, oder an einer anderen privaten oder öffentlichen Schule. Allerdings hat man ohne eine vorherige Eigeninitiative, d.h. Friseurlehre oder Praktikum in der Maske bzw. am Theater eigentlich keine Chancen, einen Ausbildungsplatz als Maskenbildner zu ergattern.

Visagistin und Hair- & Makeup Artist meint im Grunde das gleiche. Alles, was das Gesicht betrifft, fällt hier hinein. Nun ja, und die Brautstylistin braucht wahrscheinlich keine weitere Erklärung, glaube ich.  – lacht –

FLYERALARM: Wie bist du auf deinen Beruf gekommen? War das schon immer eine Leidenschaft von dir?

Nadja Akra: Ich bin da eigentlich schon zu Schulzeiten hineingerutscht. Nach meinem Fachabitur habe ich einen Praktikumsplatz am Theater ergattern können und hier verschiedene Bereiche kennengelernt. Das hat mich einfach fasziniert und so habe ich mich dafür entschieden, Maskenbildnerin zu werden. Eigentlich hatte ich ein Studium in Dresden angestrebt, aber habe mich letztendlich dann doch für eine Ausbildung in Würzburg entscheiden.

Model-Fotografie für Kleidung und Textilien: Visagistin Nadja Akra

Die Ausbildung selbst war sehr abwechslungsreich und auch fordernd. Man muss hierfür nicht nur einiges an Theorie pauken, sondern auch Kreativität und handwerkliches Geschick mitbringen. Schließlich arbeiten Maskenbildner und Maskenbildnerinnen nicht nur direkt am Menschen – sie machen auch viel im stillen Kämmerlein bzw. in der Werkstatt. Zum Beispiel um komplexe Masken und Teile aufwendiger Kostüme anzufertigen. Da ist schon einiges an Vorstellungskraft gefragt.

FLYERALARM: Du betreibst gemeinsam mit deiner Partnerin Nicole Madeleyn ein eigenes Business unter dem Namen NN Maskenbildner. Wie kam es dazu?

Nadja Akra: Ich habe damals schon einige Jahre als Maskenbildnerin beim Mainfrankentheater in Würzburg gearbeitet. Dort hat es mir auch sehr gefallen. Allerdings habe ich mir ein Stück mehr Freiheit gewünscht, was die Arbeit- und Urlaubszeiten angeht. Durch die festgelegten Spielpläne und Aufführungen ist man da ja doch recht eingeschränkt. Etwa zu dieser Zeit wurde ich dann auch schwanger und konnte dadurch ohnehin weniger vor Ort am Theater sein. Und so habe ich diese Phase direkt genutzt und mit Nicole das gemeinsame Business aufgebaut.

FLYERALARM: Welche Art von Auftraggeber und Auftraggeberinnen zählen außer FLYERALARM zu deinem Kundenstamm? Gibt es eine bestimmte Zielgruppe?

Nadja Akra: Ach, das ist ganz unterschiedlich und zieht sich eigentlich querbeet durch alle Zielgruppen. Von der klassischen Braut bis zum Filmproduzenten ist da so ziemlich alles und jeder dabei. Auch Theateraufträge nehme ich natürlich nach wie vor gerne an. Oder ich schminke Models für Werbeaufträge, Kunstprojekte und ähnliches. Da gibt es eigentlich keine Grenzen.

FLYERALARM: Wann musst du für gewöhnlich aufstehen und wie sieht ein typischer Arbeitstag als Visagistin aus?

Nadja Akra: Das ist genauso unterschiedlich wie meine Kunden. Heute, beim Model-Shooting für den FLYERALARM Textilkatalog bin ich gegen halb 7 aufgestanden. Wir haben uns ab 7:30 hier getroffen und ich habe damit begonnen, die beiden Models zu schminken und zu frisieren. Ich werde sie jetzt den ganzen Tag über begleiten und hier und da immer mal etwas nachpudern und ausbessern. Wenn die Stirn glänzt oder spontan eine andere Frisur für das Foto gewünscht wird, bin ich zur Stelle.

Wenn man an einem großen Filmset arbeitet, sieht das wieder ganz anders aus. Da beginnt der Arbeitstag oft schon ab 4 oder 5 Uhr morgens und dauert dann auch gerne mal den ganzen Tag. Überstunden sind da keine Seltenheit und es steht auch oft ein ganzes Team an Maskenbildnern bereit. Am Theater beginnt der Arbeitstag dafür wesentlich später, da die Schauspieler für Ihren großen Auftritt erst in den Abendstunden geschminkt und frisiert sein müssen. Ja und bei einem Brautstyling richte ich mich natürlich komplett nach dem Tagesablauf der Braut. Meistens trifft man sich am frühen Morgen oder am Vormittag für das Styling, damit zur Trauung dann alles perfekt ist.

FLYERALARM: Was muss man bei einem professionellen Make-up für ein kommerzielles Shooting mit Model-Fotografie beachten?

Nadja Akra: Wenn wir von der klassischen Model-Fotografie oder vom Brautstyling sprechen, ist es am wichtigsten, dass sich das Model, die Kundin oder der Kunde wohlfühlt. Denn, wenn das nicht der Fall ist, sieht man das auf den Fotos sofort. Es geht darum, die natürlichen Vorzüge zu unterstreichen, damit sie sich nicht verkleidet oder angemalt fühlen.

FLYERALARM: Die Kosmetik- und Make-Up Branche befindet sich gefühlt ständig im Wandel. Wie hältst du dich über Trends auf dem Laufenden?

Nadja Akra: Wir Maskenbildner bzw. Hair- & Makeup Artist sind ziemlich gut vernetzt und tauschen uns viel aus. Es gibt regelmäßige Workshops, zu denen man sich anmelden kann (und auch sollte) und auch Messen. Natürlich bin ich auch auf Social-Media aktiv. Was man dort allerdings zum Teil sieht, ist oft mit Vorsicht zu genießen. Ich setze daher nicht immer alles um, was gerade „In“ ist. Es sei denn, die Kunden und Kundinnen wünschen sich das.

FLYERALARM: Möchtest du unseren Lesern abschließend noch etwas mit auf den Weg geben? Zum Beispiel einen ultimativen Schminktipp, der garantiert immer für gute Fotos sorgt?

Nadja Akra: Bleibt eurem Typ treu und lasst euch im Zweifelsfall in der Drogerie beraten. Außerdem ist es wichtig, hochwertige Produkte zu kaufen, wenn es um die eigene Haut und das Wohlbefinden geht. Teuer ist zwar nicht immer besser, aber ein minderwertiges Make-up erkennt man eigentlich sofort. Also nicht am falschen Ende sparen.

FLYERALARM: Vielen Dank, dass du dir heute Zeit für uns genommen hast. Und jetzt noch viel Spaß hier am Set.

Nadja Akra: Dankeschön. Den werde ich haben.

Die Nachbereitung: Shooting beendet und nun?

Eines steht fest: Bei einem Shooting mit Model-Fotografie entstehen viele Bilder. Sehr viele! Und das ist auch gut so, denn um die perfekte Aufnahme zu bekommen, braucht es Geduld und Zeit. Das gilt vor allem dann, wenn Sie mit realen Menschen anstatt mit starren Produkten arbeiten: Mal ist die Locke des Models etwas verrückt, mal ist der Gesichtsausdruck noch nicht perfekt, mal ist die Szenerie noch nicht korrekt ausgeleuchtet oder eine Wolke hat Ihnen im Außenbereich spontan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Darum rechnen Sie immer auch eine angemessen lange Zeit für die Auswahl und die Nachbereitung der Bilder ein.

Noch ein letzter Tipp: Schauen Sie ruhig auch einmal in unserer Tutorial-Serie Photoshop Basics vorbei. Hier finden Sie eine ganze Reihe hilfreicher Anleitungen, die Ihnen bei der Nach- und Weiterbearbeitung Ihrer Fotos von Nutzen sind. Egal ob Model-Fotografie, Landschafts- und Naturaufnahmen, Lifestyle-Shooting oder Kunstfotografie: Im FLYERALRM Blog gibt es die passende Hilfe für Ihre Projekt. In diesem Sinne: Viel Freude beim Shooten!

Doreen

About Doreen

Doreen ist eine echte Vollblut-Texterin, die schon so manche Tastatur an ihre Grenzen brachte. Sie ist vielseitig interessiert und beruflich schon immer im Marketing zu Hause. Am liebsten bringt sie nützliches Druckwissen und kreative Werbeideen auf den Punkt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar